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Abi wird auch für Schulleiter zur Nervenprobe
Abi wird auch für Schulleiter zur Nervenprobe
14.02.2019 - 06:28 Uhr
Rastatt/Durmersheim (yd) - Dass bei Abiturprüfungen die Nerven blank liegen, ist nicht verwunderlich. Dass in diesem Jahr aber nicht nur die Schüler, die die Prüfungen ablegen, aufgeregt sein werden, sondern auch in den Sekretariaten und Lehrerzimmern eine Nervenschlacht droht, hingegen schon.

Grund ist die vom baden-württembergischen Kultusministerium verordnete neue Regelung, wonach die rund 400 allgemeinbildenden Gymnasien im Land fortan keine fertig ausgedruckten Aufgaben in den Fächern Deutsch, Englisch, Mathematik oder Französisch erhalten, sondern einen doppelt verschlüsselten Memorystick. Das Passwort zum Öffnen der darauf befindlichen Dateien wird erst am Prüfungstag in aller Frühe versendet, der Stick wird die Gymnasien voraussichtlich in den Osterferien erreichen. Danach muss jede Schule ihre Aufgaben selbst kopieren. Das Stuttgarter Kultusministerium will so die Sicherheitsvorkehrungen beim Abitur verschärfen. In der Vergangenheit war es im Vorfeld der Prüfungen zu Einbrüchen an Schulen gekommen.

In den Rastatter Gymnasien sowie am Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium (WHG) in Durmersheim steht man der neuen Regelung eher skeptisch gegenüber. Man sei "beträchtlich überrascht" über die Order aus Stuttgart gewesen, sagt etwa Thomas Dornblüth, Schulleiter des WHG. Und Mario Wirth, stellvertretender Schulleiter des Rastatter Tulla-Gymnasiums, moniert die "gewaltige Mehrverantwortung" für die einzelnen Schulen. Sein Kollege Markus Braun, Schulleiter am Ludwig-Wilhelm-Gymnasium in Rastatt, ist der gleichen Ansicht: "Der Aufwand für uns ist beträchtlich."

Die Planungen des Kultusministeriums sehen vor, dass die Passwörter für den Memorystick am jeweiligen Prüfungstag (das schriftliche Abitur startet in diesem Jahr am 30. April mit dem Fach Deutsch) um 6 Uhr verschickt werden. Die Schulen sollen dann drei Stunden Zeit haben, um die Kopiervorlagen auszudrucken und entsprechend zu vervielfältigen, um 9 Uhr ist dann Prüfungsbeginn. Es sei zu hoffen, dass durch die neue Regelung die Fehler der vergangenen Jahre vermieden werden. "Es bleibt aber auch zu hoffen, dass sich dadurch nicht neue Fehlerquellen auftun", so Braun. Genau das befürchtet Mario Wirth. "Wir müssen alles ausdrucken, kopieren und zusammenheften, das birgt natürlich Fehlerquellen." In allen Rektoraten hofft man, dass die Technik an den Prüfungstagen nicht versagt. Was, wenn ein Kopierer einen Papierstau hat oder heiß läuft? An allen Gymnasien gibt es mindestens zwei Geräte. "Wir überlegen zudem, uns mit den anderen Schulen im Ort kurzzuschließen, falls der absolute Notfall eintritt", meint Dornblüth. Dennoch sei die Zeit vom Bekanntgeben der Passwörter bis zum Prüfungsstart sehr knapp bemessen. In Mathematik beispielsweise, wo die Aufgaben noch nachgerechnet werden müssen, käme man extrem in die Bredouille, wenn die Technik versage, meint der WHG-Schulleiter, an dessen Gymnasium in diesem Jahr 89 Schüler fürs Abi angemeldet sind.

Im LWG hat man beschlosse n, einen der beiden schuleigenen Kopierer in der schriftlichen Prüfungsphase ausschließlich für das Ausdrucken der Abiaufgaben zu reservieren. "Wir werden das Gerät im Büro der Schulleitung platzieren und versuchen, Störungen so zu minimieren", sagt Markus Braun, der an den Prüfungstagen zusammen mit seinem Stellvertreter Matthias Weinig ab 6 Uhr vor Ort sein wird - ebenso wie die jeweiligen Fachkollegen.

Durch den späteren Beginn der Prüfungen, die ja erst um 9 Uhr starten, verlagert sich das Ende in den Nachmittag hinein, was wiederum Probleme mit der Vertretungsbereitschaft verursacht, wie der LWG-Schulleiter erklärt.

Trotz aller Widrigkeiten sind sich Markus Braun und seine Kollegen aber sicher, mit den Anforderungen zurecht zu kommen. "Wir fühlen uns gewappnet, das Ganze ist nicht erfreulich, aber wir werden es hinkriegen", sagt er. Und sein Durmersheimer Kollege Dornblüth meint: "Wir werden unser Bestes tun, dass es hinhaut. Der Rest ist dann eben Hoffen."

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