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Geisterspaß in der Gruselfabrik
Sieht nach Sargdeckel aus, was da unter den Augen von Professor Seltsam alias Marcel Lang (stehend) geschwärzt wird. Heute Abend öffnet er die Pforte seiner Gruselfabrik für Geisterfreunde. Foto: H. Heck
31.10.2018 - 00:00 Uhr
Von Helmut Heck

Durmersheim - Um seine Kundschaft gehörig zu erschrecken, hat der Gruselfabrikant keine Kosten und große Mühen erst recht nicht gescheut. Der Mann heißt Marcel Lang. Erbaut hat er seine "Nightmare Factory" in Durmersheim. Tagelang wurde gesägt, gehämmert, gebohrt, geschraubt, angestrichen. Die halbe Verwandtschaft hat mitgeholfen. Vater, Bruder, Onkel, Schwager und wer sich sonst noch erbarmte. Heute Abend geht ihr Werk in Betrieb, pünktlich zur "Halloween Horror Night".

Als Besucher der Baustelle geriet man schon bei Tageslicht ins Staunen. Mit Brettern und Kanthölzern wurden Gänge angelegt und Zimmer errichtet. Um eine Ahnung vom Umfang zu geben, berichtete Lang im BT-Gespräch von 300 Schrauben und 800 Winkeln, die verarbeitet wurden. Kabel wurden verlegt, um elektrisch betriebene Effekte installieren zu können. Während der Showtime werden außerdem etliche Überraschungsmomente manuell erzeugt. Wer sich ins Unheimliche wagt, sollte auf leibhaftige Geister aller Sphären gefasst sein.

Die Rohbaubesichtigung ließ keine Zweifel: Auf die Besucher der Gruselfabrik wartet ein faszinierendes kurzweiliges Spektakel. Es ist nicht das erste Mal, dass Marcel Lang an Halloween zum Schabernack einlädt. Vor sechs Jahren hat er in Ottenau damit begonnen, seiner Heimatgemeinde. Vergangenes Jahr war er mit seinen Alptraum-Späßen erstmals in Durmersheim aktiv, wohin er geheiratet hat und mit Frau und Kindern inzwischen lebt.

Das Anwesen seiner Schwiegereltern, auf dem das Horrorhaus entstand, bot für die Konstruktion einen willkommenen Reiz: die Lage am Gestadebruch machte zwei Ebenen möglich. Voriges Jahr wurde die Sache als Gruselschloss mit labyrinthischer Architektur aufgezogen. Diesmal wählte Lang das Fabrikmotiv. Von der Fassade, hinter der sich in Wirklichkeit eine breite Garage verbirgt, bis in die letzten Ecken der verwinkelten Gänge ist alles akribisch durchdacht. Auf Instagram kann die Entstehung unter "2.C.R.A.Z.Y.4.U" nachverfolgt werden.

Im Lauf der Jahre hat sich der ideenreiche Macher ein stattliches Materiallager zugelegt, vor allem mit Kanthölzern für die Grundgerüste. In den vergangenen Tagen besorgte er noch alte Schränke, Kommoden, Türen und andere nützliche Teile, die meistens in Inseraten zum Verschenken angeboten worden waren. Darüber hinaus wurde so manches Schreckens-Interieur vom Meister und seinen Helfern selbst zusammengeschreinert. Im normalen Berufsleben ist der Horror-Chef eher im Metallfach zu Hause, er arbeitet im Benz-Werk in Gaggenau.

Und trotz des Faibles für den Geisterbrauch mit heidnischem Ursprung ist Lang beileibe kein gottloser Geselle. Er ist in der Jungen Katholischen Gemeinschaft Durmersheim aktiv, wo er seine künstlerische Ader als Esau und Moses in biblischen Musicals zur Geltung brachte. Im Halloween-Hobby, so gab der junge Familienvater zu verstehen, findet er einen Ausgleich für seine Fastnachtsabstinenz.

Gegen die sogenannte fünfte Jahreszeit hege er eine Abneigung, weil er den Eindruck habe, sie bestehe für viele nur aus tagelangem Besäufnis. Im Kontrast dazu legt Lang Wert darauf, dass es bei seinem Spuk nur um den Spaß gehe. "Es ist keine Party", beugt er Missverständnissen unmissverständlich vor. Remmidemmi ist nicht angesagt. Noch etwas ist ihm wichtig: "Nach 15 Minuten ist es vorbei".

So lange ungefähr soll der Gang durch die, wie es auf einem Plakat heißt, "Alptraumfabrik von Professor M. Seltsam" dauern. Sie befindet sich in der Römerstraße, Ecke Wilhelmstraße. Die Besucher werden in kleinen Gruppen eingelassen, um Genuss ohne Gedränge zu gewährleisten. Voriges Jahr seien rund hundert Leute erschienen, hofft der Initiator auf eine Steigerung. Um 20 Uhr wird das Tor zu den Geistergemächern zum ersten Mal geöffnet. Kinder unter zwölf Jahren dürfen nur in Begleitung eines Erziehungsberechtigten eintreten. Ein Ende der Veranstaltung ist nicht festgelegt. Der Zugang werde so lange möglich sein, wie Leute kommen, erklärte Lang: "Wenn ich merke, es kommt keiner mehr ist Schluss".

Der Eintritt ist frei. Wer am Ausgang angekommen feststellt, gespenstisch gut unterhalten worden zu sein, darf sich mit einem Unkostenbeitrag für den gewaltigen Aufwand bedanken, mit dem der Fabrikant den Schrecken gelehrt hat.

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