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Realschule Kuppenheim setzt auf Prävention
11.01.2019 - 00:00 Uhr
Von Sabine Wenzke

Kuppenheim - Die Werner-von-Siemens-Realschule setzt bei den Themen Alkohol, illegale Drogen und Mobbing verstärkt auf Aufklärung. Im Januar startet das erste Präventionsgesamtkonzept der Bildungseinrichtung gleich mit einem Knaller: Der bundesweit aktive Anti-Mobbing-Coach Carsten Stahl kommt zu einer schulinternen Veranstaltung nach Kuppenheim, um die 460 Realschüler und ihre 35 Lehrer für das Thema zu sensibilisieren.



Und noch ein weiteres Projekt ist beabsichtigt: Die Realschule will als eine der ersten Schulen im Regierungsbezirk Karlsruhe ein neues Konzept einführen, das Wolfgang Langer, Leiter der Fachstelle Sucht Rastatt-Baden-Baden, in Zusammenarbeit mit der kommunalen Suchtbeauftragten des Landkreises Rastatt, Gudrun Pelzer, als eine Art Standardwerksangebot für Schulen erstellt. Das Reglement ist bereits weit gediehen, soll aber noch in einigen Punkten überarbeitet werden, so Langer auf BT-Nachfrage. Es geht dabei um den Umgang mit Suchtmittelkonsum bei Schülern - "also wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist", erläutert der Kuppenheimer Realschulrektor Jürgen Haller.

Die Realschule will damit möglichst im Frühjahr starten, bis Sommer wird das Konzept dann evaluiert. Falls erforderlich, werde nach dem Probelauf "noch an den Schrauben gedreht" und nachjustiert, meint Haller. Das künftige Konzept enthält verbindliche Richtlinien zum Umgang mit Suchtmittelmissbrauch an der Schule und eine abgestimmte Vorgehensweise der Lehrer und Fachkräfte der Schulsozialarbeit bei Verdacht auf Substanzkonsum. Dabei werden alle Lehrer der Realschule bei einer Fortbildung von der Fachstelle Sucht geschult.

Auslöser, das Programm zu testen, sei zwar ein Einzelfall gewesen, ein Schüler, der bekifft in den Unterricht gekommen sei, berichtet Haller, meint aber auch: "Wir vermuten, dass es eine Dunkelziffer gibt."

Auch Mobbing, vor allem Cybermobbing, sei ein Thema an Schulen, "das gab es vor fünf Jahren noch nicht", verdeutlicht Haller mit Blick auf die Sozialen Netzwerke. Dabei geht es nicht um Facebook, "das benutzen nur noch die Älteren", klärt Schulsozialarbeiterin Laura Wisser auf. Cyber-Mobbing - Beleidigungen bis hin zu Fake-Profilen - passierten heute eher auf Instagram, Twitter und Co - in einer virtuellen Welt, in der es wichtig sei, wie viele "Likes" jemand bekommt und wie viele "Follower" er hat. Einen Grund dieser Entwicklung sieht der Rektor darin, dass Kinder heute viel zu früh über ein Smartphone und damit Internetdienste verfügen, damit aber oft allein gelassen, nicht kontrolliert werden und die Auswirkungen auch nicht erklärt bekommen. An der Realschule herrscht Handyverbot, das heißt: Die mobilen Geräte müssen im Unterricht ausgeschaltet sein und dürfen auch in der Pause im Hof nicht benutzt werden. Das klappe, sagt Haller. Wer das Schulgelände zum Telefonieren verlässt, wird mit einem Tag Unterrichtsausschluss bestraft. Drei Schüler hat der Direktor in seiner bisher fünfjährigen Tätigkeit in Kuppenheim erwischt, sagt er.

Die Realschule beschäftigt sich zwar schon länger mit Prävention, einzelne Bausteine hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder gegeben, doch nun wurde erstmals ein verbindliches Gesamtpräventionskonzept für verschiedene Jahrgangsstufen erarbeitet, das die Schulkonferenz im November 2018 verabschiedet hat. Es startet in diesem Monat mit Workshops für die fünften Klassen zum Thema "Medien und Mobbing", wird im Februar für die sechsten Klassen zum Thema "Herausforderung Gewalt" und im April für die achten Klassen zum Thema "Drogen und Alkohol" fortgesetzt. Auch Elternabende sind vorgesehen. Mitwirkende sind Vertreter von Polizei, der Fachstelle Sucht und Schulsozialarbeiterin Wisser. Für die zehnten Klassen gibt es das Drogentheater "Total Normal" mit Patienten aus der Reha-Klinik Freiolsheim mit abschließender Diskussion der Darsteller.

Den Einsatz von Anti-Mobbing-Coach Carsten Stahl hat das Unternehmen Heinz von Heiden gesponsert, das auch in Kuppenheim ein Kompetenzzentrum betreibt. Schulleiter Jürgen Heller erhofft sich von dem Event einen Impuls, der Früchte trägt und meint: "Wir sind gespannt."

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