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Krankenhaus läuft nur noch im Notbetrieb
Krankenhaus läuft nur noch im Notbetrieb
24.11.2018 - 00:00 Uhr
Rastatt (hli) - Viel Zeit, Arbeit und Geld haben fünf Rastatter in ein Hilfsprojekt in Kamerun gesteckt: Sie bauten in Deutschland eine Wasserfilteranlage für das "Mary Health of Africa General Hospital" und brachten diese in das kamerunische Örtchen Fontem. Rund 36 000 Euro Spendengelder waren aus der Bevölkerung sowie von Firmen für das Vorhaben eingegangen. Umso frustrierender für alle Beteiligten: Die Lage in Kamerun hat sich verschärft; viele Verantwortliche des Krankenhauses sind geflüchtet. Und die Wasserfilteranlage ist derzeit nicht mehr in Betrieb. Ans Aufgeben denken die Rastatter, die sich in der Herz-Jesu-Pfarrei Rastatt engagieren, aber trotzdem nicht.

Angebahnt hatte sich der Konflikt schon seit längerer Zeit, bilanziert Andreas Weck, der das Projekt initiierte und die Anlage zusammen mit Michael Vetter, Jörg Reuter, Markus Reuter und Cédric Dhalluin baute und nach Kamerun brachte. Er beleuchtet die Hintergründe der derzeitigen Lage: Kamerun unterteilt sich in einen englischsprachigen Teil und einen, in dem die Bevölkerung Französisch spricht. "Das Problem ist, dass sich die englischsprachigen Kameruner, das sind rund 20 Prozent der Bevölkerung, benachteiligt und unterdrückt fühlen", verdeutlicht Weck. So gebe es in ihrem Landesteil zum Beispiel keine geteerten Straßen, Lehrer und Richter würden wahllos in den französischsprachigen Teil Kameruns versetzt. Das führte zu Streitereien, die wohl von Exil-Kamerunern zusätzlich geschürt wurden. Diese wollten sogar, dass der englischsprachige Teil Kameruns der unabhängige Staat "Ambazonien" werden solle.

Der 85-jährige autoritäre Präsident Paul Biya, der sich laut Medienberichten oft für lange Zeit ins Ausland zurückzieht - unter anderem in die Schweiz - reagierte mit Härte auf die Bestrebungen der Separatisten, den sogenannten "Amba-Boys", und schickte das Militär in den westlichen Landesteil. Doch dieses soll laut Medienberichten auch vor Zivilisten keinen Halt machen.

Auch in Fontem, das ebenfalls im englischsprachigen Teil Kameruns liegt, spitzte sich die Situation zu. "Vor rund zwei Wochen haben die Fokolare Morddrohungen erhalten", erzählt Andreas Weck. Die Fokolar-Bewegung ist eine ordensähnliche Gemeinschaft, die sich mit ihrem Zentrum über den gesamten Ort verteilt und das Dorf unter anderem mit einer Schule, dem Krankenhaus und Werkstätten unterstützt. Das Krankenhaus mit 120 Betten läuft seither nur noch im Notbetrieb.

Die deutsche Verwaltungschefin, mit der Weck in Kontakt steht, habe verdeutlicht, dass die rund 20 geflohenen Fokolare, von denen viele auch aus Europa stammen, bis auf Weiteres nicht zurückkehren werden. Sie befänden sich momentan in der Hafenstadt Douala. Von wem die Drohungen kamen, weiß man nicht. Doch diese richteten sich oft an "Externe" - obwohl einige der Fokolare schon Jahrzehnte in Kamerun leben.

Im Krankenhaus arbeiten seitdem nur noch die Einheimischen, ungefähr 100 Angestellte gibt es, die nun versuchen, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Auch für sie sei die Situation nicht einfach, berichtet Andreas Weck. So mussten die Fokolare Fontem quasi in einer Nacht- und Nebelaktion verlassen.

Die Wasserfilteranlage ist nun auch nicht mehr in Betrieb. Denn diese liegt etwas außerhalb des Krankenhauses, mitten im Busch. Und es sei mittlerweile einfach zu gefährlich, jeden Tag jemanden dorthin zu schicken, um die Reinigung der Anlage vorzunehmen. Dass der Filter ohne Reinigungsmöglichkeiten nicht mehr in Betrieb ist, sei allerdings auch besser so - für die Anlage und die Menschen, unterstreicht Andreas Weck.

Benutzt wurde das gefilterte Wasser bislang für das Krankenhaus und die Patienten; es gab aber auch zwei Wasserstellen für die Bevölkerung. Nun müssen die Menschen wieder auf teilweise verunreinigtes Wasser aus dem Fluss zurückgreifen, das in Vergangenheit Krankheiten wie Typhus hervorgerufen habe. "Es ist ein deprimierendes Gefühl", sagt Weck. Trotzdem: Im Moment könne man nichts machen, außer abwarten. "Wenn es ruhiger wird und wieder Frieden einkehrt, müssen wir nach Fontem und die Anlage von Grund auf säubern", richtet Weck seinen Blick in die Zukunft. Das Team gibt nicht auf. Man stehe auf jeden Fall in den Startlöchern. Spenden für die Reparatur sind daher weiter willkommen. "Wir hoffen, dass die Situation bald besser wird", betont Weck. "Vor allem für die Menschen dort."

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