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Bienen stehen oben auf dem Speiseplan
Bienen stehen oben auf dem Speiseplan
11.12.2018 - 07:39 Uhr
Von Markus Koch

Rastatt - Ein neuer invasiver Schädling fängt an, im Badischen Fuß zu fassen: Die Asiatische Hornisse. Im Landkreis Rastatt gab es in diesem Jahr drei Sichtungen, Ende September wurde in Oberweier ein erstes Nest entfernt (wir berichteten). Zuständig für die Abwehr von invasiven Arten ist das Regierungspräsidium Karlsruhe. In dessen Zuständigkeitsbereich wurden in diesem Jahr zehn Nester beseitigt. Vor allem die Imker in der Region beobachten die Entwicklung mit großem Unbehagen: Die Honigbiene steht auf dem Speiseplan der Hornisse ganz oben.

"Die Asiatische Hornisse wird sich mit hundertprozentiger Sicherheit in ganz Baden-Württemberg ausbreiten, besonders im warmen Rheintal", ist Klaus Schmieder, Präsident des Landesverbands der Badischen Imker, überzeugt. "Die Situation in anderen Gebieten zeigt, dass die Asiatische Hornisse eine Bedrohung der Imkerei darstellen wird", ergänzt er.

Hintergrund

Dr. Manfred Verhaagh, Leiter des Referats Entomologie (Insektenkunde) am Naturkundemuseum Karlsruhe, wird konsultiert, wenn es um die Beurteilung geht, ob es sich bei Sichtungen um eine Asiatische oder Europäische Hornisse handelt. "Die Ausbreitung schreitet kräftig voran, in Karlsruhe-Bulach wurden zuletzt zwei Nester gemeldet und in Ettlingenweier eins." Wahrscheinlich sei im Jahr 2004 eine begattete Königin mit einer Schiffsladung chinesischer Tonwaren in Frankreich gelandet. Es handle sich um eine Art, die in den Bergwäldern Südchinas vorkomme. "Aus einem einzigen Stock können über 1 000 Jungköniginnen kommen und mehr als 10 000 erwachsene Tiere - das ist das Fünffache von Europäischen Hornissen", verdeutlicht Verhaagh den hohen Reproduktionsgrad: "Eine einzige Königin hat praktisch ganz Frankreich besiedelt."

Im Elsass wurden erste Exemplare gefangen, berichtet Imker Sébastien Heintz aus Seltz, der auch Hornissensachverständiger ist. Im Vorjahr habe die Feuerwehr im Ort ein Nest vernichtet, erläutert er im BT-Gespräch. Heintz ist mit Imkern in den Pyrenäen und an der Côte d'Azur befreundet. Im Süden bereite die Asiatische Hornisse auch Probleme in den Obstplantagen. Zum einen fresse die Hornisse Kirschen und Aprikosen an, die danach kaputtgehen. Zum anderen werden Erntehelfer gestochen, weil die Asiatische Hornisse aggressiver sei als ihre europäische Artgenossin. Wenn man etwa an einem Obstbaum schüttle, dann fliege die Europäische Hornisse im Normalfall davon, die asiatische hingegen sei hartnäckiger und steche zu, wenn sie sich durch das Rütteln bedroht fühle.

Die Imker in Südfrankreich schützen ihre Bienenstände mit Drahtgittern vor dem Flugloch gegen die Asiatische Hornisse, die oft gemeinsam vor einem Bienenstock auf Beutejagd geht. Die Gitter seien so dimensioniert, dass Honigbienen durchschlüpfen können,

die Hornissen jedoch nicht. Auch im Regierungspräsidium Karlsruhe hat man die Asiatische Hornisse im Blick, die auf der Vorwarnliste steht: "Um deren Verbreitung und Etablierung zu verhindern, muss die Art bei einem gemeldeten Nestfund umgehend entfernt werden", verdeutlicht Uwe Herzel, Pressesprecher im Regierungspräsidium. Werde eine Asiatische Hornisse gesichtet, dann sei dies - möglichst mit Foto - der unteren Naturschutzbehörde, sprich dem Landratsamt, zu melden. Wenn es sich eindeutig um eine Asiatische Hornisse handelt, dann rückt entweder ein Hornissenbeauftragter oder die Feuerwehr an, um das Nest zu vernichten. Innerhalb von 30 Tagen muss das RP den Hornissenfund an die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW), ans Umweltministerium und ans

Bundesamt für Naturschutz melden. Anhand der gemeldeten Daten soll ein Überblick über Vorkommen und Verbreitungswege erstellt werden, erläutert Herzel. Die Informationen finden zudem Eingang in eine gesamtdeutsche Verbreitungskarte und werden auch der EU zur Verfügung gestellt.

Einen ersten Erfahrungsaustausch mit Vertretern der Kreise Rastatt und Karlsruhe hat es bereits gegeben, berichtet Herzel. Die Stadt Karlsruhe und auch das Regierungspräsidium informieren auf ihren Homepages mit Fotos und Texten ausführlich über den invasiven Schädling, ebenso das Landratsamt Rastatt.

Wie könnte eine Verbreitung der Asiatischen Hornisse nun erschwert werden, wenn sie sich offensichtlich nicht aufhalten lässt? Das Regierungspräsidium setzt darauf, dass die Bürger Sichtungen von Nestern melden und verweist in diesem Zusammenhang auf seine Homepage. Außerdem setze man auf Aufklärung über die Presse, so Herzel. Und auch die Imker im Land sollen über die Asiatische Hornisse aufgeklärt werden, so der Landesverband Badischer Imker.

Die Europäische Hornisse hat einen Rot-Ton und ist gelb, die asiatische ist dunkelbraun bis schwarz und hat nur wenige gelbe Ringe. Ihr Nest ist kugel- oder eiförmig, hat einen Durchmesser von 50 bis 80 Zentimetern und hängt meist oben in den Bäumen. Der Nestbau findet von März bis November statt. Nachdem nun die Blätter abgefallen sind, lassen sich die Nester besonders gut erkennen. Die Nester sind zwar jetzt leer und werden auch nicht mehr besetzt, wie der Niederbühler Hornissenfachberater Bernhard Unser erläutert. Allerdings sei davon auszugehen, dass es im kommenden Jahr in der Umgebung der bestehenden Nester neue geben wird.

Die befruchteten Königinnen überwintern aktuell in Astlöchern oder unter Baumrinden und fliegen im März, wenn es wieder warm wird, los. Die ersten neuen Nester dürften etwa ab Mai sichtbar sein. Diese sollte man jedoch auf keinen Fall selbst entfernen, sondern die Sichtung umgehend ans Landratsamt melden unter (0 72 22) 3 81 40 52.

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