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Wohnraum dringend gesucht
Wohnraum dringend gesucht
07.02.2019 - 00:00 Uhr
Rastatt (as) - Im Landkreis Rastatt herrscht aktuell keine Wohnungsnot, aber es wird infolge des Fachkräftebedarfs erschwinglicher Wohnraum benötigt - und der Bedarf dafür wächst. Zu diesem Ergebnis kommt Thorsten Hauck, Leiter des Amts für Strukturförderung im Landratsamt, der dem Ausschuss für Umwelt, Bau und Planung über die Wohnraumsituation berichtete.

Hintergrund ist eine Umfrage des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein (RVMO) zum Thema, die Hauck mit Blick auf den Landkreis ausgewertet hat. Demnach leben die Kreisbewohner überwiegend in freistehenden (41,9 Prozent) oder Reihenhäusern (19,6 Prozent) - 69,1 Prozent im Eigentum, 30,9 Prozent zur Miete (nur in Baden-Baden hält sich das Verhältnis fast die Waage). Die Kaltmiete pro Quadratmeter liegt mit durchschnittlich 8,26 Euro über dem regionalen Mittelwert (7,96 Euro), wobei Gaggenau/Kuppenheim (9,74 Euro), Baden-Baden (9,47 Euro) und Gernsbach/Forbach (9,27 Euro) am teuersten sind.

Um 8 000 Einwohner ist die Bevölkerungszahl des wirtschaftsstarken Landkreises seit 2011 gewachsen (auf insgesamt 228 907 Einwohner). Vor allem die Stadt Rastatt (plus 2 300 Einwohner oder fünf Prozent) und die Gemeinde Ottersweier (plus 10,9 Prozent) liegen dabei ganz vorn.

Im gleichen Zeitraum wurden im Landkreis laut Statistischem Landesamt 3 450 Wohnungen fertiggestellt. Bei einer durchschnittlichen Haushaltsgröße von 2,1 Personen entspricht das Wohnraum für rechnerisch rund 7 300 Personen, erläuterte Hauck - die Einwohnerzunahme habe damit weitgehend abgefangen werden können. Der Fachkräftebedarf in der Wirtschaftsregion werde aber weiter steigen. Zudem sei ein Trend zu kleineren Haushalten zu beobachten. Eine Botschaft an den Ausschuss lautete daher: Der Landkreis ist in den nächsten Jahren auf die Erweiterung des Wohnungsangebots angewiesen, wenn er seine Position als hervorragender Wirtschaftsstandort behaupten will. Das unterstreicht auch eine Studie der Prognos AG von 2017 im Auftrag der L-Bank, die einen sehr angespannten Wohnungsmarkt in der Folge eines sehr starken Arbeitsmarkts bei überdurchschnittlicher Wohnungsnachfrage diagnostiziert.

Eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft von 2018 für alle deutschen Kreise belegt zudem, dass die Wohnkosten im Landkreis Rastatt etwas stärker gestiegen sind als Löhne und Gehälter. Mit 26 Prozent seines Nettoeinkommens konnte ein durchschnittlicher Arbeitnehmer 2017 rund 78,2 Quadratmeter Wohnfläche anmieten (2013 waren es 79,5 Quadratmeter) - bei Kauf 76,7 statt 79,2 Quadratmeter. Die Wohnungssuche dauert derzeit rund 4,2 Monate.

Diese Entwicklung dürfe nicht dramatisiert werden, betonte Hauck, könne jedoch als Handlungsauftrag verstanden werden. Neben der Bezahlbarkeit müsse bei der Schaffung von neuem Wohnraum zunehmend auf die Erreichbarkeit des ÖPNV sowie von Nahversorgungs- und Gesundheitseinrichtungen geachtet werden, auch das könne man aus der RVMO-Umfrage ableiten. Bis 2030 würden rund 15 000 Wohnungen in unterschiedlichen Wohnformen benötigt.

Landrat Jürgen Bäuerle fragte sich angesichts der Zahlen, ob interkommunale Anstrengungen zur Wohnraumbeschaffung erforderlich sind. CDU-Sprecher Hans Jürgen Pütsch fand, dass das nicht in die Zuständigkeit des Landkreises falle, sondern eine kommunale Aufgabe sei. Angesichts der hohen Zahl an Eigenheimen hält er Nachverdichtung für das Gebot der Stunde.

Man könne die Gesamtsituation in Mittelbaden nicht lösen, "wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht", wollte Bäuerle sich aber nicht von der Idee abbringen lassen, das Thema bei einer Bürgermeisterversammlung zu diskutieren. SPD-Sprecher Walter Jüngling befürwortete den Ansatz, denn es sei fraglich, ob die Städte und Gemeinden es alleine schaffen können, den Bedarf zu decken - oder ob es dazu einer interkommunalen Wohnungsbaugesellschaft bedarf. Eins scheint jedenfalls sicher: Das Thema Wohnraum hat die Gremien nicht zum letzten Mal beschäftigt.

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