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Anwohner des Reisigplatzes gründen Bürgerinitiative
Anwohner des Reisigplatzes gründen Bürgerinitiative
23.02.2019 - 00:00 Uhr
Von Yvonne Hauptmann

Ötigheim - Seit über 25 Jahren wohnt Stefan Müller in der Rebgartenstraße in Ötigheim. Eigentlich ein beschauliches Plätzchen, die Straße führt direkt zum Federbach. Doch mit der Beschaulichkeit ist es seit einigen Jahren vorbei - zumindest Freitagnachmittags und an Samstagen: Seit die Gemeinde die Öffnungszeiten des Reisigplatzes erweitert hat, herrscht laut Müller reges Treiben in der Rebgartenstraße und im oberen Teil der Mühlstraße. Lärm und Dreck gehören seither an den Wochenenden bis in die Abendstunden zum Alltag. Zusammen mit einigen Mitstreitern hat er deshalb nun die Bürgerinitiative "Lebenswertes Ötigheim" gegründet.



Vor einigen Jahren hatte der Ötigheimer Gemeinderat beschlossen, die Öffnungszeiten des Reisigplatzes auszuweiten: Im Prinzip war die Halde für Gartenabfälle und Grünschnitt fortan rund um die Uhr geöffnet. Nach massiven Protesten der Anwohner - unter anderem auch in einer Gemeinderatssitzung im Oktober 2017 - wurden die Zeiten wieder eingeschränkt. Der Ötigheimer Reisigplatz ist seither mittwochs und freitags von jeweils 14 bis 19 Uhr sowie an Samstagen von 10 bis 19 Uhr geöffnet - also an insgesamt 19 Stunden pro Woche.

Zu viel, finden die Mitglieder der Bürgerinitiative, deren Sprecher Stefan Müller und Dieter Ullrich sind. "Wenn man das mit den Öffnungszeiten der Reisigplätze in den umliegenden Gemeinden vergleicht, wird man nirgends etwas Vergleichbares finden", sagt Müller. So habe der Reisigplatz in Bietigheim etwa nur samstags von 9 bis 16 Uhr offen, in Steinmauern sei samstags von 9 bis 12 Uhr geöffnet - und selbst der große Reisigsammelplatz am Rastatter Klärwerk öffne nur insgesamt acht Stunden pro Woche. "Warum muss also eine Gemeinde in der Größe Ötigheims derart lange Öffnungszeiten ausweisen?", fragen sich die Mitglieder der Bürgerinitiative.

"Viele kommen



von außerhalb"

Inzwischen habe es sich, so zeigen sie sich überzeugt, nämlich auch in den umliegenden Gemeinden herumgesprochen, dass man in Ötigheim bis in den Abend hinein Reisig abladen könne. "Viele kommen von außerhalb. Außerdem sind viele Gewerbetreibende darunter", meint Stefan Müller.

Neben der Lärmbelästigung - Müller: "Versuchen Sie hier mal, im Sommer samstags nachmittags gemütlich im Garten Kaffee zu trinken. Das ist unmöglich" - sei auch die Staubentwicklung enorm. Die Zufahrt zum Reisigplatz sei nur geschottert - die Traktoren und Autos wirbelten viel Staub auf. "Teilweise können die Kinder nicht mehr in den Gärten spielen, weil alles verdreckt ist."

Müller und seine Mitstreiter haben deshalb eine Unterschriftenaktion gestartet - eigentlich alle Anlieger des Reisigplatzes hätten unterschrieben. Von der Gemeinde fühle man sich im Stich gelassen. Bereits im vergangenen September habe man sich mit einem Brief an Bürgermeister Frank Kiefer gewandt und zum wiederholten Mal auf die Situation aufmerksam gemacht. Dieser habe anschließend versprochen, sich mit dem Ötigheimer Gemeinderat abzustimmen und wieder auf die Bürger zuzukommen.

"Bis heute ist in dieser Hinsicht leider nichts mehr passiert. Wir haben nie wieder etwas gehört", sagt der 62-Jährige enttäuscht: "Immerhin hätte die Verwaltung ja im Gemeindeanzeiger ja die Bevölkerung dazu aufrufen können, etwas Rücksicht auf die Anwohner zu nehmen. Aber auch hier passierte nichts."

Wenn es nach den Mitgliedern der Bürgerinitiative geht, dann wäre die Verlegung des Reisigplatzes an eine Stelle, die weiter von der Wohnbebauung entfernt liegt, die Ideallösung. "Das wird aber so schnell nicht passieren, das ist uns klar", sagt Müller. Gefordert werden aber auch eine Einschränkung der Öffnungszeiten sowie die Vorverlegung der Schließzeit auf den Nachmittag sowie die Kontrolle der Anlieferer , damit keine Gewerbetreibenden in Ötigheim ihren Müll entsorgen können.

Der Ötigheimer Bürgermeister Frank Kiefer sieht die Öffnungszeiten des Reisigplatzes immer noch in der Pilotphase: "Wir tasten uns in dieser Hinsicht langsam vor und versuchen zu optimieren, wo unserer Meinung nach Bedarf besteht", sagte er auf BT-Nachfrage. Man versuche, nach und nach die Dinge zu verbessern und möglichst allen Ansprüchen gerecht zu werden. Immerhin: Eine solche Optimierung könnte bereits im kommenden Jahr in Angriff genommen werden.

Im gerade verabschiedeten Haushaltsplan der Gemeinde Ötigheim sind 2019 insgesamt 45 000 Euro für die Asphaltierung des Zufahrtswegs zum Reisigplatz vorgesehen. Alle weiteren Anregungen werde man in Ruhe prüfen und bei Bedarf nachjustieren. "Aber hier geht eindeutig Sorgfalt vor Aktionismus", unterstreicht der Bürgermeister.

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