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Fehlwürfe machen Kompostwerk zu schaffen
11.10.2018 - 00:00 Uhr
Von Daniel Melcher

Rastatt/Iffezheim - Die Ladetür des Müll-Lasters öffnet sich, langsam ergießt sich der Bioabfall über den Hallenboden. Bioabfall? Viele Plastiktüten fallen auf, umverpackte Lebensmittel, zudem weiteres Material, das weder bio noch kompostierbar ist. Die Mitglieder des Abfallwirtschaftsbetriebs des Landkreises, die sich am Dienstag zu einer Besichtigung des SKV-Kompost- und Biokraftwerks in Iffezheim aufgemacht haben, bekommen "live" vor Augen geführt, was ein Problem für die Betreiber ist - die mangelnde Qualität des angelieferten "Stoffs".

Um aus dem gesammelten Bioabfall der Landkreis-Bewohner guten Kompost zu machen, ist, wie Geschäftsführer Karlgünter Eggersmann erläutert, ein größerer Aufwand erforderlich - und das bei einer Vergärung, die nicht so effizient läuft wie das Unternehmen, das das Iffezheimer Werk 2017 übernommen hat, es von seinen eigenen Anlagen gewohnt sei. Eggersmann sieht Handlungsbedarf. Zum einen plant die Firma eine Umrüstung sowie eine Ausdehnung in den Norden (also auf die Seite, die dem benachbarten Gewerbegebiet abgewandt und daher weitestmöglich von Iffezheimer Bebauung entfernt ist). Damit wäre eine Steigerung der Behandlungskapazität verbunden, im Endausbau könnte auch eine Wärmelieferung in der Größenordnung 6,6 bis acht Kilowattsunden (kWh) ans Gewerbegebiet möglich sein, dessen Erweiterung ab Frühjahr 2019 in Richtung SKV geplant ist. Die bisher durch das Werk eingespeiste Strommenge könnte von bisher 1,9 Millionen kWh, was rund 55 Haushalten entspricht, auf 5,5 bis 6,7 kWh steigen (1600 bis 1950 Haushalte). Auch der Kompostertrag soll erhöht werden. Als man die Anlage übernommen hat, habe man 800 bis 1000 Kubikmeter "totes Material" entsorgen müssen, berichtet Eggersmann von mangelnder Effizienz des biologischen Prozesses. Man will nun von der sogenannten "Vollstrom-" auf "Teilstromvergärung" umstellen - eine Veränderung des Gärungsvorgangs, die eine gute Kompostqualität bei gutem Sieb-Ergebnis und geringeren Entsorgungskosten für die Reste verspreche. "Sicherheit in unseren Prozess bekommen", lautet die Überschrift. In einer ersten Stufe ist die Errichtung eines neuen Rottentunnels geplant, zwei weitere Neubauten sollen sich anschließen.

Höhere Effizienz und Abfalloptimierung sind Themen, mit denen Eggersmann beim Abfallwirtschaftsbetrieb auf offene Ohren stößt, wie Landrat Jürgen Bäuerle bestätigt. Ebenso wichtig: Das Thema Geruch. Auch hier versprechen Eggersmann und sein Bereichsleiter Kompostierung, Sebastian Böhme, Verbesserung gegenüber dem Ist-Zustand.

Zum anderen ergeht der Appell an die Bürger, den Bioabfall sauber zu trennen - eine Sache, die das Unternehmen selbst nicht steuern kann. Von Fehlwürfen wie Windeln, Dosen, Glas, viel Plastik und sogar Turnschuhen ist die Rede. Eine Analyse von sechs Chargen im April 2017 hatte einen Organikanteil von lediglich 80,6 bis 85,7 Prozent ergeben. Hinzu kommt, dass das Material viele Speisereste, aber wenig Struktur durch Grüngut besitze. "Daraus müssen wir einen reinen Kompost machen", verdeutlicht Eggersmann. Ein Merksatz, den das Unternehmen ausgibt: "Was der Bürger niemals im eigenen Garten kompostieren würde, gehört auch nicht in die Biotonne."

Der Erste Landesbeamte Dr. JörgPeter kündigt in diesem Zusammenhang neben vermehrter Öffentlichkeitsarbeit nach dem Motto informieren, kontrollieren, sanktionieren erneute Kontrollen der braunen Abfallbehälter ab der kommenden Woche an. Wieder werden sie im Fall eines Falles stehengelassen und auf Nachfrage kostenpflichtig nachgeleert. Die letzten Kontrollen hätten gezeigt, dass es bei den Fehlwurfquoten ein Gefälle von drei bis 47 Prozent gebe. Auf dem Land klappe es mit der Müllsortierung besser als in der Stadt, und je größer die Wohneinheit, desto höher die Fehlerquote. Gerade die Problembezirke wolle man sich systematisch vornehmen.

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