http://www.badisches-tagblatt.de/weihnachtsabo/index.html
Betagter Zeitzeuge blickt zurück
Kurt Salomon Maier bedankt sich bei Pfarrerin Tina Blomenkamp für die Einladung nach Muggensturm.  Foto: Hegmann
26.10.2018 - 07:10 Uhr
Muggensturm (hap) - Als ein finsteres Kapitel in der deutschen Geschichte, das leider auch nicht an Muggensturm vorüberging, bezeichnete Pfarrerin Tina Blomenkamp die Deportation zweier jüdischer Mitbewohner am 22. Oktober 1940, am Tag des jüdischen Laubhüttenfestes.

Frieda und Moritz Heimann mussten an diesem Tag innerhalb kürzester Zeit einen Koffer packen und ihre Heimat Muggensturm verlassen. Wohin die Reise gehen sollte, war ihnen nicht bekannt. Für beide führte sie in den Tod.

Die Seelsorgerin der evangelischen Dreieinigkeitsgemeinde Muggensturm-Bietigheim-Ötigheim will in Zusammenarbeit mit dem Förderverein des Mahnmals für die Deportierten aus ganz Baden die Anfertigung eines Gedenksteines organisieren. In Neckarzimmern gibt es im Kreis der betroffenen 137 Orte noch immer eine Lücke für Muggensturm. "Die Menschen in Muggensturm dürfen nicht vergessen, was geschehen ist. Sie sollen sich erinnern und immer wachsam sein, dass sich so etwas nie wiederholen kann."

Zur Auftaktveranstaltung in der evangelischen Kirche hatte sie den 88-jährigen Zeitzeugen Kurt Salomon Maier zu einem Vortrag über seine Kindheit, und wie er den 22. Oktober 1940 in Kippenheim bei Lahr erlebt hat, eingeladen. Der promovierte Literaturwissenschaftler hat mit seiner Familie überlebt und lebt heute in den USA. Mit vielen Fotos aus seiner Kindheit zeigte er das friedliche Miteinander der Bewohner unterschiedlicher Konfessionen in dem kleinen Ort. Er schilderte Erlebnisse mit den Nazis, die immer mehr Angst und Schrecken unter der jüdischen Bevölkerung verbreiteten. Bis zu dem verhängnisvollen Tag, als sie mit dem Lastwagen aus Kippenheim weggebracht wurden und nach einer langen Bahnfahrt im Internierungslager Gurs in den französischen Pyrenäen ankamen. Bereits dort starben viele Menschen an Krankheiten. Für die meisten endete der Aufenthalt mit dem Transport in ein Konzentrationslager. Maier überlebte dank "glücklicher Umstände", wie er es nennt, und konnte mit seiner Familie mit dem Schiff nach Amerika gelangen. Er kommt in regelmäßigen Abständen nach Deutschland und erinnert besonders junge Menschen in Schulen an die schreckliche Zeit.

Pfarrerin Blomenkamp will dafür sorgen, dass es in Muggensturm gelingt, mit entsprechender Unterstützung die Lücke in Neckarzimmern noch vor dem 80. Jahrestag zu schließen.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Gernsbach
--mediatextglobal-- Der Holocaust-Überlebende Kurt Salomon Maier beantwortet bei seinem Vortrag in Gernsbach auch zahlreiche Fragen der Realschüler.  Foto: Mahler

26.10.2018
Bewegender Vortrag
Gernsbach (am) - Einen bewegenden Vortrag hat Kurt Salomon Maier an der Realschule in Gernsbach (Foto: Mahler) gehalten. Der Jude berichtete davon, wie seine Familie 1940 Glück hatte und sich aus dem französischen KZ Gurs in die USA absetzen konnte und dadurch Auschwitz entkam. »-Mehr
Gernsbach
Überlebender berichtet über Deportation nach Gurs

23.10.2018
Deportation nach Gurs
Gernsbach (red) - Unter dem Titel "Unerwünscht" berichtet der Zeitzeuge Kurt Salomon Maier morgen ab 11 Uhr den Jugendlichen der Realschule Gernsbach von der Juden-Deportation der Nazis ins französische Lager Gurs. Am Donnerstag ist Maier außerdem in Kuppenheim (Foto: pr). »-Mehr
Muggensturm
--mediatextglobal-- In Rastatt haben evangelische Johannesgemeinde und Schüler des Tulla-Gymnasiums 2012 bei dem Projekt mitgemacht und einen Gedenkstein gestaltet. Foto: Hliza

20.10.2018
Gedenkstein für jüdisches Ehepaar
Muggensturm (hli) - Es war der 22. Oktober 1940, als das jüdische Ehepaar Frieda und Moritz Heimann aus Muggensturm nach Gurs deportiert wurde. Für die beiden soll in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Mahnmal Neckarzimmern ein Gedenkstein angefertigt werden (Foto: hli). »-Mehr
Baden-Baden
´Ritzeratze´ in die neue Zeit

26.09.2018
Ganze Schau für Wilhelm Busch
Baden-Baden (cl) - Die fromme Helene, Onkel Nolte und die Lausbuben Max und Moritz stehen im Zentrum der neuen Schau über Wilhelm Busch. Der Zeichner und geniale Reimer lustiger Bildergeschichten wird bis 3. März ′19 im Baden-Badener Museum LA8 gefeiert (Foto: Viering). »-Mehr
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Die Deutsche Umwelthilfe fordert ein bundesweites Pfandsystem für Kaffeebecher. Halten Sie das für praktikabel?

Ja.
Nein.
Ist mir egal.


http://www.karlsruhe.ihk.de/handelsregister
www.los.de/lrs-rastatt/
Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1