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Vom Stromhändler zum regionalen Energieversorger
14.02.2019 - 00:00 Uhr
Von Markus Koch

Muggensturm/Kuppenheim - Von den Gemeindewerken Muggensturm zum regionalen Energieversorger, der Muggensturm und Kuppenheim mit Strom, Wasser und Gas beliefert: Die im Jahr 2000 gegründete Eneregio GmbH kann sich im Wettbewerb mit den großen Konzernen behaupten.

Muggensturm hatte jahrzehntelang ein eigenständiges Gemeindewerk, das ausschließlich Strom vom Badenwerk kaufte und dann an die Einwohner weiterverkaufte, erläutert Bürgermeister Dietmar Späth die einst festgezurrte Situation auf dem Strommarkt. Mit der Liberalisierung sollte sich zu Beginn des Jahrtausends aber alles ändern: "Die großen Konzerne sagten voraus, dass alle Kommunalwerke und Stadtwerke untergehen werden und dass wir uns schnell an sie verkaufen sollten", blickt Späth zurück.

Doch der Muggensturmer Gemeinderat besann sich eines Besseren und stimmte mit deutlicher Mehrheit für die Beibehaltung des Gemeindewerks. "Es war unser Ziel, die Bürger möglichst günstig mit Strom zu versorgen", verdeutlicht Späth die Motivation von Verwaltung und Gremium.

Doch die Gemeindewerke hatten nur zwei technische Mitarbeiter und von Verwaltungsseite eineinhalb Stellen. "Wir haben sehr schnell gemerkt, dass wir uns strategisch aufstellen müssen", beschreibt der Muggensturmer Rathauschef die weitere Entwicklung. Im Jahr 2003 wurde die EnBW Kommunale Beteiligungen GmbH mit einem Anteil von 25,1 Prozent als Mitgesellschafter aufgenommen.

In Kuppenheim lief der Gaskonzessionsvertrag mit den Stadtwerken Gaggenau 2009 aus, und der Kuppenheimer Gemeinderat hatte zu entscheiden, ob dieser verlängert wird oder nicht. Parallel wurden Gespräche mit der Eneregio geführt. Zum 1. Januar 2010 kam dann Kuppenheim mit ins Boot, und die Geschäftsverhältnisse wurden neu geordnet. Die beiden Kommunen besitzen seither jeweils 34 Prozent Anteile an der Eneregio, die EnBW Kommunale Beteiligungen GmbH 32 Prozent. "Kuppenheim hat damals sein Wassernetz in die Eneregio eingebracht, die EnBW das Stromnetz von Kuppenheim, und wir haben der Eneregio erlaubt, unser Gasnetz zu betreiben", konkretisiert Bürgermeister Karsten Mußler den Deal. "Uns war es wichtig, dass die Wertschöpfung in Kuppenheim bleibt."

Seit 2011 ist die Eneregio nicht nur Stromnetzbetreiber in Muggensturm, sondern auch in Kuppenheim. Zum 1. Januar 2013 übernahm der Energieversorger das Gasnetz von Kuppenheim und Oberndorf, zum 1. Januar 2018 das Gasnetz in Muggensturm.

Die Erdgaspreise haben sich bei den meisten Anbietern zum Jahresanfang erhöht, bei Eneregio blieben sie jedoch stabil: "Wir haben durch eine vorausschauende Einkaufsstrategie in Zeiten niedriger Preise große Mengen eingekauft und sind somit in der Lage, den Preisanstieg fast vollständig auszugleichen", betont Jochen Mühl, der seit Oktober 2017 kaufmännischer Leiter ist.

Eneregio ist dank seiner Beteiligung am Windpark Baltic I in der Ostsee in der Lage, auch Ökostrom anzubieten. "Das war damals eine risikobehaftete Entscheidung, aber sie war richtig", sagt Dietmar Späth. Mit ihrer Beteiligung kann die Eneregio rund 500 Haushalten Ökostrom liefern.

Der kommunale Energieversorger betreibt jedoch nicht nur Verteilnetze, sondern ist auch als Energielieferant tätig und beliefert Privat-, Gewerbe- und Großkunden mit Strom und Gas. Zudem übernimmt das Unternehmen diverse Dienstleistungen, etwa die Installation und Betreuung von Straßenbeleuchtung.

Dieser Umstand schafft Synergieeffekte, wie Mußler verdeutlicht: "Wenn wir in Kuppenheim oder Muggensturm eine Straße sanieren, dann wird alles gebündelt: Strom, Wasser, Abwasser, Gas und Straßenbeleuchtung. Das ist ein Vorteil, der uns Kosten spart."

Im Jahr 2017 erzielte Eneregio Umsatzerlöse von rund 16,5 Millionen Euro und erwirtschaftete einen Jahresüberschuss von 706 000 Euro. Das Anlagevermögen belief sich auf 18,7 Millionen Euro, das Eigenkapital betrug 9,2 Millionen Euro. Die von der Eneregio erwirtschafteten Gewinne werden für die Schuldentilgung eingesetzt und fließen in die Haushalte der beiden Gemeinden. Darüber hinaus unterstützt der Energieversorger Vereine, soziale Einrichtungen und ausgewählte Projekte.

Über die strategische Ausrichtung des Unternehmens entscheiden der elfköpfige Aufsichtsrat und die Gesellschafterversammlung. Ein großes Projekt ist der Bau eines interkommunalen Wasserwerks inklusive Speicherbehälter und Aufbereitungsanlage durch die Eneregio und die Gemeinde Ötigheim. Deren Gemeinderat wird sich am kommenden Dienstag um 19 Uhr erstmals öffentlich mit dem Thema befassen.

Ein weiteres Eneregio-Projekt ist der Austausch von Stromzählern, rund 9 000 Stück möchte man durch digitale ersetzen, was bei etwa 1 000 bereits passiert ist. Im Hinblick auf die E-Mobilität sollen möglichst noch in diesem Jahr Ladesäulen bei der neuen Veranstaltungshalle in Kuppenheim und bei der Mehrzweckhalle in Muggensturm errichtet werden.

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