http://www.spk-bbg.de
Startschuss für Amphibien-Wanderung
Startschuss für Amphibien-Wanderung
05.03.2019 - 00:00 Uhr
Rastatt/Hardt (red) - Die Sonne gibt den Startschuss: Wenn sich der Boden auf fünf bis sechs Grad oder mehr erwärmt, erwachen dieser Tage Millionen Frösche, Kröten und Molche. Sie wandern oft kilometerlang von ihrem Herbst- und Winterquartier zum Laichgewässer. Darauf weisen BUND und NABU in zwei Pressemitteilungen hin.



Spring- und Grasfrösche sind demnach die ersten. Danach erwachen Molche und später Erdkröten. Hunderte BUND-Aktive werden nun zu Lebensrettern und helfen den Amphibien über die Straßen. Seit Jahren packen auch NABU-Aktive in ganz Baden-Württemberg mit an, damit Kröten und Frösche sicher über die Straßen kommen. Der BUND fordert den Schutz und die Verbindung ihrer Lebensräume und den Stopp von Pestiziden. "Bei uns im Autoland Baden-Württemberg sind die dicht befahrenen Straßen eine sehr große Gefahr für die Amphibien. Für viele BUND-Ehrenamtliche heißt es jetzt wieder: Wecker stellen und in den frühen Morgenstunden an den Amphibienschutzzäunen die Tiere aufsammeln, die in die Fangeimer entlang der Zäune gefallen sind. Die BUND-Aktiven setzen die Tiere sicher auf der gegenüberliegenden Straßenseite wieder aus", sagt Lilith Stelzner, Naturschutzreferentin beim BUND Baden-Württemberg. Der NABU appelliert an Autofahrer, aufmerksam zu sein und bei feuchtmilden Temperaturen, wie aktuell, auf kreuzende Kröten und Menschen zu achten. Typischerweise seien im März die meisten Tiere unterwegs, wenn auch die Erdkröten loslaufen. Sie stellen den größten Anteil an den hiesigen Amphibien. Dann laufen und hüpfen hunderte, manchmal tausende Erdkröten, Grasfrösche und Molche vom Überwinterungsquartier zu ihrem Laichgewässer.

In Deutschland kommen 20 Amphibienarten vor, 18 davon in Baden-Württemberg. Neben dem Straßenverkehr machen der Klimawandel und die Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft den Amphibien zu schaffen, heißt es in der BUND-Mitteilung. Sogar die einst häufigeren Arten seien mittlerweile bedroht: "War der Grasfrosch beispielsweise in den 1960er Jahren noch stark vertreten, so dürfte sein Bestand heute auf unter fünf Prozent gefallen sein. Mittlerweile stehen 13 der in Baden-Württemberg vorkommenden Arten auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Am stärksten bedroht sind bei uns Laubfrosch, Kreuz- und Wechselkröte und Gelbbauchunke."

Amphibien legen ihren Laich, also ihre Eier, in einem kleinen See, Teich, Weiher oder Tümpel. Unterwegs lauern laut NABU häufig tödliche Gefahren. Oftmals müssen die Tiere auf ihrer bis zu zwei Kilometer langen Wanderstrecke eine befahrene Straße überqueren - ohne Zebrastreifen oder Ampel. Daher gilt mit Einsetzen der Amphibienwanderung: Bitte Fuß vom Gas, der Natur zuliebe! Die allermeisten Amphibien stehen ohnehin auf der Roten Liste gefährdeter Arten, jedes Exemplar ist wichtig und ihr Schutz sollte selbstverständlich sein, so der NABU.

Als noch wichtiger für den Erhalt der Amphibien erachtet der BUND den generellen Schutz ihrer Lebensräume. Der Klimawandel mit immer häufiger auftretendem Starkregen und lang anhaltenden Trockenperioden zwinge die Tiere dazu, neue Lebensräume zu suchen. "Es ist Aufgabe der Kommunen, den landesweiten Biotopverbund umzusetzen und die daraus resultierenden Maßnahmen langfristig zu erhalten. Bestehende Feuchtbiotope wie Tümpel müssen sie erhalten und über naturnahe Korridore verbinden. Sonst haben die Amphibien langfristig keine Überlebenschance", sagt BUND-Landesgeschäftsführerin Sylvia Pilarsky-Grosch. "Der so geschaffene Biotopverbund muss in Bauleitplanungen berücksichtigt werden und darf bei späteren Bauvorhaben nicht einfach so wieder überbaut werden."

Einer der Hauptverursacher für den Rückgang der Amphibien sei der Einsatz von Pestiziden. Pestizide vergiften einerseits die Nahrungsgrundlage der Amphibien, die Insekten. Sie vergiften aber auch ihre Lebensräume, Böden und Gewässer, so der BUND. Alleine in Baden-Württemberg würden jedes Jahr rund 3 000 Tonnen an Pestizidwirkstoffen versprüht. "Ein erster wichtiger Schritt für den Amphibien-Schutz wäre, auf landeseigenen und kommunalen Flächen wie Parks oder Straßenbegleitgrün und insbesondere in und um Schutzgebiete sofort auf Pestizide zu verzichten. Bis 2025 muss der Pestizideinsatz um die Hälfte reduziert werden", so Pilarsky-Grosch.

Über 50 BUND-Gruppen retten im Südwesten Frösche, Kröten und Molche vor dem Verkehrstod. 150 Amphibientunnel haben alleine BUND-Gruppen durchgesetzt. Die BUND-Aktiven renaturieren außerdem Überschwemmungsflächen, legen Gewässer an oder überzeugen ihre Kommunen dies zu tun. Helfer sind in den BUND-Gruppen willkommen. Interessierte können sich an die nächste BUND-Gruppe wenden.

NABU-Gruppen in ganz Baden-Württemberg stellen am Straßenrand Schutzzäune auf, an denen die Tiere in Eimern gefangen und von freiwilligen Helfern über die Straße getragen werden. Der NABU bittet alle, die motorisiert unterwegs sind, um besondere Vorsicht und Rücksichtnahme, da die Ehrenamtlichen vor allem bei Regen und in den Morgen- und Abendstunden unterwegs und mitunter schlecht erkennbar sind. Bis zu geschätzt 400 000 Tiere bewahren Ehrenamtliche so vor dem Tod auf der Straße.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Baden-Baden
Amphibien starten ihre Wanderung

03.03.2019
Amphibien starten ihre Wanderung
Baden-Baden (red) - Naturschützer rufen Autofahrer im Südwesten auf, Rücksicht auf die Wanderung von Kröten und Fröschen zu nehmen. Bei einsetzendem Regen und bei milden Nachttemperaturen starten die ersten Amphibien ihre Reise zu den Laichgewässern (Symbolfoto: pr). »-Mehr
Muggensturm
L´Oréal eröffnet am 9. Mai

02.03.2019
L′Oréal eröffnet am 9. Mai
Muggensturm (as) - Der Eröffnungstermin steht: Am 9. Mai wird L′Oréal das Distributionszentrum im Muggensturmer Industriegebiet "Schleifweg III" (Foto: Groß) eröffnen, so Pressesprecherin Kristin Poppel auf BT-Anfrage: "Die Bauarbeiten sind zu etwa 95 Prozent abgeschlossen." »-Mehr
Baden-Baden
Der Straßenrand als Müllkippe: Aufräumen entlang des Krötenzauns

21.02.2019
Der Straßenrand als Müllkippe
Baden-Baden (co) - Es ist erschreckend, wie viele Zeitgenossen den Straßenrand als Müllkippe ansehen und Abfälle einfach aus dem fahrenden Auto entsorgen. Freiwillige Helfer des Naturschutzbundes NABU zeigen ihre traurigen Funde an der L 67 bei Haueneberstein (Foto: Hecker-Stock) »-Mehr
Baden-Baden
´Bruchgraben´ wird für Wiesenbrüter reaktiviert

15.01.2019
"Bruchgraben": Gehölzentfernung
Baden-Baden (red) - In den kommenden Tagen werden im Auftrag des Regierungspräsidiums Karlsruhe im Naturschutzgebiet "Bruchgraben" bei Baden-Baden Gehölze entfernt. Damit werden seltene Vogelarten gefördert, die offene, gehölzarme Landschaften benötigen (Foto: Walter). »-Mehr
Gernsbach
Infozentrum startet mit Insekten ins neue Jahr

04.01.2019
Mit Insekten ins neue Jahr
Gernsbach (red) - Pünktlich zum Jahresbeginn präsentiert das Infozentrum Kaltenbronn sein neues Programm. Es verspricht wieder viele spannende Angebote für Kinder, Erwachsene, Familien und alle Naturinteressierten. Aktuell läuft die Sonderausstellung zum Thema "Insekten" (Foto: Archiv). »-Mehr
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
Umfrage

Nach Angaben des Digitalverbands Bitkom wird mittlerweile jeder zehnte Weihnachtsbaum online gekauft. Ist der Kauf im Internet auch für Sie eine Option?

Ja.
Nein.
Ich kaufe keinen Weihnachtsbaum.


Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1