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Schwierige Lebensumstände eindringlich geschildert
Die 20 Teilnehmer der Lichterführung durch die Kasematten erfahren viel vom Leben der Revolutionäre, die hier Zuflucht fanden.  Foto: Philipp
30.10.2018 - 00:00 Uhr
Rastatt (up) - Der Historische Verein hat am Sonntagabend mit einer Lichterführung an die Hinrichtung von Aufständischen nach der Badischen Revolution 1849 erinnert. Etwa 20 Teilnehmer kamen zum Eingang in die Kasematten am Südring, wo sie der Vorsitzende Dieter Wolf in Empfang nahm und mit ihnen zunächst in das alte Festungsgemäuer hinabstieg.

"Die 5600 Soldaten, die sich damals auf die Seite der Revolutionäre geschlagen hatten, hielten den preußischen Belagerern hier unten 23 Tage lang stand, bevor sie sich am 23. Juli 1849 ergaben", erklärte Wolf den Besuchern und schilderte eindringlich die schwierigen Lebensumstände, mit denen die Aufständischen damals zu kämpfen hatten. Mit großem Interesse folgten die Teilnehmer Wolfs Ausführungen zum gescheiterten Fluchtversuch des Rastatter Bürgers Josef von Kilmarx, den dieser wie sein Kamerad Ludwig Kohlenbecker aus Karlsruhe mit dem Leben bezahlen musste. Die Besatzer richteten beide hin, nachdem sie beim Versuch, durch eine gegrabene Öffnung in die Decke der Kasematten zu klettern, aus vier Metern Höhe auf den Boden gestürzt waren und sich schwer verletzt hatten.

Nach einem kurzen Rundgang durch Teile der erhaltenen Festungsanlage ging es wieder ins Freie, wo Karl Schweizer und Michael Lochbühler die Teilnehmer mit brennenden Fackeln ausrüsteten. Damit machte sich die Gruppe auf den etwa 200 Meter langen Weg zur sogenannten Flankenbatterie, wo 1849 Erschießungen stattgefunden hatten. Die gut erhaltenen Gebäudeteile sind erst seit kurzem im Besitz der Stadt und erstmals Bestandteil der Lichterführung, die zum vierten Mal durchgeführt wurde.

Hier angekommen wurden die Teilnehmer von dem Musiker Joachim Kummer mit Ludwig Pfaus "Badisches Wiegenlied" empfangen. Sehr stimmungsvoll interpretierte Kummer auch Hannes Waders "König von Preußen", das den atmosphärischen Boden schuf für die Vorstellung des Revolutionärs Jean Jansen, den Irmgard Stamm anhand historischer Texte porträtierte. Jansen, Jahrgang 1825, war Katastergehilfe, Mitbegründer des ersten Kölner Arbeitervereins und schrieb für eine Arbeiterzeitung. Die Chance, mit seiner Frau nach Amerika auszuwandern, ließ er verstreichen, um sich an der badisch-pfälzischen Revolution zu beteiligen. "Ich kann nicht anders", zitierte Stamm den Aufständischen, "denn Überzeugung und Ehre lassen mich nicht feig' die Flucht ergreifen, wenn eben das Banner der Revolution wieder lustig flattert". Bei Waghäusel geriet Jansen in preußische Gefangenschaft und wurde zunächst nach Heidelberg und dann nach Rastatt gebracht. Ein Standgericht verurteilte ihn hier am 24. August 1849 zum Tode durch Erschießen. Mucksmäuschenstill war es dann, als Michael Lochbühler den Abschiedsbrief Jansens vorlas, den dieser kurz vor seiner Hinrichtung an seine Braut Henriette geschrieben hatte. Er versichert ihr darin: "Ich falle, aber ich falle wie ein Mann, ruhig und gefasst. Du weißt es, dass ich so gelebt habe, daß mir der Tod nicht furchtbar ist; oh nein, meine Hand zittert nicht, indem ich diese letzten Zeilen schreibe." Von seiner Liebsten verabschiedete sich Jansen mit den bewegenden Worten: "Lebe wohl meine Jetta! Ich sterbe Dein Bild in meinem Herzen, Deinen Namen auf meinen Lippen. Noch einmal drücke ich Dich im Geiste an mein Herz, noch einmal küsse ich Dich - zum letzten Male!"

In die Stille nach diesen Zeilen erläuterte Irmgard Stamm abschließend noch die Gründe, warum der Historische Verein diese Gedenkführungen veranstaltet. Einigkeit und Recht und Freiheit, diese Werte seien heute verwirklicht, weil Idealisten wie Jansen vor 170 Jahren für sie ihr Leben geopfert hätten. "Sie wollten keine Länder erobern, keine minderwertige Rasse auslöschen oder Rohstoffe ausbeuten, sondern eine Verfassung in der die Rechte des Volkes, das Recht auf Bildung, eine gerechte Besteuerung, Mitbestimmung und freie Meinungsäußerung festgeschrieben sein sollten", stellte die frühere Kreisarchivarin fest und fuhr fort: "Diese Werte gilt es hochzuhalten, denn das wollten sie sicher nicht: rechte oder linke Terrorzellen, Reichsbürger und auch keine Scharia".

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