https://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
Zeitgemäßes Angebot, familiäres Gepräge
09.03.2019 - 00:00 Uhr
Von Sabine Wenzke

Rastatt - "In den Turnverein Rastatt-Rheinau passt jeder hinein", konstatiert der Ehrenvorsitzende Peter Sallinger angesichts des breit gefächerten Angebots für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Es gibt Gesundheits-, Breiten- und Wettkampfsport, aber auch fernöstliche Entspannungstechniken haben Einzug in den Trainingsplan des Traditionsvereins gehalten, der in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiern kann.



"Wir sind zeitgemäß aufgestellt", fügt der heutige Ehrenvorsitzende an, der fast drei Jahrzehnte lang die Geschicke des Turnvereins gelenkt hat und sich heute noch engagiert um die Sportabzeichenbetreuung kümmert. Dabei geht er mit gutem Beispiel voran und hat das Deutsche Sportabzeichen im vergangenen Jahr bereits zum 30. Mal absolviert - in Gold.

Aktuell knapp



1000 Mitglieder

"Im Sommer 1919, wenige Monate nach Beendigung des Ersten Weltkriegs, taten sich einige fortschrittliche Rheinauer Jungmänner zusammen, um zu beraten, wie man die Bewohner des Ortsteils Rastatt-Rheinau und speziell deren Jugend in gesellschaftlicher und sportlicher Gemeinschaft vereinen kann", ist in der Chronik zum 75-jährigen Bestehen zu lesen, die Volker Seitz verfasst hat. Ziel ist die Gründung eines Turnvereins. Dieser wird schließlich am 7. August 1919 im damaligen Gasthaus "Grüner Hof" in der Rheinau aus der Taufe gehoben, die Gründungsfeier findet am 14. September 1919 statt. 65 Personen haben zuvor spontan ihren Beitritt erklärt.

Heute zählt der Verein knapp 1 000 Mitglieder, darunter rund 350 Kinder und Jugendliche. Den Löwenanteil stellen die Turner, gefolgt von den Leichtathleten und den Basketballern. Letztere haben sogar einmal sehr hochklassig in der damaligen Zweiten Bundesliga gespielt, berichtet der zweite Vorsitzende Daniel Herrmann, der selbst viele Jahre lang diesem Sport gefrönt hat. Zurzeit mischen die TVler ganz gut in der Landesliga mit. Außerdem engagiert sich der Verein in Sachen Inklusion. Die Basketballer spielen einmal im Monat mit behinderten Schülern Basketball und das macht allen viel Spaß, sagt Herrmann. Sehr erfolgreich sind aktuell zudem die Nachwuchs-Turnerinnen, wobei das Ausnahmetalent Noemi Hein zu den Glanzlichtern zählt.

Kann der Verein heute Sporthallen mehrerer Schulen nutzen, so waren die Trainingsmöglichkeiten in den Nachkriegsjahren "im Freien oder in primitiven Baracken" ziemlich bescheiden.

Gleichwohl beteiligte sich der Verein immer wieder an Gauturnfesten und war dort auch recht erfolgreich. 1954 schließlich wurde dem TV von der Stadt ein Übungsaußengelände zur Benutzung freigegeben. Und auf dem Areal am Altmurgweg wurde eine Turnhalle erstellt. Die verbesserten Übungsmöglichkeiten sorgten denn auch für einen Motivationsschub. "Es entstanden neue Gruppen Jugendlicher und selbst zahlreiche Frauen nahmen regen Anteil am aktiven Turngeschehen", heißt es in der Chronik weiter. In den folgenden Jahren legte der Verein besonderen Wert auf Breitenarbeit in der Leichtathletik aller Jugend- und Altersklassen.

Aber auch an der Turnhalle ging die Zeit nicht spurlos vorüber. Jahrzehnte später wurde ihr Zustand bereits als miserabel beschrieben, es folgten lange und zähe Verhandlungen mit der Stadt. Ab dem 16. Oktober 1970 konnte der Turnbetrieb in der neuen Turnhalle der Johann-Peter-Hebel-Schule stattfinden. Am 5. Mai 1972 wurde dem Abbruch der alten Turnhalle zugestimmt. Der TV Rheinau erhielt von der Stadt 5 500 Mark als Entschädigung für die Eigenleistung der Mitglieder beim Bau der alten Turnhalle. Weitere zähe Verhandlungen waren notwendig, um das Sportgelände einzäunen zu können. Die Materialien beschaffte die Stadt, die Einzäunung erstellte der TV Rastatt-Rheinau in Eigenarbeit. "Sämtliche Mitglieder des Vereins über 18 Jahre mussten mitarbeiten oder sich gegen ein Entgelt in Höhe von 50 Mark freistellen lassen", heißt es in der Chronik weiter.

Es wurden Wettkämpfe auf Gau-, Bezirks- und Landesebene besucht, die Mitgliederzahlen stiegen mit den Jahren stetig, vor allem auch bedingt durch das neue Baugebiet in der Rheinau. Um die vereinseigenen Gerätschaften unterzubringen, wurden zwei Fertiggaragen aufgestellt und später noch eine dritte beschafft. Immer wieder aber wurde der Zustand des Sportgeländes bemängelt, "das mehr einem Stoppelfeld" denn einem Sportgelände glich. Und wieder gab es intensive Gespräche mit der Stadt. Beim Sportfest am 8. Juli 1990 konnte die neue Sportanlage eingeweiht werden. "Eine schöne Anlage ziert heute das Gelände am Altmurgweg, ausgestattet mit einer neuen 100-Meter-Tartanbahn, einer Kugelstoß- und Weitsprunganlage und einem Kleinspielfeld", heißt es dazu in den Annalen des Vereins.

Fünf Jahre später folgte der Bau des vereinseigenen Gebäudes mit Duschen, Unterstellmöglichkeiten für Gerätschaften und Versammlungsraum für die Gruppen und die Jugend. Auch hier waren die Vereinsmitglieder wieder tatkräftig am Werk und erbrachten gut 5 000 freiwillige Helferstunden. Die Kosten beliefen sich auf rund 250 000 Mark.

Aber der Turnverein leistete noch mehr: Er war der Initiator des Volkslaufs rund um Mercedes-Benz und führte die Veranstaltung 25 Jahre lang durch. 154 Läufer wurden bei der Premiere am 17. März 1991 auf die Strecke geschickt, 807 waren es beim letzten Lauf unter der Regie des TV am 8. März 2015. Der Teilnehmerrekord beim größten Lauf liegt bei 972. In den 25 Jahren erreichten rund 13 000 Läufer das Ziel, berichtet Peter Sallinger nicht ohne Stolz.

Stolz auf



das Sportfest

Stolz ist der Verein auch auf sein Sportfest, das fast 50 Jahre lang gleich an drei Tagen veranstaltet wurde. Es war lange ein Erfolg, aber auch ein immenser Aufwand und großer Kraftakt für die ehrenamtlichen Helfer, von denen einige gleich an allen drei Tagen freiwillige Dienste leisteten. Als die Besucherzahlen einbrachen und auch die Helfer weniger wurden, beschloss der Verein, das Fest auf einen Tag zu beschränken.

Die Beibehaltung der Veranstaltung ist trotz aller Anstrengung bis heute wichtig, denn das Fest bietet die Plattform für Groß und vor allem für Klein, um das Gelernte beim Schauturnen präsentieren zu können.

"Außerdem ist gerade beim Sportfest das große Zusammengehörigkeitsgefühl zu spüren, das den Verein auszeichnet", verdeutlicht Iris Köhler, die für die Damen im TV als Bereichsleiterin zuständig ist. Auch wenn der Verein mit den Jahren zahlenmäßig groß geworden ist, so habe er sich doch sein familiäres Gepräge bewahrt.

Das zeige sich auch immer wieder bei den einzelnen Gruppen, die nach dem gemeinsamen Sport vor allem im Sommer noch gerne auf der schönen Anlage zusammensitzen und so für einen geselligen Abschluss sorgen. "Das ist eben Verein", meint Peter Sallinger schmunzelnd.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Iffezheim
Riesenbabys und Raupen machen Straßen unsicher

04.03.2019
Narren machen Straßen unsicher
Iffezheim (sch) - Mit drei Böllerschüssen startete gestern um 14.11 Uhr der Höhepunkt des närrischen Treibens im Renndorf. Zahlreiche Zuschauer des Fastnachtsumzugs sorgten für Gedränge entlang der Strecke und jubelten ausgelassen den 36 Umzugsgruppen zu (Foto: Schmidhuber). »-Mehr
Au am Rhein
1 200-Jahr-Jubiläum inspiriert Umzugsgruppen

04.03.2019
Auer Jubiläum inspiriert Narren
Au am Rhein (HH) - Eine Zierde beim Fastnachtsumzug in Au am Rhein mit 83 Gruppen waren die Festdamen und Dorfschönheiten. Die aus diversen Fastnachtsgruppen stammenden Grazien bewarben sich für die Feierlichkeiten zum 1 200-jährigen Bestehen der Gemeinde (Foto: Heck). »-Mehr
Gaggenau
Schnurren: Alkohol auf der Straße verboten

07.02.2019
Alkohol auf der Straße verboten
Gaggenau (red) - Die fünfte Jahreszeit steuert auf ihren Höhepunkt zu. Ab heute steht das Schnurren in der Flößerhalle auf dem Programm. Beginn des Treibens ist um 19.01 Uhr. Es fahren zusätzliche Stadtbahnen. Der Konsum von Alkohol auf der Straße ist verboten (Foto: av). »-Mehr
Bühl
Erstmals zwei Sportlerinnen des Jahres ausgezeichnet

21.01.2019
TV Bühl ehrt seine Sportler des Jahres
Bühl (cn) - Der Turnverein Bühl hat bei seinem Neujahrsempfang in Kappelwindeck seine Sportler des Jahres ausgezeichnet. Oberbürgermeister Hubert Schnurr überreichte den Leichtathletinnen Christine und Jasmin Vollmer und dem Volleyballer Leon Meier Urkunden (Foto Nickweiler). »-Mehr
Rastatt
Turnverein aus dem Dorfleben kaum wegzudenken

29.12.2018
100 Jahre TV Wintersdorf
Rastatt (red) - Der Turnverein Wintersdorf feiert 2019 sein 100-jähriges Bestehen. Aus dem Dorfleben im Rastatter Stadtteil ist er längst nicht mehr wegzudenken. Vor allem im Bereich des Kinder- und Jugendturnens ist eine erhebliche Weiterentwicklung zu verzeichnen (Foto: sb). »-Mehr
Umfrage

Personalroulette bei der CDU: Ursula von der Leyen wird EU-Kommissionspräsidentin, Annegret Kramp-Karrenbauer ist Bundesverteidigungsministerin. Befürworten Sie diese Entscheidungen?

Ja.
Nein.
Teilweise.
Das ist mir egal.


Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1