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Amüsantes und Tiefsinniges in Steinmauern
Amüsantes und Tiefsinniges in Steinmauern
19.11.2018 - 00:00 Uhr
Steinmauern (swa) - Amüsante und tiefsinnige Texte gepaart mit toller Musik gab es am Freitagabend im voll besetzten Kleverhaus in Steinmauern. Beim ersten Poetry Slam, der dort stattfand, stellten sich sechs Poeten aus der Region mit ihren selbst geschriebenen Texten dem Urteil der Zuhörer. Musikalisch begleitet wurde der Abend von Sängerin Kaddi, die das Publikum mit ihrer Stimme verzauberte. Mit viel Witz und Humor führte der aus Karlsruhe stammende Texter und Moderator Moritz Konrad durch den Abend.





Für Poetry-Slam-Neulinge fasste Konrad zu Beginn die wichtigsten Regeln zusammen: Bei einem Poetry-Slam, einem literarischen Wettbewerb, stellen sich Poeten mit selbst geschriebenen Texten dem Publikum. Es könne sich hierbei um lustige, ernste oder gereimte Texte handeln. Von Prosa und Lyrik bis hin zu Rap und Beatbox sei alles erlaubt. Auch performative Elemente dürften eingebaut werden - nur Singen dürfe man nicht, Requisiten seien nicht erlaubt und ein Zeitlimit von sieben Minuten dürfe nicht überschritten werden. Über den Verlauf des Abends entscheidet das Publikum, denn die Zuhörer sind gleichzeitig die Jury, die den Sieger mitsamt ihrem Beifall kürt, so Konrad.

Als Erste betrat die 16-jährige Offenburgerin Mara Betjemann die Bühne. Mit ihrem tiefsinnigen Text zeigte sie auf, dass die Menschen nie genug Zeit für alles haben, vieles verschieben und ständig darauf warten würden, dass alles besser werde. Man solle das schätzen, was man hat, im Hier und Jetzt leben und nicht alles auf Morgen verschieben. Denn irgendwann gibt es kein Morgen mehr, so Betjemann.

Martin Kremer aus Wintersdorf stellte sein "Baby" vor - einen noch sehr jungen Text, der in den Untiefen seiner Einzimmerwohnung entstand und von den Leiden der Männerwelt erzählt. Die Hauptrollen in seinem Märchen spielten ein König und sein Nasenhaar, was dem Publikum viel Anlass zum Schmunzeln bot.

Julia Cord aus Rastatt war zum ersten Mal als Slammerin dabei. Ihr Text "Die Schüssel" handelte von einer vermeintlich von ihrer Freundin entwendeten Salatschüssel, die sie liebevoll "Grünes Kerlchen" nannte und davon, weshalb die besagte Freundin nun nicht mehr als solche gilt. Cords Vortrag begeisterte durch viel schwarzen Humor.

Sybille Gogeißl aus Kuppenheim traute sich mit badischer Mundart auf die Bühne. "Der Gutschein" handelte davon, dass Gutscheine nicht immer die perfekte Geschenkidee sind. Manchmal sei deren Einlösung auch eine echte Qual - beispielsweise, wenn man als 60-Jährige in den Europapark gehen muss, obwohl man unter einem Kindheitstrauma vom Kettenkarussellfahren leidet und so gar keine Lust auf Achterbahnfahren hat. Mit ihrer Geschichte aus dem Alltag sorgte Gogeißl für sehr viele Lacher. Jess Mukeba aus Offenburg betitelte seinen von Menschlichkeit handelnden Text mit "Unter Strom". Mit seinem Vortrag regte er das Publikum zum Nachdenken an. Als Letzte sprach die türkischstämmige Badenerin Gülsen Ergün, die nun im Schwabenland wohnt, über die Themen Kultur und Vorurteile. Ihr Text handelte von einem Nachbarn, der schon ewig neben einem wohnt, den man aber doch nicht wirklich kennt. Ergün philosophierte darüber, weshalb Vorurteile so lange bestehen können und sah das Problem im mangelnden Interesse am Gegenüber.

Nach einer ersten Abstimmung erreichten drei Slammerinnen das Finale. Den lautesten Applaus erhielten Mara Betjemann, Sybille Gogeißl und Gülsen Ergün. Die drei Damen durften die Bühne somit noch einmal betreten. Gülsen Ergüns zweiter Vortrag beäugte innere Konflikte, die Menschen während ihres Lebens durchleben. Sie baute sogar einen Rap mit ein, der das Publikum vollends begeisterte. Sybille Gogeißl fragte sich in ihrem Text, den sie mit "Unsere Männer" betitelte, wo die echten Männer geblieben sind. Dabei kam sie zu dem Schluss, dass sie keinen gestriegelten Mann möchte, der länger im Bad braucht als sie selbst und der auch noch putzen und stricken kann. Mara Betjemann setzte sich mit verschiedenen Identitäten auseinander. Sie resümierte, dass man von jedem Menschen anders wahrgenommen wird und für jeden eine andere Bedeutung hat. Die Menschen würden manchmal zu schnell urteilen und der erste Eindruck würde prägen. Der letzte Eindruck sei jedoch derjenige, der bleibt.

Den lautesten Applaus erhielt Mara Betjemann. Der Sieg ging damit nach Offenburg. Die Gewinnerin bekam einen eigens für den Abend von Mechthild Häusler entworfenen Siegerpokal.

Organisiert wurde der Poetry-Slam von Gina Fritz und ihrem Kleverhaus-Team. Die Idee zu einem Poetry-Slam-Abend hatte Fritz schon länger. Sie wollte ein weiteres tolles Event ins Kleverhaus bringen - einen "Knaller" wie sie selbst sagt. Und da die Poetry-Slam-Premiere im Kleverhaus so gut beim Publikum ankam, möchte Fritz den Poetry Slam im nächsten Jahr wiederholen.

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