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Initiative für eine fahrradfreundliche Stadt
16.11.2018 - 00:00 Uhr
Von Sabine Wenzke

Kuppenheim - In der Knöpflestadt hat sich eine "Initiative für ein fahrradfreundliches Kuppenheim" gebildet. Sie will erreichen, "dass Bürgermeister, Gemeinderat und Verwaltung ein zukunftsfähiges Konzept zur Förderung des Fahrradverkehrs für Kuppenheim erstellen und umsetzen". Dafür werden zurzeit Unterschriften gesammelt, die Listen liegen in einigen Geschäften aus, berichtet Initiator Dr. Hans-Jörg Binder im BT-Gespräch. Die Liste soll im nächsten Jahr an Bürgermeister Karsten Mußler übergeben werden.



Hans-Jörg Binder lebt mit seiner Familie seit acht Jahren in Kuppenheim, ist passionierter Radfahrer und Mitglied im Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC). Zu seiner Arbeitsstelle im Rastatter LWG radelt er täglich, außerdem ist der Mathematik- und Physiklehrer oft und gerne mit Frau und Sohn per Drahtesel unterwegs. Gelegenheit, die Stadt sowohl als Fußgänger als auch als Fahrradfahrer (mit Fahrradanhänger) intensiv kennenzulernen, habe er vor allem in seiner Elternzeit gehabt, erzählt der 51-Jährige. Und dabei seien ihm so einige neuralgische Punkte aufgefallen.

Die Rheinstraße etwa in Höhe Favoritestraße. Zwar wird bei der Einfahrt in die Stadt durch den verschwenkten Straßenlauf und die Fußgängerquerung langsamer gefahren, doch stadtauswärts Richtung Niederbühl werde oft schon vor der Querung Gas gegeben. Binder erzählt weiterhin von Autofahrern, die Radfahrer in einer schmalen Straße überholen und so eng vorbeifahren, dass man sich bedrängt fühlt. Oder von Radfahrern, die lieber auf dem Gehweg bleiben, weil sie sich auf der Straße nicht sicher fühlen, wie er schon gesehen hat. Oder von Fußgängern, die "gefühlt zum 200. Mal" dem geparkten Lieferwagen auf dem Gehweg ausweichen müssen, weil sie nicht mehr vorbeikommen - erst recht nicht mit Kinderwagen oder Rollator.

Für den Wahl-Kuppenheimer war die "Schmerzgrenze" irgendwann im Sommer erreicht. Er nahm Kontakt mit dem ADFC-Vorsitzenden Ralf Neininger auf, um eine Aktion zu starten, wie er sagt. In der Folge wurden Interessierte eingeladen, und im September fand das erste Treffen mit Vertretern von ADFC, Radsportfreunden und Radlfreunden statt. Dabei wurden die Anregungen, die sich Binder im Laufe der Zeit notiert hatte, diskutiert und bei einem zweiten Treffen ergänzt.

In den vergangenen 70 Jahren seien die Prioritäten bevorzugt auf eine Mobilität mit dem eigenen Auto gelegt, der öffentliche Nahverkehr ausgedünnt und Radfahrer sowie Fußgänger an den Rand gedrängt worden, meint Binder: "Dies zu ändern und vor allem auch hinsichtlich der Klimaveränderung eine Verhaltensänderung bei den Menschen in Kuppenheim zu erreichen, soll ein vorrangiges Ziel unserer Initiative sein." Den Menschen sollte es wieder ermöglicht werden, ihr Fahrrad, ihre eigenen Füße sowie den ÖPNV mit Freude und vor allem sicher zu nutzen, um ihre Ziele zu erreichen. Dafür müssten aber die Prioritäten geändert werden: "Weg vom Automobil, hin zum Rad- und Fußverkehr sowie zum ÖPNV", meint der Pädagoge.

Lang ist die Liste der Ideen, wie die Rad- und Fußwegsituation in Kuppenheim gefördert und verbessert werden kann. So steht unter anderem die Favoritestraße im Fokus. Diese sollte Fahrradstraße werden, lautet eine Anregung. "Das wäre auch ein Vorzeigeprojekt für Kuppenheim", ist Binder überzeugt. In einer Fahrradstraße dürfen Radfahrer beispielsweise nur mit einem seitlichen Sicherheitsabstand von 1,50 Metern überholt werden, also nicht bei Verengungen. Gefordert wird zudem eine Lösung für Radfahrer in der Ringstraße, in der es ebenfalls oft eng zugeht, wie Binder aus Erfahrung weiß. Radschutzstreifen auf den Hauptstraßen und Ausbau eines Radwegs Richtung Haueneberstein sind weitere Punkte.

Darüber hinaus mahnt die Initiative eine Lösung "für die nicht vorhandene Radverkehrsführung am Bahnhof im Bereich der Schienen" an. Abschließbare Container für Fahrräder am Bahnhof sowie überdachte Fahrradstellplätze an allen Schulen, Kindergärten und öffentlichen Gebäuden seien ebenfalls wünschenswert.

Die Übergänge auf die Brücke über den Gewerbekanal beim Rad-/Fußweg zwischen Adler- und Hafnerstraße seien für Radler mit Anhänger oder Lastenräder völlig ungeeignet. Darüber hinaus wird die Asphaltierung des Radwegs am Murgdamm empfohlen, der Teil der Tour de Murg ist. Alternativ könnte aber auch die Wegführung der Tour de Murg verändert werden, schlägt die Initiative vor.

Der Murgtalradweg in Höhe des Lidl-Markts ende (von Oberndorf kommend) abrupt. Für Radler herrschen an dieser Kreuzung unklare Verhältnisse, macht die Initiative aufmerksam. Eventuell sollte daher über eine Änderung der Murgtalradwegführung nachgedacht werden.

Bei Dunkelheit sei der Radweg von Oberndorf Richtung Unimog-Museum gefährlich, weil er nicht ausgeleuchtet sei. Zusätzliche Lampen würden die Situation entschärfen, meint die Initiative weiter.

Die Stadt Kuppenheim sollte Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft "Fahrradfreundliche Kommunen in Baden-Württemberg" werden und - so eine weitere Anregung - eine 50-prozentige Stelle "Radverkehrsbeauftragter" schaffen. Parkverbot auf den Gehwegen, das mit Hilfe des Gemeindevollzugsdiensts durchgesetzt werden sollte, Einrichtung von verkehrsberuhigten Bereichen in reinen Wohngebieten und Zebrastreifen (etwa beim Übergang Rheinstraße in Höhe Favoritestraße und Friedrichstraße in Höhe Ringstraße) sowie Blitzer an Fußgängerampeln (Rheinstraße, Friedrichstraße, Am Kanaldamm) sind weitere Vorschläge. Alle Wartebereiche der Bushaltestellen sollten überdacht und die Bordsteine bei Straßeneinmündungen abgesenkt werden. Auch sollte sich Kuppenheim zum Ausbau überregionaler Fahrradwege mit den Kommunen im Umland besser vernetzen.

,"Wir sind keine Verkehrsexperten, wir sehen es aber aus Sicht der Alltagsradler", meint Hans-Jörg Binder mit Blick auf die Umsetzbarkeit der Maßnahmen und Denkanstöße.

Information: Das dritte Treffen der "Initiative für ein fahrradfreundliches Kuppenheim" findet am 4. Dezember um 19 Uhr im Restaurant "Da Rosario" statt. Kontakt: Hans-Joerg.Binder@adfc-bw.de.

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