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Nussbäume sind keine Selbstbedienungsläden
29.09.2018 - 00:00 Uhr
Von Sabine Wenzke

Kuppenheim - Auch wenn Äpfel oder Nüsse an den Bäumen noch so verlockend aussehen - so sind diese keine Selbstbedienungsläden. Wer sich an fremden Früchten auf Privatgelände vergreift, schädigt nicht nur die Eigentümer, sondern muss auch, wenn er erwischt - und angezeigt wird - mit Konsequenzen rechnen. Denn: Mundraub (früher Verbrauchsmittelentwendung) gibt es schon lange nicht mehr und Obstklau ist seit Mitte der 1970er Jahre schlichtweg Diebstahl. Und der stellt im Strafrecht Deutschlands einen Straftatbestand dar.

Vor allem Nüsse scheinen es derzeit den Langfingern in der Natur angetan zu haben, denn in den vergangenen Tagen gab es drei registrierte Fälle von Nussklau in Elchesheim-Illingen, Muggensturm und Kuppenheim. In Elchesheim-Illingen hatten offenbar mehrere Personen Nussbäume abgeerntet, Beamte des Polizeireviers Bühl konnten aber Tatverdächtige ermitteln, da ein Zeuge am Tatort das Autokennzeichen eines Mannes notiert und die Polizei informiert hatte. Im Zuständigkeitsbereich des Polizeireviers Gaggenau sind zwei Fälle aktenkundig, wie Revierleiter Jörn Hinrichsen auf BT-Nachfrage informiert. In Muggensturm wurde ein Täter erwischt, der ein Gefäß mit Nüssen befüllte. Die Schließfrüchte wurden an den Eigentümer herausgegeben.

Das war auch in Kuppenheim der Fall. Dort fuhr der Eigentümer, der namentlich nicht genannt werden will, an seinen Nussbäumen vorbei, als er ein Auto mit Badener Kennzeichen sowie zwei Männer und eine Frau erblickte, die seine Walnüsse ernteten - etwa fünf Kilo, meinte er im BT-Gespräch. Er gab sich zu erkennen, forderte die Rückgabe seines Eigentums und die drei Personen auf, sein Grundstück zu verlassen - und erstattete später Anzeige wegen Diebstahls beim Polizeiposten Kuppenheim, berichtet er. "Mir stinkt es einfach, welche Einstellung manche Leute zu fremdem Eigentum haben", nennt er den Grund für seine Anzeige - getreu dem Motto: "Es kann ja nicht so schlimm sein, wir sammeln ja nur ein paar Nüsse ein." Viele Eigentümer schimpfen darüber, würden aber nichts dagegen tun. Der Kuppenheimer hofft daher, dass seine Anzeige und der Weg in die Öffentlichkeit zur Abschreckung solchen Tuns beitragen werden.

Nur wenige Anzeigen

In der Tat werden offenbar nur wenige Fälle aktenkundig, die Dunkelziffer indes dürfte viel höher sein. Dies kann auch Edwin Gutmann, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins in Kuppenheim, aus eigener Anschauung bestätigen, der selbst stolzer Besitzer etlicher Walnussbäume - und Betroffener - ist. Der 75-Jährige ist viel im Feld draußen, kennt dort "nahezu jeden Acker und Baum". Immer wieder sieht er Menschen mit Plastiktüten und anderen Gefäßen, die sich an Obst- und Nussbäumen zu schaffen machen. Manchmal seien diese auch so dreist, dass sie sich selbst nicht davon abhalten lassen, wenn er auf einem gegenüberliegenden Acker zugange ist. Selbst Brombeerhecken, die einen Nussbaum umgaben, konnten Diebe nicht abschrecken, erzählt er kopfschüttelnd. Oder es wird mit Hölzern oder Stangen in die Äste geschlagen, damit Früchte und Nüsse auf den Boden fallen. "Wir arbeiten fast jeden Tag auf den Feldern und finden dann abends keine Nuss mehr", meint er überspitzt.

"Das kann's nicht sein."

Der Diebstahl an den Bäumen habe in den vergangenen Jahren zugenommen, so sein persönliches Empfinden. Und es gebe Bäume, die regelmäßig heimgesucht werden - gerade jene, die besonders schöne große Früchte tragen.

Maroni seien besonders begehrt. "Die Edelkastanien werden schon im Rohzustand runtergeangelt", berichtet Gutmann und meint in einem Anflug von Galgenhumor: "Ich kann ja schlecht ein Schild hinstellen mit der Aufforderung ,bitte ausreifen lassen'". Ein Schild hat er allerdings schon einmal bei Obstbäumen angebracht, die für die Lebenshilfe bestimmt waren. Dennoch wurde einer der Bäume total abgeerntet, ärgert er sich.

Gutmann hat auch schon unbefugte "Pflücker" angesprochen und sie aufgeklärt, wie viel Arbeit die Pflege und das Zurückschneiden der Bäume macht, damit sie schöne Früchte tragen und dass ihr Tun Diebstahl ist. Angezeigt hat er aber noch keinen bisher. "Ich bin kein Feldhüter in Kuppenheim", verdeutlicht er.

Keine Angaben zur Häufigkeit von Früchteklau kann die Staatsanwaltschaft in Baden-Baden machen. Denn: "Wir führen keine Statistik darüber", erläutert die stellvertretende Pressesprecherin Katharina Eckardt. Allerdings: Schon wer einen Apfel klaut und sich somit fremden Eigentums bemächtigt, begeht Diebstahl. Und bei Diebstahl droht laut Paragraf 242 Strafgesetzbuch (StGB) eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe, wie Eckardt auf BT-Nachfrage grundsätzlich erläutert. Diebstahl und Unterschlagung geringwertiger Sachen (Paragraf 248a StGB) werden allerdings nur auf Antrag verfolgt, es sei denn, dass ein besonderes öffentliches Interesse an der Strafverfolgung von Amts wegen besteht. Das sei vom Einzelfall abhängig, sagt Eckardt. Und es komme eben auch auf den Wert und den Umfang des Diebesguts sowie die strafrechtliche Vorbelastung des Täters an.

Künftig auch Feldhüter in Kuppenheim

Egal, wie solch ein Verfahren ausgeht, Ärger ist damit immer verbunden. Daher Hände weg von fremdem Obst, Gemüse oder Nüssen anderer, es sei denn, es ist ausdrücklich erlaubt. Wie in manchen Gemeinden, die ihre kommunalen Bäume zum Abernten an Bürger versteigern.

Allerdings sei es da auch schon vorgekommen, dass es nichts mehr zu ernten gab, weil Unbefugte schneller waren, weiß Uwe Kimberger, Berater für Obst- und Gartenbau im Landratsamt Rastatt, aus seinen Erfahrungen zu berichten. Seiner Ansicht nach sollte jeder Obstdiebstahl angezeigt werden, denn die Obstbauern hätten viel Arbeit mit der Pflege ihrer Grundstücke und Bestände. Kimberger würde daher den Einsatz von Feldhütern begrüßen.

Immerhin: Die Stadt Rastatt hat die Stelle Feldschutz in diesem Jahr neu geschaffen und die Gemeinde Ötigheim bereits im September 2017 einen pensionierten Polizeibeamten auf Teilzeitbasis als Feldhüter eingestellt. Und auch in Kuppenheim dürfte im nächsten Jahr ein Feldhüter seine Tätigkeit aufnehmen: Die finanziellen Mittel seien bereits über die Stiftung Streuobstinitiative bereitgestellt, teilte Bürgermeister Karsten Mußler auf BT-Nachfrage mit.

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