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Personalnot: Ausfälle im Rettungsdienst
Die Personaldecke im Rettungsdienst bleibt mittelfristig dünn.  Foto: dpa
16.10.2018 - 00:00 Uhr
Rastatt (ema) - Die Personalnot im Rettungsdienst führt mittlerweile zu Beeinträchtigungen des Betriebs. Der DRK-Kreisverband Rastatt konnte kürzlich an mehreren Tagen den Rettungswagen an der Wache in Forbach nicht einsetzen, da keine Mitarbeiter mehr zur Verfügung standen. Im Innenministerium hat man mittlerweile das landesweite Dilemma erkannt und mit einem Erlass reagiert, um Ausfälle zu vermeiden. Trotz der Engpässe will in Mittelbaden ein neuer Anbieter im Rettungsdienst einsteigen.

Im Betriebsrat des DRK-Kreisverbands Rastatt findet man deutliche Worte: "Wir pfeifen aus dem letzten Loch", sagt ein Mitarbeiter, nachdem ein Personalengpass an der Rettungswache Forbach zum Fahrzeugausfall führte. Kreisgeschäftsführer Felix Brenneisen bestätigt die "große Personalnot" an einem Wochenende. Geballte Krankmeldungen hätten dazu geführt, dass der Rettungswagen nicht besetzt werden konnte.

Brenneisen macht aber auch strukturelle Gründe für die Situation verantwortlich. Quasi hausgemacht ist eine Dienstplanumstellung, die zum 1. Januar dieses Jahres in Kraft trat. Man habe auf Wunsch des Betriebsrats von Zwölf- auf Acht-Stunden-Schichten umgestellt. Konsequenz: Die Mitarbeiter müssen öfter antreten - ein Zustand, der zu Unzufriedenheit führt und offenbar auch Kündigungen durch Beschäftigte nach sich zog. Brenneisen will reagieren und zum Januar 2019 die Dienstplangestaltung wieder umstellen. Zu diesem Zeitpunkt wird auch der Rettungsdienst des Kreisverbands Rastatt unter dem Dach des DRK-Kreisverbands Bühl-Achern integriert (wir berichteten).

250 Hauptamtliche und 26 Azubis wird dann der DRK-Rettungsdienst in Mittelbaden umfassen. Nach Einschätzung von Brenneisen ist das knapp bemessen, und das liege an einem Problem, mit dem alle Anbieter zu kämpfen hätten. Denn 2014 wurde der Beruf des Rettungsassistenten auf den Notfallsanitäter umgestellt. Die damit einhergehende Verlängerung der Ausbildungszeit von zwei auf drei Jahre verschärft die Personalnot. Brenneisen rechnet damit, dass die Personaldecke noch zwei bis drei Jahre dünn bleiben wird.

Das DRK ist in Mittelbaden der dominierende Leistungserbringer im Rettungsdienst. Doch nun scheint Bewegung in den Markt zu kommen. Im vergangenen Jahr hat der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) in Baden-Oos einen Rettungswagen (RTW) in Betrieb genommen. Jetzt könnte die Medie Ambulanz mit Sitz in Sasbach folgen. Geschäftsführer Yven Dinger bestätigte, dass das Unternehmen einen Antrag beim Landratsamt Rastatt beziehungsweise dem Innenministerium gestellt habe. Es ist der zweite Anlauf von Medie, das sich bislang ausschließlich auf Krankentransporte konzentriert hat. Dinger sind wiederkehrende Fahrzeugausfälle nicht verborgen geblieben und er hatte auch schon ein Signal an das DRK gegeben, um im Rettungsdienst zu kooperieren - was beim Platzhirsch zurückhaltend aufgenommen wurde. Jetzt hofft Medie, selbst als Anbieter zugelassen zu werden.

Dabei sieht das baden-württembergische Innenministerium gerade in der Zusammenarbeit der Anbieter einen Weg, um einer akuten Personalnot entgegenwirken zu können. Nach BT-Informationen hat das Ministerium kürzlich die Rettungsdienste im Land über eine Regelung informiert, wie man bei Personalengpässen gerade bei den Notarzteinsatzfahrzeugen (NEF) zu reagieren habe. Bei vorhersehbaren Schichtausfällen sollen die Rettungsdienste bei anderen Organisationen um Unterstützung ersuchen und gegebenenfalls Kooperationsvereinbarungen eingehen. Bei kurzfristigen Engpässen soll der Notarzt gemeinsam mit der Besatzung des RTW ausrücken.

Der mittelbadische DRK-Chef Brenneisen will auf den Kooperationszug aufspringen. Erste Ansprechpartner sind für ihn der ASB und Malteser. Es gelte, "intelligente Lösungen" zu finden - was allerdings angesichts der topografischen Lage im Landkreis Rastatt nicht leicht sei.

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