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1 200-Jahr-Jubiläum inspiriert Umzugsgruppen
04.03.2019 - 00:00 Uhr
Von Helmut Heck

Au am Rhein - Eine wahre Zierde im Fastnachtsumzug in Au am Rhein waren die strammen Festdamen und die aufgebrezelten Dorfschönheiten. Ihr Ziel war eine Beschäftigung über den Aschermittwoch hinaus. Die aus verschiedenen Fastnachtsgruppen stammenden Grazien bewarben sich als schmückendes Beiwerk für die Feierlichkeiten zum 1 200-jährigen Bestehen der Gemeinde. Das Dorfjubiläum war mehrfach Thema im närrischen Defilee, zu dem gestern 83 Gruppen aufmarschierten, etwa 30 davon mit einem Wagen.

Da schwang nach 1 200 Jahren zum ersten Mal eine Auer Damen-Feldhockey-Frauschaft die Schläger. Da machten sich von Überschwemmungen geplagte Gestalten ihren eigenen Reim aufs Heimatdorf: "Seit 1 200 Jahren das gleiche Spiel, Au hat Wasser viel zu viel." Die Galepper gratulierten mit einem spektakulär gebauten Buchstabenspiel. Ein eigenes Jubiläum feiert der Turnverein (TV), er ließ zu seinem hundertjährigen Bestehen wie Anno Domini einen mit grünen Girlanden und Blumen geschmückten Festwagen durch die Straßen rollen.

Die "Krutlätsche" feierten elf, die Auer Reiher 22 Jahre Umzugsbeteiligung. Die Stahlsprieße machten zum 25. Mal mit, ebenso die "Planlosen," die sich mit einem "letzten Kampf" aus der Narrenparade verabschiedeten.

Wann die Umzugs-Tradition in Au begonnen hat, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen.

Bettina Bauer-Wörner, die anlässlich des Ortsjubiläums an einem neuen Heimatbuch mitwirkt, hat auf Bitten unserer Zeitung nach alten Dokumenten gestöbert. Gefunden hat sie eine Reihe von Meldungen in der Lokalpresse. Demnach wurden die ersten Umzüge in der Nachkriegszeit wohl 1952 und 1953 in Gang gesetzt. Irgendwann kam die Sache aber offenbar ins Stocken. Am 5. Februar 1972 wurde dann gemeldet, dass man das Narrentreiben mit einem Umzug "wieder etwas beleben" wolle.

Der Versuch klappte auf Anhieb, schon der zweite Umzug im Folgejahr wurde ein großer Erfolg von regionaler Bedeutung. Was am Rosenmontag 1973 in der Presse zu lesen war, trifft auch im Jahr 2019 voll und ganz zu: den Zuschauern sei ein "ideenreicher, farbenprächtiger und origineller Faschingsumzug" geboten worden. 1975 schrieb dann der Chronist: "Einer Steigerung folgte die nächste", man sei Zeuge einer "ständig wechselnden Szenerie" geworden.

Das gilt für die gestrige Veranstaltung genauso. Bei windigem Wetter säumten viele tausend Besucher die Straßen. Ein herausragendes Merkmal des Auer Umzugs war wieder einmal die Detailverliebtheit, mit der Motive bis in allerkleinste Accessoires fortgesetzt werden. Dem Zuschauer am Wegesrand ist es schier unmöglich, alles zu erfassen.

Die Gruppe mit der weitesten Anreise war die Guggemusik aus Gurteil in Südbaden, die von einem aus Mittelbaden stammenden Mitglied nach Au gelockt wurde.

Aus Etzenrot waren zum ersten Mal die "Teufel vom Etzenberg" dabei. Maskengruppen wie diese bleiben Ausnahmen in Au. Wie seit je ist das "Umzugskarussell", wie es in einem Bericht vor 55 Jahren hieß, ein Schaufenster des unkonventionellen "Phantasiereichtums" der Einwohner. Wie titelte gestern Karla Kolumna, die als "rasende Reporterin" in Mehrfachausfertigung im Umzug auftauchte: "Einfach sensationell".

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