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NS-Relikte
NS-Relikte
12.01.2019 - 00:00 Uhr
Durmersheim (HH) - Im Oberwald gibt es seit vergangenem Jahr mehr oder weniger offiziell einen "Bunkerweg". So steht es auf einem aus Holz gefertigten Namensschild, das neben weiteren Hinweisgebern an verschiedenen Wegen offenbar von der Forstverwaltung angebracht wurde. Benannt wurde der Bunkerweg, der am Ende des beim Schützenhaus beginnenden Hauptwegs abzweigt, nach den Bauwerken des Westwalls, die in seiner Nähe errichtet wurden.

Obwohl stark zugewachsen, sind zwei Bunkerruinen vom Weg aus noch gut auszumachen. Sie ragen aus dem Waldboden heraus. Ein ähnliches Kriegsrelikt befindet sich am Triftweg zwischen der B 36 und dem Erdbeerhof. Neben der Brücke, die über die Bundesstraße führt, schlummern unter einer leichten, von Sträuchern überwucherten Anhöhe ebenfalls Überreste eines Bunkers. Die Gemarkungen von Durmersheim und Würmersheim waren im Dritten Reich regelrecht übersät von militärischen Anlagen. Das führt ein neues Verzeichnis vor Augen, das die Gemeinde hat erstellen lassen. Es besteht aus Plänen und Listen. Schützen- und Laufgräben sind darin markiert und aufgeführt, die Standorte von "Bataillon-Stab-Gefechtsständen" sind angegeben, ebenso von "schweren" oder "leichten Maschinengewehrnestern", man sieht, wo sich "schwere Granatwerfer" befanden, wo eine "Panzerkanone in Stellung" gebracht oder "Flächendraht" gespannt war. Auch "Befehlsstellen" sind eingetragen. Die größten Baulichkeiten tragen die Bezeichnungen "Kampfanlagen Westwallbunker" und "Bunker".

Dem Heimatbuch von 1980 ist zu entnehmen, dass auf Durmersheimer Gebiet 31 Mannschafts- und Sanitätsbunker sowie 15 Kampf- und Beobachtungsbunker gebaut wurden. Viele hundert Flurstücke waren von den verschiedensten Einrichtungen in Beschlag genommen. Ganze Gewanne waren von Schützengräben durchzogen.

In den Lageskizzen ist auch eine Verteidigungslinie zu erkennen, die sich von der Hardt aus in einem Bogen, der etwa dem heutigen Verlauf von Hebel- und Rheinstraße entspricht, am Rand des Hochgestades entlang nach Norden zog. Vor 80 Jahren waren die Gebiete noch freie Flur, später entstanden Wohngebiete. Auch das Neubauviertel auf dem Heilberg fällt in diesen Bereich.

In Würmersheim konzentrierten sich Bunkeranlegen vor dem westlichen Ortsrand, im Umfeld der heutigen Westendstraße. Zwischen dieser und der Ziegeleistraße liegt auch ein Grund für das Nachschlagwerk. Vor drei Jahren war man dort beim Ausheben einer Baugrube für ein neues Haus völlig überraschend auf massive Bunkerreste gestoßen. Die Kosten der Beseitigung übernahm die Gemeinde.

Das Verzeichnis der militärischen Altlasten kann bei künftigen Vorhaben Auskunft darüber geben, ob man mit Hinterlassenschaften des Krieges rechnen muss. In den allermeisten Fällen kann diese Sorge abgehakt werden. Bei sämtlichen Anlagen ist gekennzeichnet, ob sie "nachhaltig beseitigt", "abgeräumt oder zugedeckt" oder "frei" sind.

Die von einem Fachbüro erarbeitete Aufstellung kann ab kommenden Montag, 14. Januar, bis zum 15. Februar von allen Interessierten eingesehen werden. Bei der Ankündigung der Offenlage in der letzten Ratssitzung 2018 verband Bürgermeister Andreas Augustin damit die Hoffnung, dass Zeitzeugen eventuell Ergänzungen beitragen könnten, um eine möglichst vollständige Übersicht über die einstigen militärischen Einrichtungen zu erhalten. Nicht zuletzt stellt das Werk ein Dokument der Ortsgeschichte dar. Es kann auch auf der Homepage der Gemeinde studiert werden: Über die Spalte "Rathaus" in der Rubrik "Kommunalpolitik" und dort über einen Link bei der Gemeinderatssitzung vom 19. Dezember 2018.

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