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Von Rastatt in die Glitzerwelt des Films
07.09.2018 - 00:00 Uhr
Von Daniel Melcher

Rastatt - Mehr als 1,2 Millionen Klicks bei You Tube, zahlreiche Festival-Preise gerade auch in USA und in der Filmhauptstadt Los Angeles: Der Rastatter Joachim Weber hat mit seiner Animationskurzfilmserie "Pensioner Chips" international Erfolg (Pensioner = Rentner). Einen vergoldeten Preis, der aus derselben Schmiede kommt wie der "Oscar", hat er schon in der Hand. Warum also nicht noch mehr? Think big! Wer groß werden will, muss groß denken. Weber, in der Barockstadt vor allem als der Mann hinter der Star-Drive-Aktion bekannt, in deren Zug bislang 40 Stromkästen von Künstlern gestaltet worden sind, hat das verinnerlicht. Großes Ziel ist - neben dem "Oscar" - ein abendfüllender Animationsspielfilm.

Weber ist hierfür bereits frühzeitig strategisch vorgegangen: "Wenn du in den USA Erfolg haben willst, dann musst du dort auch präsent sein." Also hat er Anfang der 2000er-Jahre die "CGI Magic Movie Corporation" in Beaverton (Oregon) gegründet. Bis die Sache richtig ins Laufen kam, vergingen jedoch Jahre. "Erst einmal mussten die Computerkapazitäten groß genug werden, damit man 3-D-Animationen auch ohne Millionenbudget und ohne dass man Pixar heißt, machen kann", erläutert der Rastatter. Ironie: Ausgerechnet veraltete Mikroprozessoren, die für die modernen Anforderungen nicht mehr genug Kapazitäten haben, sind die Protagonisten seiner Kurzgeschichten.

Die in Rente geschickten Chips Willy und Jimmy, die (in der Arbeitswelt) nicht mehr gebraucht werden, sitzen nun auf einer Parkbank (genauer: der Zentralbank), schwadronieren über gesellschaftliche Themen - von Rente und Pflege bis hin zum US-Präsidentschaftswahlkampf - und haben dabei im Laufe von inzwischen sechs Episoden ihre Fangemeinde gewonnen. Erfinder der Figuren, Drehbuchschreiber, Produzent und Regisseur: Joachim Weber. Fünf der Clips sind auf You Tube abrufbar, die Episode sechs wird erst eingestellt, wenn die aktuelle Festivalsaison gelaufen ist.

Zum Leben erwecken lässt Weber seine Figuren in einem Studio in Frankfurt, je nach Produktion sind bis zu 20 Leute damit beschäftigt,

ein Dreivierteljahr dauere es im Schnitt, bis eine Episode im Kasten ist. "Einen Animationsfilm herzustellen, ist aufwendig, teuer und kompliziert", sagt er, "macht aber auch Spaß". Jeder Profi in seinem Team liefere einen "Top-Job" ab - und als Regisseur müsse er sich nicht mit Schauspielern am Set rumärgern.

Anfangs noch auf Deutsch, werden die Dialoge zwischen Willy und Jimmy inzwischen auf Englisch eingesprochen - entsprechend dem Markt, den man im Blick hat, und der liegt nun mal überwiegend in Übersee. Der Erfolg gibt Weber Recht: Ein zündender Moment war, als im Dezember 2017 beim Los Angeles Global Film Festival "And the winners are..." aufgerufen wurde. Mit dabei: "Pensioners Chips by Joachim Weber."

Inzwischen kommt der Rastatter mit seiner Filmfirma auf mehr als 15 internationale Preise, vor allem die beiden jüngsten Episoden fünf und sechs ("Presidential Campaign" und "Fake News") räumten ab. Und hat man erst einmal ein paar Awards gewonnen, nimmt man eine ganz andere Position ein, wenn die nächste Nominierung kommt. Erfolg bringt weiteren Erfolg, sagt Weber. Und öffnet Türen. Nicht nur, dass der Rastatter inzwischen in die "Los Angeles Television, Script and Film Festival Jury" berufen wurde. Noch ist Weber auch auf Festivals im Rennen, die eine "Academy-Award"-Qualif-kation haben, etwa das New Orleans Film Festival, wo man anstatt wie sonst mit 1000 mit rund 5000 Mitbewerbern konkurriere. Gewinnt er eines dieser Festivals, kommt er in den "Oscar"-Nominierungspool für die Kategorie bester animierter Kurzfilm. Und wer weiß schon, was dann passiert...?

Webers Netzwerk wächst jedenfalls - und damit auch die Hoffnung, eines Tages das Spielfilmprojekt umsetzen zu können, das er schon so lange in sich trägt: Die "Fabulous Three" (die fabelhaften Drei). Drei Insekten - eine Libelle, eine Schnake und eine Ameise - erleben darin Abenteuer. Es geht ums Bienen- beziehungsweise Insektensterben in Webers Drehbuch. Wieder - wie bei den "Pensioner Chips" - liegt also ein ernstes Thema zugrunde. Derzeit ist man dabei, Filmförderung und Finanzierung hinzubekommen. "Ich denke das wird eine spannende Sache", ist sich Weber bewusst, damit ein Wagnis einzugehen. Schon einmal hat er einen - nie realisierten - Film um die "Fabulous Three" geschrieben, in dem die drei Helden durch einen Schlitz im Computer hindurch ins Internet geraten. Das war in den 90ern. Immerhin: Die Mikroprozessoren Willy und Jimmy kamen darin bereits vor. Als aus dem Film nichts wurde, startete er mit ihnen die "Pensioner-Chips"-Serie. Inzwischen kann er das Experiment nicht nur finanziell als eine Investition in die Zukunft betrachten. Weber hofft, dass sie ihm nun durch ihren internationalen Bekanntheitsgrad auch den Weg zum Großprojekt ebnen. Ein Kreis würde sich schließen. Und noch mehr Türen öffnen. "And the winner is..."?

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