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Hindenburg soll Willy Brandt weichen
Hindenburg soll Willy Brandt weichen
23.01.2019 - 00:00 Uhr
Rastatt (dm) - Die Rastatter SPD unternimmt einen neuen Anlauf, Paul von Hindenburg zumindest teilweise als Namensgeber in der Stadt verschwinden zu lassen.



Nachdem zuletzt deren Ratsfraktionsvorsitzender Joachim Fischer angeregt hatte, die Untere Stauschleusenbrücke nach deren Sanierung den Namen Willy Brandts zu geben, beantragt sie nun, die Hindenburgbrücke in Willy-Brandt-Brücke umzubenennen. Fischer nimmt dabei Bezug auf einen am Samstag im BT erschienenen Artikel, der darlegte, dass offenbar nicht nachvollziehbar ist, wieso an besagter Murgquerung der bis in die 1980er Jahre im Adressbuch der Stadt vermerkte Name "Friedensbrücke" nach deren Neubau durch die Beschilderung "Hindenburgbrücke" abgelöst wurde. Fischer fragt nun, ob es überhaupt einen Beschluss des Gemeinderats hierzu gibt. OB Hans Jürgen Pütsch wird gebeten, das Thema auf die Tagesordnung des Gremiums zu setzen. Bereits 2013 wollte die SPD den monarchistischen Adligen und republikfeindlichen Deutschnationalen Hindenburg aus dem Stadtbild tilgen und mit Namensgebern ersetzen lassen, die "als Vorbilder für Demokraten dienen können". Sie scheiterte damals an der Ratsmehrheit. Der OB hatte den SPD-Antrag unterstützt.

"Schön und historisch zutreffend" wäre es nach Sicht der SPD-Fraktion jedenfalls, an der Murg mit Willy Brandt den ursprünglichen Namen "Friedensbrücke" sinngemäß wieder zum Leben zu erwecken - ist doch der einstige Bundeskanzler (1969 bis 1974) und SPD-Vorsitzende (1964 bis 1987) ein Friedensnobelpreisträger. Der jetzige Namenspatron Hindenburg aber habe mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler dem größten Verbrecher in der deutschen Geschichte das Staatsamt übertragen. Zwölf Jahre folgten, die von Diktatur, Terror, Folter, Mord, Krieg und weitgehender Vernichtung ganzer Volksgruppen geprägt waren. Es habe seinen guten Grund, warum zahlreiche andere Städte - unter anderem Bühl und Freiburg - den Namen "Hindenburg" als Namenspatron öffentlicher Straßen und Plätze nicht für vorzeig- und vermittelbar hielten und diese umbenannt haben. Für diejenigen, die dies anders beurteilen, bleibe als "Trost" immer noch die "Hindenburgstraße" im Rastatter Zay, so Fischer. Zumindest würde bei der Brücke die Notwendigkeit entfallen, dass, anders als in der Straße, Anwohner Ausweise und andere Dokumente ändern lassen müssten.

Laut Geschichtsforschung war Hindenburgs Wahl zum Reichspräsidenten tatsächlich ein Markstein auf dem Weg in den Untergang der jungen deutschen Demokratie der Weimarer Republik. Schon als einer der Erfinder der "Dolchstoßlegende", nach der die Niederlage im Ersten Weltkrieg den Sozialdemokraten und Kommunisten zuzuschreiben sei, trug der Generalfeldmarschall dazu bei, die Akzeptanz der Demokratie zu zerstören. Als Reichspräsident vollzog er einen Kurswechsel "zum offen antiparlamentarischen Präsidialsystem". In einem politischen Testament, das er vor seinem Tod 1934 geschrieben haben soll, heißt es: "Ich scheide von meinem deutschen Volk in der Hoffnung, dass das, was ich im Jahre 1919 ersehnte und was in langsamer Reife zu dem 30. Januar 1933 führte, zu voller Erfüllung und Vollendung der geschichtlichen Sendung unseres Volkes reifen wird."

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