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Geschichten, wie sie das Leben schreibt
25.10.2018 - 00:00 Uhr
Von Sabine Wenzke

Kuppenheim - Nicht immer bedeuten Gutscheine die pure Freude, manchmal ist die Einlösung auch eine Qual für die Beschenkten. Und dass Rentner keine Zeit mehr für Urlaub haben, ist auch kein Gerücht. Und natürlich hat frau nie etwas zum Anziehen in ihrem Kleiderschrank, wenn es ums Ausgehen geht. Das ist Alltag, das ist das Leben. Sybille Gogeißl hat daraus mit viel Humor Geschichten und Gedichte gestrickt und das Ganze in badische Mundart verpackt. "Aus em Läbe - Des kennd grad vun mir sei" ist der Titel ihres Werks, aus dem sie am Freitag, 26. Oktober, um 19 Uhr in der Buchhandlung "Wortwerke" in Rastatt lesen wird. Der Eintritt ist frei.

Schon früh hat die Kuppenheimerin damit begonnen, Bekannte und Freunde bei verschiedenen Anlässen mit eigenen lustigen Gedichten zu beglücken. Die 65-Jährige geht mit wachen Augen durchs Leben, macht Notizen, wenn ihr etwas auffällt oder die Situationskomik erlebt. Diese werden dann zu Hause in Sätze gegossen - und auch zuweilen bei diversen Anlässen vorgetragen. So sorgt sie mit ihren Beiträgen für die heitere Note bei Seniorenveranstaltungen in der Region, ist aber auch seit Jahren eine begeisterte Slammerin, die sich mit Wonne in die Wortschlacht wirft, auch wenn die anderen Teilnehmer meist deutlich jünger sind. Sie sei dort die "Quoten-Oma", hat sie mal verlauten lassen, und seit sie Rentnerin ist, habe sie eh nichts mehr zu verlieren, sagt sie heute. Daher nimmt sie auch kein Blatt vor den Mund. Wieder auf der Bühne zu erleben ist sie übrigens am Freitag, 16. November, um 19 Uhr im Klever-Haus in Steinmauern, dort findet erstmals ein Poetry Slam statt.

Ihre Geschichten sind aus dem Leben gegriffen. Manchmal hat Sybille Gogeißl, die auch schon beim Mundartpreis "De Gnitze Griffl" Preisträgerin war, das Erlebte leicht abgewandelt oder die Namen verändert, damit sich keiner auf den Schlips getreten fühlt. Schließlich sollen ihre Erzählungen unterhaltsam sein und Freude bereiten. Dass sie diesen Anspruch erfüllen, beweisen Nachfragen, die sie in den vergangenen Jahren immer wieder bekam. "Gibt es die Geschichten auch zum Kaufen?", erkundigen sich oft Zuhörer bei ihr. Das habe sie schließlich dazu ermuntert, ein Büchlein im Selbstverlag herauszubringen, erzählt die 65-Jährige. Es enthält insgesamt 30 "Geschichdle un Gedichdle" in badischer Mundart, aber auch zwei in Hochdeutsch, weil die Themen im Dialekt nicht so "rübergekommen" wären, ist sie überzeugt. Zum einen geht es darum, den richtigen Verein zu finden und zum anderen um "Unser tägliches Denglisch". Eine amüsante Erzählung über die fast schon alltägliche Verwendung von Anglizismen in der deutschen Sprache - angefangen vom Pyjama (Schlafanzug) über Cornflakes (Maisflocken) bis hin zur Yellow Press (Regenbogenpresse). In badischer Mundart werden "Figurbrobleme" beleuchtet, eine Situation "Beim Frihschtick" und "Unsare Fahrradtur" geschildert oder "Mei Schloss Faforid" beschrieben, die Kindheit rekflektiert und über die Bedeutung der "Heimad" im Wechsel der Jahrzehnte schwadroniert. Und es gibt auch eine Mundartlesehilfe in Badisch und Hochdeutsch. "Geben Sie nicht gleich auf, wenn Sie die erste Seite sehen. Es ist eigentlich ganz einfach. Lesen sie jedes Wort nur genauso so, wie es geschrieben steht", ermuntert die Autorin ihre Leser, nicht am Dialektlesen zu verzweifeln. Außerdem gibt es einen Anhang "Was mir alles noch so saged". Es bereite ihr besondere Freude, Mundartausdrücke zu sammeln, sagt die Kuppenheimerin. So erfahren die Leser beispielsweise, was "a Dipfelesscheisar" (ein ganz Genauer) ist oder wie Dienstag auf Badisch (Zischtig) heißt.

Es ist das zweite Buch der Kuppenheimerin, die vor einigen Jahren "Noch'n Buch über den Jakobsweg" herausgab, in dem sie ihre Erfahrungen auf dem Camino de Santiago geschildert hat, den sie bereits einmal ganz und zweimal zum Teil gegangen ist und an eine Wiederholung im kommenden Jahr denkt. Das Werk war vergriffen und wurde derweil noch einmal in kleiner Auflage nachgedruckt.

Auch ein drittes Buch könnte sich die quirlige Kuppenheimerin durchaus vorstellen, denn sie hat noch einiges in petto und schreibt weiterhin fleißig. Vielleicht auch einmal über ihr jüngstes Hobby, das sie zwar selbst als "altbacken" abtut, aber gleichwohl mit Wonne betreibt. Sie strickt gerne flotte Socken, die sie zum Großteil verschenkt. Mit dem Stricken angefangen habe sie, um mit der ständigen Knabberei vor dem Fernseher aufzuhören, "aber mittlerweile kann ich beides", meint Sybille Gogeißl lachend.

"Aus dem Läbe" umfasst 137 Seiten und ist in einigen Buchhandlungen der Region sowie in der KÖB Kuppenheim erhältlich, in der die 65-Jährige seit Jahren ehreamtlich tätig ist. Ebenso bei der Autorin selbst, (01 76) 9608 7295.

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