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Kinderarzt verzweifelt gesucht
Kinderarzt verzweifelt gesucht
13.12.2018 - 00:00 Uhr
Rastatt (ema) - So hatte sich Sabine Kemper den Umzug ihrer Familie von Köln ins Badische nicht vorgestellt. Geradezu händeringend suchte die Rastatterin einen Arzt für ihre beiden zwei und fünf Jahre alten Kinder: "Ich kam mir vor wie eine Bittstellerin", erinnert sie sich daran, wie sie in einer Kinderarztpraxis nach der anderen abblitzte. Kein Einzelfall, wie sie aus Gesprächen mit anderen Müttern weiß. Selbst die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Baden-Württemberg muss einräumen, dass es nicht nur in Mittelbaden hinten und vorne klemmt .

Dabei hatte Sabine Kemper schon von Köln aus versucht, in Rastatt einen Kinderarzt zu finden. Zunächst vergeblich. Selbst für die Verschreibung eines Logopädie-Rezepts blieben die Schranken unten. Erst als sie einen Kinderarzt persönlich anschrieb, bekam sie nach sechs Tagen eine Reaktion und wusste dann ihre Kleinen in der Obhut eines Mediziners.

Gibt es also definitiv zu wenige Kinderärzte in Mittelbaden und speziell in Rastatt? Jein. Die Antwort fällt deshalb gespalten aus, weil es eine theoretische Herangehensweise gibt sowie eine praktische, die sich an der Lebenswirklichkeit orientiert. Wie viel Kassenärzte in einer Region von der zuständigen KV zugelassen werden, legt eine Bedarfsplanungsrichtlinie fest, die unter anderem die Bevölkerungszahl berücksichtigt. "Dieser Bedarfsplan stammt allerdings von 1996 und entspricht nicht mehr der Realität", wie Swantje Middeldorff von der KV Baden-Württemberg im BT-Gespräch einräumt.

Weil es gerade an Kinderärzten fehlt, hat die KV bereits versucht, im Rahmen ihrer Möglichkeiten gegenzusteuern. Speziell für diese Medizinergruppe sei die Budgetierung aufgehoben worden, so Middeldorff. Das heißt, die Maßgabe, wie viele junge Patienten ein Kinderarzt maximal behandeln darf, ist gefallen. Aber: "Jeder Arzt kommt an seine Grenzen", sagt die KV-Sprecherin. Und: Das Strukturproblem bleibt. Die KV darf nach dem Gesetz nicht mehr Arztsitze genehmigen. Im Raum Rastatt/Baden-Baden gibt es derzeit 17 selbstständige und drei angestellte Kinderärzte, was einem Versorgungsniveau von 177 Prozent entspricht.

Dass Theorie und Lebenswirklichkeit eklatant auseinanderklaffen, weiß man bei der KV. Nach Einschätzung von Middeldorff führt das Bevölkerungswachstum und ein gewandeltes Gesundheitsbewusstsein zu dem Engpass. Gerade Rastatt verzeichnet eine Zunahme an Einwohnern, und das nicht nur wegen der Flüchtlingsbewegung. Und ein Arzt, so die Einschätzung bei der KV, werde heutzutage aus Unsicherheit oder Bequemlichkeit schon mal schneller konsultiert - auch in Bagatellfällen, bei denen Eltern früher noch auf den Rat der Oma gehört haben.

Bei der KV hofft man auf eine aktuelle Gesetzesinitiative des Bundesgesundheitsministeriums, wonach die Bedarfsplanung aktualisiert werden soll. Doch selbst wenn mehr Praxen genehmigungsfähig wären, kommt das nächste Problem: "Es gibt nicht genug Ärzte, die sich allein niederlassen wollen", hat Swantje Middeldorff festgestellt. Ein Anstellungsverhältnis mit festen Arbeitszeiten werde von einer wachsenden Zahl von Medizinern bevorzugt. Und findet sich ein Kinderarzt für einen bestehenden oder künftig neuen Sitz, dann kann es sich der Mediziner aussuchen, wo er innerhalb der Region seine Praxis betreibt.

Nur, was rät man Vätern oder Müttern wie Sabine Kemper in der Not? Bei der Beantwortung der Frage sieht sich die KV-Sprecherin selbst ein wenig in Not - und verweist auf ein Modellprojekt in Baden-Württemberg: Docdirekt. Dahinter verbirgt sich die Möglichkeit, dass Kassenpatienten einen telemedizinischen Zugang zu einem Allgemeinmediziner oder Kinderarzt finden - per Video, Telefon oder Chat. Nach einer Testphase in Stuttgart und Tuttlingen hat die KV im Oktober das von den Krankenkassen getragene Projekt auf ganz Baden-Württemberg ausgedehnt. 70 bis 100 Patienten hätten sich bislang pro Monat gemeldet, berichtet Middeldorff noch von zurückhaltender Resonanz.

In der Praxis läuft das so ab: Wer docdirekt anruft, wird zunächst von einer medizinischen Fachangestellten zu Person und Symptomen befragt. Daraufhin wird ein Termin vereinbart, an dem der Telearzt den Patienten anruft.

Bei der KV hofft man, dass dadurch Praxen entlastet werden können - und auch Engpässe wie im Fall von Sabine Kemper kurzfristig behoben werden können.

www.docdirekt.de

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