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Stadtmaus auf Holzschuhregatta in Au am Rhein
Stadtmaus auf Holzschuhregatta in Au am Rhein
19.01.2019 - 00:00 Uhr
Au am Rhein (HH) - Stadtmaus und Feldmaus waren in der Mitte des vorigen Jahrhunderts die Hauptfiguren kurzer Puppentrickfilme, die gerne zur elementaren Bildung von Volksschulkindern abgespult wurden. In den lustigen Streifen stießen die Lebenswelten der beiden Protagonistinnen aufeinander. In Au am Rhein wurde das einst beliebte Sujet jetzt fürs Dorfjubiläum wiederbelebt.

Zur Feier des 1 200-jährigen Existenznachweises der Gemeinde gönnt man sich ein Kinderbuch. Anfang dieser Woche lieferte es der Verfasser Hans Peter Faller in 500-facher Druckauflage im Rathaus ab. Anlass war eine Verwaltungssitzung des Festjahr-Fördervereins. Die Presse war auch eingeladen. Als Titelheld hat der Rastatter Hobbyschriftsteller die von ihm kreierte Stadtmaus Ludwig gewählt.

Es ist das fünfte Buch mit diesem Geschöpf und das zweite, in dem sich das im Rastatter Barockschloss heimische Nagetier auswärts herumtreibt. Die Überschrift verrät, um was es hauptsächlich geht: "Holzschuhregatta auf dem Auer Altrhein".

Ludwig wird von seinen Auer Artgenossen, die bei Korbmachern, Uniformschneidern, Fischern oder Bauern hausen, zum alljährlichen Bootsrennen eingeladen. Als Kähne dienen den Mäusen die Holzschlappen ihrer Herbergsfamilien. Eine zentrale Rolle spielen noch Lisa, Tochter eines wohlhabenden Dorfwirts, und Toni, Spross armer Goldwäscher, die sich lieben. Aber Lisas Vater will keinen armen Schlucker zum Schwiegersohn. Ludwig soll helfen.

Für eine schöne Stadt-, Landgeschichte hätte auch der Auftritt Fallers im Vereinskomitee getaugt. Wortreich lobte der Gast sich und sein Werk. Ein Jahr lang will der Autor an dem ein Dutzend Textseiten umfassenden Mäuse-Abenteuer gearbeitet haben. Seine Einstufung als "ganz großes Kino" war auf die Illustrationen der in Karlsruhe lebenden Gestalterin Maria Karipidou gemünzt. Tatsächlich verleiht sie der Geschichte Farbigkeit, Lebendigkeit, Witz und Liebe.

Die von der Malerin auf einer Doppelseite bildnerisch in Szene gesetzte Holzschuhregatta ist ein Augenschmaus und stellt nicht nur in optischer Hinsicht den Höhepunkt des Buchs dar.

Die Idee, aus dem typischen Schuhwerk des bäuerlichen Alltags ein Paddelboot für Mäuse zu machen, erwuchs Faller zufolge aus mehreren Impulsen. Aus dem alten, von Heinz Bischof verfassten Heimatbuch habe er erfahren, dass die Holzschlappen ihrer Form wegen in Au auch "Schiffele" genannt worden seien. Von da an war es nur noch ein gedanklicher Ruderschlag bis zum Bootsrennen.

Der Anstoß, Faller für ein Kinderbuch zum Dorfjubiläum zu gewinnen, sei von einer Pädagogin aus der Gemeinde gekommen, war zu hören. Faller dankte dem Festausschuss, dem Förderverein Dorfjubiläum um den Vorsitzenden Walter Hettel sowie Bürgermeisterin Veronika Laukart für den "Willen", das Vorhaben umzusetzen und die "Offenheit", mit der man ihn unterstützt habe. Billig war die Sache nicht. Die Kosten für Honorare, Druck und Herstellung übernimmt vollständig der Förderverein. Die Rechte bekam die Gemeinde aber nur eingeschränkt. Aus dem Impressum des Buchs ist ersichtlich, dass sich Faller das Copyright für "Idee und Text" hat eintragen lassen und Mitinhaber der Rechte für die Erstauflage bleibt.

In der Mäuse-Geschichte sind auch ein paar sprachliche Hupfer und Schieflagen zu entdecken. "Verschig! Verschig!" rufen zum Beispiel die "Fans" vom Ufer ihren Paddelhelden zu. Wer den Dialektausdruck für "vorwärts" nicht kennt, findet am Ende des Buchs die Übersetzung auf vornehme städtische Art: "nach vorne, nach vorne". Welche Erklärung für "Streffer" aufgeboten wird, soll der Spannung wegen nicht verraten werden. Abgerundet ist das Ganze mit historischen Fotografien, die an jene ausgestorbenen Berufe erinnern, die Faller in seiner Geschichte verarbeitet hat.

Das Buch ist für 6,50 Euro ab sofort im Rathaus und im Ladengeschäft von Foilattac in der Feldstraße zu haben. Das Vorlese- und Lesevergnügen darf mit der Vorfreude auf das große Jubiläumsfest Anfang Juli gesteigert werden, denn dann wird die Holzschuhregatta von Auer Schulkindern in Szene gesetzt. Das verspricht, ganz bestimmt ein tierischer Spaß zu werden.

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