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Tankstellenräuber verurteilt
Tankstellenräuber
13.11.2018 - 00:00 Uhr
Bietigheim (hli) - Die Forderung "Geld! Geld! Geld!", begleitet von einigen Faustschlägen, musste vor knapp einem Jahr ein damals 70-jähriger Tankstellenkassierer in Bietigheim über sich ergehen lassen, bevor er dem Mann die Kasse öffnete. Gestern musste sich der 42-jährige Rumäne für diese Tat vor dem Rastatter Amtsgericht verantworten. Hatte er bislang geschwiegen, so gab er diese nun zu.

Es war der 25. Oktober 2017, kurz vor 20 Uhr und somit schon dunkel, als der heute 71-jährige Tankstellenkassierer das Scheibenwischwasser an den Zapfsäulen erneuerte. Da sah er in der Nähe des Geländes eine Person, die sich nach einer Weile aber wieder entfernte. Doch kurz darauf war der Mann wieder auf dem Gelände und sprach den Senior an, er wolle Zigaretten kaufen. "Ich habe ihm sogar noch die Tür geöffnet", ärgert sich der 71-Jährige, als er die Situation gestern dem Gericht schildert. Ehe er sich versah, schlug ihm der Unbekannte mit den Fäusten gegen den Kopf und forderte Geld. "Wir haben gekämpft", erinnert sich der Tankstellenkassierer. Doch schnell merkte er: Der andere war stärker. Daraufhin öffnete er ihm die Kasse. "Er hat Geld herausgeholt und ist geflüchtet." Rund 1 800 Euro waren es, berichtet später der Geschäftsführer der Tankstelle.

"Ich bin raus, habe um Hilfe geschrien", gibt der 71-Jährige wieder. Ein Angestellter von einer gegenüberliegenden Firma eilte zu dem Senior, gemeinsam riefen sie die Polizei.

Einige Hämatome an Kopf und Arm sowie ein zerrissenes Hemd waren die sichtbaren Spuren des Raubüberfalls. Unter psychischen Beeinträchtigungen habe er nach dem Verbrechen nicht gelitten, erklärt der 71-Jährige dem Gericht. "Am nächsten Tag war ich wieder arbeiten."

An alles könne er sich nicht erinnern, gibt der Verteidiger des 42-jährigen Angeklagten indes zu Protokoll. Der rumänische Staatsangehörige ließ seinen Rechtsbeistand das Geständnis verlesen, er selbst äußerte sich nur über einen Dolmetscher zu seinem Lebenslauf. Schuld an seinen Erinnerungslücken sei wohl eine Flasche Wodka, die der Angeklagte an jenem Tag getrunken haben soll. Rund zweieinhalb Monate habe er zuvor in Karlsruhe am Bahnhof für eine türkische Firma gearbeitet, erklärt der Verteidiger. Dort habe er allerdings auf einmal keinen Lohn mehr bekommen. "Er stand ohne Geld und ohne Arbeit da." Sein Entschluss: Er wollte zu seiner Frau und seinen sechs Kindern nach Rumänien zurückkehren. Wie und warum er schließlich nach Bietigheim kam, konnte der Angeklagte nicht erklären. An der Tankstelle habe er sich jedenfalls spontan entschieden, an Geld zu kommen.

Einen Tag nach der Tat flüchtete der 43-Jährige nach Rumänien. Doch die Polizei kam ihm aufgrund einer DNA-Probe am Ärmel des Tankstellenkassierers auf die Spur und schaltete die Behörden in Rumänien ein. Dort habe er sich dann im Juni gestellt, blickt der Verteidiger zurück. Im Juli wurde er nach Deutschland ausgeliefert, sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

"Ich bereue es", lässt der 42-Jährige über den Dolmetscher wissen. Eine letzte Chance und die Rückkehr zu seiner Familie, das sei alles, was er noch wolle. Eine gute Zukunftsprognose sah die Vorsitzende Richterin Angelika Binder jedoch nicht, zumal der Rumäne einschlägig vorbestraft ist. Zwei Jahre muss er deshalb ins Gefängnis.

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