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"Rastatt ist ein Dauerbrenner"
24.01.2019 - 00:00 Uhr
Rastatt (ema) - Für Martin Strotz ist Rastatt immer eine Reise wert. "Rastatt ist ein Dauerbrenner", sagt der studierte Archäologe in Diensten des Landesamts für Denkmalpflege. Was er und seine Kollegen derzeit im Herzen der Stadt zu sehen bekommen, lässt die Herzen der Altertumsforscher höher schlagen. Im Murg-Carrée, der Großbaustelle der Baugenossenschaft Gartenstadt, treten bei Ausgrabungen erneut steinerne Zeugnisse der Bundesfestung zutage.

Auf den ersten Blick sind die Funde für Strotz keine Überraschung. Bereits beim ersten Bauabschnitt für das Murg-Carrée förderten die Bauarbeiter Spuren der Festung ans Tageslicht (wir berichteten). Es handelt sich um das Reduit 20. Darunter versteht man einen stark befestigten Verteidigungsbau, der für den Rückzug der Besatzung diente, falls der vorgelagerte Verteidigungswall vom Feind überwunden worden wäre. Das Reduit 20 lag im Bereich der Verbindung zwischen Ludwigsfeste und Friedrichsfeste. Die Bundesfestung wurde zwar ab 1890 abgerissen. Doch das Reduit 20 diente noch im Ersten Weltkrieg als Gefängnis für Kriegsgefangene. Nach Erkenntnissen der Denkmalforscher wurde es wahrscheinlich als Folge des Versailler Vertrags, der eine Entfestung des Oberrhein-Gebiets vorsah, zwischen dem 1. Februar und 31. Juli 1926 abgetragen.

Beim Aushub der Baugrube für die Tiefgarage und die nächsten Mehrfamilienhäuser im zweiten Bauabschnitt stieß man nun erwartungsgemäß auf weitere Teile dieses Reduits. Doch die Archäologen haben noch mehr entdeckt. Strotz berichtet von Überresten eines Zeughauses, in dem Waffen und Uniformen gelagert wurden. Als "hochspannende Geschichte" bezeichnet der Inventarisator und Projektleiter in Diensten des Landesamts den Fund einer Mauer hinter dem Festungswerk, einer Art Zwingeranlage. Möglicherweise hat die Forschung hier ein neues Feld der Festungsgeschichte zu bearbeiten. Denn Strotz ist sich nicht sicher, ob die Existenz eines solchen Bauwerks bislang schon bekannt ist.

Ohnehin gibt es nach Einschätzung des Archäologen in dem Bereich noch viel zu tun. "Rastatt hat tolle Festungspläne", sagt Strotz. Allerdings seien viele davon noch nicht gesichtet und aufgearbeitet. Für die Mitarbeiter des Landesamts für Denkmalpflege heißt es jetzt aber zunächst, die Funde im Murg-Carrée zu dokumentieren, kartografieren und fotografieren. Sobald das geschehen ist, steht der Vollendung des neuen Wohnquartiers mit sieben Häusern nichts mehr im Wege; die Festungsreste wären reif für den Abriss.

Möglicherweise mit einer Ausnahme: Gartenstadt-Geschäftsführer Oliver Krause hat Interesse signalisiert, einen Fund für die Nachwelt zu erhalten. Dabei handelt es sich um einen runden Brunnen oder Versickerungsschacht. Der Chef der Baugenossenschaft könnte sich vorstellen, das Bauwerk freizulegen und an einem geeigneten Standort im Murg-Carrée wieder aufzubauen. Die Unterstützung von Denkmalschützer Strotz hat er: "Das wäre eine tolle Sache."

Zuletzt war es auf der Baustelle ruhig - und das war nicht nur dem Wetter geschuldet. Eigentlich wollten die Denkmalpfleger bereits im Dezember fertig sein; allerdings hätten die Baufirmen zurzeit Probleme, den Bauschutt zu entsorgen, berichtet Strotz. Derweil haben die Archäologen am "Dauerbrenner Rastatt" ihr nächstes Betätigungsfeld. Bei Arbeiten für die Erweiterung des evangelischen Kindergartens Stockhorn wurde eine Kurtine (Ringmauer) entdeckt. Und wie sollte es anders sein: Auch auf dem Röttererberg lässt die Bundesfestung grüßen.

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