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Mit "enormer Größe" Maßstäbe gesetzt
09.01.2019 - 00:00 Uhr
Von Helmut Heck

Steinmauern
- Anfang des 19. Jahrhunderts war Steinmauern von einer ähnlichen Entwicklung geprägt wie heute. Die Bevölkerung wuchs. Um 1750 zählte das Flößerdorf rund hundert Familien, etwa 80 Jahre später waren es 262. So ist aus einem Festbuch der Pfarrgemeinde zu schließen, das 2013 herausgegeben wurde. Der Anlass war das ein Jahr zurückliegende Jubiläum der Grundsteinlegung für die Pfarrkirche "Kreuzerhöhung". Mit ihrem Bau war im März 1837 begonnen worden. Die feierliche Einweihung der neuen Kirche wurde am 9. Januar 1839 gefeiert, heute vor 180 Jahren.

Ihre Vorgängerin war für die wachsende Zahl der Gläubigen zu klein geworden. Gebhard Nold, der über 60 Jahre als Mesner diente und sich in der Dorfhistorie bestens auskennt, stellte unserer Zeitung Unterlagen zur Verfügung, denen zufolge das alte katholische Kirchlein eine Grundfläche von nur etwa 160 Quadratmetern gehabt hatte. Das neue Gotteshaus dagegen wurde mit rund 900 Quadratmetern mehr als fünfmal so groß. In seinen Kirchenbänken fanden 500 Besucher Platz. Das große Fassungsvermögen entsprach über lange Zeit den Erfordernissen.

Vor 180 Jahren war die Verbundenheit der Einwohnerschaft mit der Pfarrei unvergleichlich fester als heutzutage. In der von Sascha Weßbecher und Jennifer Rosenbaum verfassten Festschrift aus dem Jahr 2013 ist zum Beispiel zu lesen, dass die Bürger auf Holzeinschlag für eigene Zwecke verzichteten. Stattdessen habe man das Material der Flößerei zum Weiterverkauf zur Verfügung gestellt, um mit den Einnahmen bei der Vorfinanzierung des Kirchenbaus zu helfen.

Übrigens war die alte Kirche dem Schutzpatron der Flößer, dem heiligen Nikolaus, gewidmet. Sie soll auf dem gleichen Grund und Boden gestanden haben, auf dem der Nachfolgebau errichtet wurde. Als erste urkundliche Erwähnung gilt ein Dokument aus dem Jahr 1480, das von Almosen für eine Reparatur handelt. Es könnte sein, dass die Kapelle nicht instandgesetzt, sondern neu erbaut wurde. Diese Vermutung beruht auf einer im Festbuch erwähnten Aufzeichnung, der zufolge am 22. April 1522 eine Kirchweihe stattgefunden haben soll. Über das Ende von "St. Nikolaus" und die Gründung von "Kreuzerhöhung" gibt es verlässlichere Angaben.

Am 2. Januar 1837 wurde der Turm der alten Kirche untergraben, um ihn zum Einstürzen zu bringen. Zwei Tage später war es soweit, der Abriss konnte beginnen. Mehr als zwei Jahre wurden die Gottesdienste in einem zur Notkirche umfunktionierten Schulsaal gehalten. Die Einweihung der neuen Kirche am 9. Januar 1839 war ein großes Ereignis, wie der Blick in die Chronik zeigt. Am Vorabend sei es mit Böllerschüssen eingeleitet worden.

Am Festtag hätten sieben Geistliche "das Allerheiligste Altarsakrament" in einer feierlichen Prozession von der Schule in das neue Haus des Herrn geleitet. Der Name "Kreuzerhöhung" gehe auf die Kaisermutter Helena zurück, die 325 nach Christus das Kreuz Christ aufgefunden und es zur Verehrung durch die Gläubigen auf einem Hügel habe aufrichten lassen.

Architekt der Kirche von Steinmauern war Johann Ludwig Weinbrenner, ein Neffe des Karlsruher Baumeisters Friedrich Weinbrenner. Das Bauwerk im Flößerdorf habe nicht nur mit seiner "enormen Größe" Maßstäbe gesetzt, sondern auch durch den achteckigen Kirchturm, der einen "schlanken Übergang" zum eigentlichen Gebäude darstelle, schreiben Weßbecher und Rosenbaum. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Kirchturm ab 1939 als Artilleriebeobachtungsstelle verweltlicht.

Im März und April 1945 wurde Steinmauern häufig mit Bomben und Granaten beschossen. Es gab mehrere Tote. Neben Häusern wurde auch die Kirche getroffen, das Innere verwüstet. Mitte 1947 wurde mit dem Wiederaufbau begonnen. Am 18. September 1949 konnte in der Kirche zum ersten Mal nach dem Krieg wieder Gottesdienst gefeiert werden. Nold, der wenige Wochen später als 14-Jähriger den Mesnerdienst übernahm, kann sich an viele Sonntage mit voll besetzter Kirche erinnern. Drei Gottesdienste seien die Regel gewesen, daneben habe es jeden Werktag eine heilige Messe gegeben. "Dies ist aus verschiedenen Gründen vorbei", bedauert der ehrenamtliche Pfarreimitarbeiter den Rückgang der Kirchenbesucher, der in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts eingesetzt hat.

Vom Bevölkerungszuwachs in Steinmauern am Anfang des 21. Jahrhunderts wird vor allem die politische Gemeinde gefordert. Sie reagiert mit Erweiterungen des Kindergartens und der Schule (wir berichteten). Die Pfarrgemeinde spürt nicht mehr viel davon. Der Lauf der Zeit drängt sie mittlerweile, sich Gedanken über die künftige Nutzung nicht ausgelasteter Gebäudekapazitäten zu machen.

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