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Frust statt Freude
Viele Fehler und Verzögerungen: Die 'Villa Federbach' hat sich zum Zankapfel in Malsch entwickelt. Foto: Gangl
11.10.2018 - 00:00 Uhr
Von Anne-Rose Gangl

Malsch - Am Anfang der mittlerweile leidvollen Geschichte stand in Malsch die Vision eines generationsübergreifenden Jugend- und Familienzentrums mit Kindergarten. Dies war vor fünf Jahren. Heute ist aus der Idee Realität geworden, doch statt Freude herrscht Frust. Zum wiederholten Male stand die "Villa Federbach" im Mittelpunkt einer Gemeinderatssitzung, die mit viel Emotionalität und teilweise Unsachlichkeit verlief.

Grund waren Mehrkosten von rund 1,8 Millionen Euro für Bauausgaben beim Neubauprojekt "Villa Federbach" (wir berichteten). Es folgten Planungsfehler, Zeitverzögerungen, Baufehler, Überwachungsfehler und Überlastung der Malscher Verwaltung vom Spatenstich im Juni 2016 bis zur Fertigstellung im Frühjahr 2018. Hinzu kamen in Auftrag gegebene Leistungen und Zahlungsanweisungen an Handwerker ohne Gemeinderatsmandat.

Doch wer ist schuld an diesem jetzt aufgeschlagenen Tohuwabohu? Seit Anfang Mai soll sich der auf Antrag von CDU und Freien Wählern auf ein Jahr befristet eingestellte Controller und Projektsteuerer intensiv mit der Aufarbeitung der Kostenentwicklung, der Aufklärung von Unstimmigkeiten und mit der Analyse der umfangreichen Nachtragsforderungen beim Bauvorhaben "Villa Federbach" beschäftigt haben, so die Aussage der Verwaltung.

CDU und Freie Wähler sprachen sich Ende September gegen seine Vertragsverlängerung aus, fordern aber gleichzeitig die Ausschreibung für die Stelle eines Projektleiters Hochbau. Tatsache sei, man habe sich übernommen, so Thomas Kastner (CDU). "Um weiteren Schaden von der Gemeinde abzuwenden, müssen Projekte gestoppt, beziehungsweise verschoben werden", sagte er.

Die Verwaltung sah sich jedoch in die Enge gedrückt, denn ohne den eingearbeiteten Projektsteuerer sehe sie sich außerstande, die Thematik aufzuarbeiten, betonte Bürgermeister Elmar Himmel. "Wer soll diese Aufgabe in der Verwaltung leisten und welche Aufgaben, auch Pflichtaufgaben, sollen dafür nicht erfüllt werden?", so die Frage der Verwaltung an den Gemeinderat.

Rechtsanwalt Ralf Schmitz appellierte an das Ratsgremium, den bisherigen Stelleninhaber bis zur Aufarbeitung weiter zu beschäftigen. "Geben Sie sich einen Ruck, ich brauche den Mann", appellierte der beauftragte Anwalt, der in der Sitzung sogar davon sprach, sein Mandat niederzulegen, sollte der Controller nicht weiterbeschäftigt werden.

Eine transparente Aufarbeitung und Beantwortung aller offenen Fragen zu diesem Thema bis Anfang kommenden Jahres forderte Markus Bechler (FW), der sich jedoch wiederholt gegen die Weiterbeschäftigung des Projektsteuerers im Malscher Rathaus aussprach. Veronika Wehr-Schwander (SPD) appellierte an die Verantwortung der Gemeinderäte und deren Auftrag, für das Gemeinwohl der Gemeinde einzustehen. "Ihr fahrt das ganze Ding völlig an die Wand", bedauerte Karlheinz Bechler (Grüne) die Entscheidung der beiden großen Fraktionen CDU und Freie Wähler.

Nach zwei Stunden hitziger Debatte, zwei Auszeiten, in denen sich CDU und Freie Wähler nochmals intern abstimmten und einer erneuten Diskussion, ob nochmals über die Weiterbeschäftigung abgestimmt werden müsse, wurde die Nichtöffentlichkeit hergestellt. "Wir haben nichtöffentlich eine Entscheidung getroffen, die ich nicht verkünden darf", so die Aussage von Bürgermeister Elmar Himmel am späten Abend.

"Das ist keine Blockaden-Politik, sondern eine Absprache hinsichtlich Vertraulichkeit zwischen Gemeinderat und Verwaltung. Wir werden die Entscheidung zu gegebener Zeit bekanntgeben, voraussichtlich in der nächsten Gemeinderatssitzung", erklärte Hauptamtsleiter Heribert Reiter gegenüber dem BT auf Nachfrage am Mittwoch.

Nach BT-Informationen wurde dem Projektsteuerer statt eines Arbeitsvertrags ein sogenannter Dienstleistungsvertrag angeboten. Er soll sich demnach nur noch um den Kindergarten "Villa Federbach" kümmern und mit Bausachverständigem und Rechtsanwalt zuarbeiten.

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