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Ursprung liegt vielleicht schon in der Römerzeit
Ursprung liegt vielleicht schon in der Römerzeit
11.02.2019 - 00:00 Uhr
Von Helmut Heck

Au am Rhein - Beim historischen Abend zum Jubiläumsjahr von Au am Rhein erfuhren über 550 Besucher am Freitag in der Rheinauhalle, dass die ersten Auer möglicherweise im römischen Imperium lebten. Die aus dem Jahr 819 stammende Urkunde aus dem Kloster Weißenburg, die den Feierlichkeiten zum 1 200-jährigen Bestehen zugrunde liegt, ist halt nur das älteste Dokument für die Existenz eines Gemeinwesens. Auf dieses Schriftstück ging der Historiker Dr. Martin Krauß im zentralen Vortrag der Veranstaltung ausführlich ein.



Form und Inhalte des aufgelockerten Programms ernteten viel Lob. Den Faden hielt Bürgermeisterin Veronika Laukart in Händen, die durch "außerordentliche Fähigkeiten als Moderatorin" beeindruckte, wie Landrat Jürgen Bäuerle feststellte. Den historischen Abend empfand der Kreischef als "das zweite Feuerwerk", das die Gemeinde nach dem Silvesterauftakt für ihr Jubiläum zünde. In 48 Generationen habe sich Au zu einer attraktiven Wohngemeinde mit 350 Arbeitsplätzen entwickelt.

Krauß ging viel weiter zurück. Sein Exkurs setzte bei einem römischen Meilenstein und einem Viergötteraltar ein. Diese Funde könnten Krauß zufolge darauf hindeuten, dass es eine Siedlung und einen römischen Gutshof auf der heutigen Auer Gemarkung gegeben haben könnte. Gut vorstellbar sei ebenso das Vorhandensein eines Rheinübergangs, vielleicht eine Art Fährverbindung mit Kähnen. Zwischen Weißenburg und Ettlingen hätten wichtige Beziehungen bestanden. In der Epoche der Karolinger im Frühmittelalter habe die Benediktinerabtei Weißenburg große Bedeutung erlangt.

Auf der Großleinwand, mit der die Bühne der Rheinauhalle neuerdings ausgestattet ist, präsentierte Krauß das berühmte Schriftstück von 819. Demnach vermachten am 3. August jenen Jahres drei Adlige Grundbesitz in "Augia" an das Weißenburger Kloster. Zweck der Abtretung war es, einem Verstorbenen "zur Seelenruhe" zu verhelfen, so der von Krauß entzifferte Text.

Im Heimatbuch, das der Historiker mit Bettina Bauer-Wörner verfasst, wird alles nachzulesen sein. Es soll im Mai erscheinen. Als "Fazit" der von ihm beleuchteten Vorgeschichte hob Krauß hervor, dass Au am Rhein 819 längst existiert habe. Ob aber eine Kontinuität seit der Römerzeit bestanden habe, wisse man nicht.

Eine durch die Lage am Rhein bedingte Besonderheit rief ein Goldwäscher (Walter Hettel) in Erinnerung. Reichtümer wurden dem bärtige Gesellen nicht vor die Füße geschwemmt. Das Sieben des Flusssands war mühseliges Tagwerk, an den Zehnten für die Bürgermeisterin nicht zu denken. Auf den Goldflitter folgten die "Zeitsplitter", vorgelesen aus der Pfarrchronik. Sie begannen Anfang der 1930er Jahre durchaus noch heiter.

Bedrückend dagegen die Stimmung Ende 1944: Aus Angst vor Angriffen schlafen die Menschen in Kellern, Todesopfer im Ort und Gefallene im Feld sind zu beklagen, am 2. Januar 1945 Fliegerangriff während des Rosenkranzgebets, am Weißen Sonntag Jagdbomber über Au, Häuser zerstört. Da wurde es ganz still im Saal. Zur Eindringlichkeit trug sehr die Form der Wiedergabe bei. Sprecher aus der Enkelinnen- bis zur Großväter-Generation (Alois Brunner, Bertram Hettel, Bettina Bauer-Wörner, Markus Bauer, Lisanne Schorpp und Aimee Walter) lasen die Einträge abwechselnd vor. Am Schluss ein Satz, der die Ergriffenheit hielt und zugleich löste: "Seit 74 Jahren herrscht Frieden".

Wie gut es sich mittlerweile in Au am Rhein leben lässt, wurde in einem von dem Journalisten Anton Jany produzierten Imagefilm gezeigt. Die Inszenierung des Dorfs, "umgeben von Seen, Feld, Wald und Flur", seiner Menschen und Vereine gab dem Heimatstolz einen kräftigen Schub. Eine schöne Idee war es auch, alte Fotografien im Großformat auf der Bühne als Hintergrundbilder einschweben zu lassen. Damit wurden zum Teil die musikalischen Darbietungen untermalt. Bemerkenswert an der Veranstaltung war nicht zuletzt, dass der offizielle Teil wie angekündigt nach zwei Stunden beendet war. Der Abend aber war noch lange nicht zu Ende. Wer noch mehr Gesprächsstoff suchte, fand ihn in einer kleinen Fotoausstellung aus der Sammlung der "Wilden Horde", deren Schwerpunktthema "Früher und Heute" war.

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