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Wie sich Dorftraditionen in Kunst verwandeln
Der Oberndorfer Dorfplatz mit seinen Skulpturen und Brunnen. Foto: av/BT
07.09.2018 - 00:00 Uhr
Von Albrecht Klingsporn

Kuppenheim - In Oberndorfs Mitte, zwischen ehemaligem Rathaus und Heilig-Kreuz-Kirche, im Winkel zwischen der neu angelegten Haupt- und der Leopold-Dony-Straße, wurde 2016 ein zentraler Platz geschaffen, der neue Dorfplatz. Kunstwerke schließen seinen gepflasterten Teil, der auch Festplatz ist, wie eine Kulisse zur anschließenden Dorfwiese ab.

Links zum Auftakt der "Hingucker", eine realistisch gearbeitete Figurengruppe in Bronze: Eine Schweinehirtin mit bodenlangem Rock und Schürze, das Kopftuch unter dem Kinn geknüpft, die Arme hinter dem Rücken verschränkt, eine Gerte zwischen den Händen, schaut belustigt auf die Muttersau vor ihr und deren beiden Ferkel, die sie auf der Weide hütet. Dargestellt ist Ottilie Westermann, die letzte Schweinehirtin Oberndorfs. Sie versah ihren Dienst als Angestellte der Gemeindeverwaltung von 1923 bis in die 1950er Jahre hinein.

Zur Mitte hin folgt ein Brunnen aus hellrotem Sandstein. Ein neu gefertigter rechteckiger Brunnenstock bildet das Mittelstück zwischen zwei alten Brunnentrögen und speist sie mit seinen beiden Ausläufen. Die Tröge sind unterschiedlich hoch und lang. Eingemeißelt sind auf ihrer Vorderseite jeweils das Herstellungsjahr und darüber ein Hufeisen, das Oberndorfer Siegel- und Wappenzeichen, das erst 1901 durch das Kreuz ersetzt wurde. Der kleinere Trog links stammt von 1842, der größere rechts von 1893. Beide haben eine lange Wanderschaft hinter sich. Ursprünglich waren sie Teil zweier Dorfbrunnen, des Kellenbrunnens an der Ecke Jahn-/Hauptstraße und des Isserrainer Brunnens in der Rotenfelser Straße. Diese mussten in den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts dem Straßenbau weichen. Die Becken blieben erhalten. Sie dienten einem neuen Brunnen am Zugang der 1965 gebauten Grundschule in der Jahnstraße, bis sie 2016 auf dem Dorfplatz ihren wohl endgültigen Standort fanden.

Der steinerne Brunnenstock wird von einem Eisengestell eingerahmt und überhöht. Es trägt drei leicht stilisierte Skulpturen aus Bronze: vorn einen Kräuterbusch, seitlich eine Rätsche und zuoberst den Pfingstträg. Der 24 Heilkräuter umfassende "Kridderbusch" wird an Mariä Himmelfahrt, am 15. August, in der Kirche geweiht. Die Rätschen ersetzen die Kirchenglocken von Gründonnerstag bis in die Osternacht. Der Pfingstträg ist ein sagenhafter träger Geselle, der am Pfingstmontag in Farn gehüllt von Jugendlichen durchs Dorf geführt wird und sich ein Spottlied anhören muss. Der Brauch, der früher weit verbreitet war, wird heute nur noch in Oberndorf gepflegt.

Die Bronzeskulpturen auf dem Oberndorfer Dorfplatz schuf der Bildhauer Michael W. Huber aus Oberkirch. Sie gehen zurück auf Anregungen des Arbeitskreises "Kunst für den Dorfplatz", der mit den Kunstwerken die Erinnerung an Oberndorfs Geschichte und Traditionen wach halten wollte.

Hans-Peter Mai, ein Mitglied des Arbeitskreises, gab dem Thema "Dorftratsch" auf der Dorfwiese mit Humor und minimalem Materialeinsatz eine künstlerische Gestalt: Figuren aus Edelstahlstangen mit aufgesetzten Holzscheiben als Köpfe bilden eine Personengruppe im angeregten Gespräch, in das der Rotkopf als Außenseiter einbezogen ist.

Erläuterungen zur Kunst am Dorfplatz finden sich auf einem drehbaren Würfel, der seitlich aufgestellt ist.

Info: Der Autor Dr. Albrecht Klingsporn ist Mitglied des Arbeitskreises "Kleindenkmale in Kuppenheim und Oberndorf".

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