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Schüler werden zu "Barrierescouts" ausgebildet
Die Schüler aus dem dritten Ausbildungsjahr der Berufsschule für Altenpflege an der Anne-Frank-Schule unternehmen erste Versuche im Rollstuhlsport. Foto: Hauptmann
10.10.2018 - 00:00 Uhr
Rastatt (yd) - Um flotte Sprüche ist Marco Hopp nicht verlegen. Der ehemalige Trainer der Junioren-Nationalmannschaft im Rollstuhl-Basketball ist eine echte Marke: Und so ist es kein Wunder, dass er die Schüler der Anne-Frank-Schule (AFS) auch zu begeistern weiß: "Keine Sorge, der Rollstuhl rettet Euch das Leben, wenn ihr gegen die Wand kachelt." Drei Klassen der Rastatter Bildungseinrichtung haben gestern am ersten Modul eines Pilotprojekts teilgenommen, das jungen Erwachsenen einen Einblick ins Leben von Menschen mit Behinderung ermöglichen soll.

Justin Widera und sein Klassenkamerad Ivan Buttita haben die sportliche Doppelstunde mit Marco Hopp gerade beendet - und die beiden Schüler sind ganz schön außer Atem: "Es ist ja auch anstrengend. Das geht in die Arme", sagt Buttita. Auf Einladung der Behindertenbeauftragten des Landkreises Rastatt, Petra Mumbach, fand die besondere Unterrichtseinheit unter dem Motto "Behindertensport macht Schule" gestern statt.

Nach einem kurzen Film, der die Bandbreite des Behindertensports aufzeigt, und technischen Erklärungen zur Funktion eines Sport-Rollstuhls stellt Hopp sich den Schülern vor - Fragen zu seiner Vita und dazu, warum er selbst im Rollstuhl sitzt, sind ausdrücklich erwünscht: "Ich bin kein Simulant, ich brauche den hier wirklich."

"Das schafft Nähe und baut auch Barrieren ab", meint Mumbach. Zusammen mit Frank Burkhardt, Inklusionslehrer an der Anne-Frank-Schule, wurde das Konzept erarbeitet. Nach der Rollstuhl-Sportstunde wird eine der Klassen, die gestern teilgenommen hat, ausgewählt. Die Schüler werden dann von Mumbach zum Thema Barrierefreiheit und Inklusion geschult. Im dritten Projekt-Modul sollen sie dann zu "Barrierescouts" ausgebildet werden. Ziel: Sie sollen ihre Schule auf Barrieren untersuchen und die Inklusion an der AFS dadurch fördern. Die Begehung der Schule und ihres Geländes wird in Kleingruppen intensiv vorbereitet und mit Hilfsmitteln (Rollator, Rollstuhl, Simulationsbrillen und so weiter) durchgeführt. "Ein Beispiel, wo Handlungsbedarf besteht, sehen sie gleich hier. Am Eingang der Turnhalle fehlt eine Rampe", sagte Mumbach

Schulleiterin Gabriele Reeb lobte dennoch die gute Zusammenarbeit mit dem Landkreis. "Es hat sich schon viel getan. Aber die Idee ist natürlich, das Thema weiter zu entwickeln."

Die AFS soll nicht die einzige Schule im Landkreis bleiben, an der das Projekt, an dem auch der Behinderten- und Rehabilitationssportverband Baden beteiligt ist, durchgeführt wird. "Das hier ist die Pilotphase", sagt die Behindertenbeauftragte. Sie wird das Projekt im kommenden Jahr der Schulleiterkonferenz vorstellen und hofft, so noch weitere Schulen für die Teilnahme zu gewinnen.

Voraussichtlich wird dann auch wieder Marco Hopp dabei sein. "Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen macht mir unheimlich Freude", sagt er. Und auch die Schüler der AFS, die nach 45 Minuten bereits recht wendig mit den Rollstühlen durch die Turnhalle flitzen, sehen aus, als hätten sie gerade recht viel Spaß. "Das war toll - auch für unseren Zusammenhalt als Klasse, da war richtig Teamwork nötig", sagt Elif Demir, eine der Schülerinnen, die mitgemacht haben. Marco Hopps Konzept ist also voll aufgegangen.

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