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Heinz Fütterer hat seine Wurzeln nie vergessen
Heinz Fütterer hat seine Wurzeln nie vergessen
11.03.2019 - 00:00 Uhr
Elchesheim-Illingen (HH) Von Jugend an war Heinz Fütterer ein leidenschaftlicher Sportler. Als Kurzstreckenläufer gelangte der am 14. Oktober 1931 geborene Sohn einer Illinger Fischerfamilie zu Weltruhm, brach Rekorde, gewann Meisterschaften und eine olympische Medaille. Vor vier Wochen, am 10. Februar 2019, ist er im Schoß seiner Familie in seinem Heimatort gestorben. Am vergangenen Samstag wurde er mit einer würdevollen Trauerfeier in der voll besetzten Heilig-Geist-Kirche von vielen hundert Menschen aus dem irdischen Dasein verabschiedet.





Fütterer habe "seinen Lebenslauf beendet", sei "am Ziel angekommen", griff Dekan a.D. Gerold Siegel das Sportmotiv auf und unterlegte es mit der Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther: "Von allen, die im Stadion laufen", erhalte immer "nur einer den Siegerpokal", hieß es im betreffenden Vers (9, 24 -27). Ziel des Lebens solle aber sein, statt eines "vergänglichen", einen "unvergänglichen Kranz" zu empfangen. Man dürfe daher "nicht ins Ungewisse" laufen, lauteten sinngemäß die Worte des Apostels.

Damit machte Siegel zugleich mit einer wenig bekannten Facette Fütterers bekannt. Dieser sei "von tiefer religiöser Gesinnung" gewesen. "Bodenständig, bescheiden, sympathisch" waren andere Zuschreibungen, mit denen der Geistliche den Dahingeschiedenen charakterisierte. Das Sportidol sei ein Mensch gewesen, der nie vergessen habe, woher er gekommen und wie er aufgewachsen sei. Die starke Heimatverbundenheit kam in der Feierstunde vielfach zum Ausdruck. Der Musikverein Elchesheim-Illingen verneigte sich vor seinem Gönner und Ehrenmitglied mit "Halleluja" von Leonhard Cohen. Der Männergesangverein "Rheinlust", mit dem der Ehrenbürger der Gemeinde ebenfalls eng verbunden war, trug unter anderem das "Sanctus" von Franz Schubert vor.

Große Treue pflegte Fütterer gleichermaßen zum KSC, dessen Leichtathletik-Abteilung Sprungbrett seiner nationalen und internationalen Karriere war. Bei den KSC-Fußballern war er bis zuletzt Stammgast.

Im Namen der "Sportstadt" würdigte der Karlsruher Bürgermeister Martin Lenz die Leistungen, die der Verstorbene nicht nur als Aktiver für die Fächerstadt erbracht habe. Fütterer habe mit seinen "herausragenden Erfahrungen" und seinem "fundierten Wissen" verschiedene Gremien bereichert, bis letztes Jahr auch die Sportstätten GmbH. Fütterer habe viel zum sportlichen Ruhm der Region beigetragen, stellte Lenz fest, der auch im Namen des Badischen Sportbunds und des Leichtathletikverbands sprach.

Mit Manfred Germar ergriff einer jener Sportkameraden das Wort, mit denen der damals 25-jährige Illinger 1956 bei den Olympischen Spielen in Melbourne die Bronze-Medaille in der 4x100-Meter-Staffel holte. Als weiteres Mitglied des Quartetts nahm Lothar Knörzer an der Feier teil. Germar erinnerte sich auch an Begegnungen mit Jesse Owens, dessen Hundert-Meter-Weltrekord Fütterer 1954 in Yokohama mit 10,2 Sekunden einstellte. In jenem Jahr wurde "der weiße Blitz" zum "Sportler des Jahres" gewählt. Germar beschrieb seinen immer "tadellos" agierenden Freund als jemanden, der "immer für einen Spaß zu haben", stets gut gelaunt gewesen sei. Das Leben Fütterers sei von drei Säulen geprägt gewesen: Familie, Beruf (Generalvertreter von Puma) und Sport, nach der Läuferkarriere Skifahren und Golf.

Schon früh waren auch Germar die Heimatliebe und Bodenständigkeit Fütterers nicht verborgen geblieben: "Er wollte, dass ich unbedingt seine Eltern kennenlerne". Gastfreundschaft war ein weiterer Wesenszug, der in den Rückblicken aufstrahlte. Geselligkeiten und Feste seien im Hause Fütterer keine Seltenheit gewesen, hatte Pfarrer Siegel in seiner Ansprache berichtet. Dabei habe der Hausherr oftmals auf dem Akkordeon sein musikalisches Talent gezeigt.

Freundschaften zu erhalten, sei ihm wichtig, Wertschätzung, Toleranz und Freizügigkeit selbstverständlich gewesen. Fütterer sei zwar kein Kirchgänger gewesen, habe aber nach christlichen Grundwerten gelebt. Und er sei, was wenige wüssten, ein Marienverehrer gewesen. So bekam das "Ave Maria", das Marc Marshall als Freund der Familie vor dem Altarkreuz sang, persönlich gefärbte spirituelle Bedeutung.

Die Feier endete unkonventionell mit einem Gruß an die Heimat: Zu den Klängen von "Hoch Badnerland", intoniert vom Musikverein, wurde die Urne des Dahingeschiedenen von seiner Ehefrau Ricky, Sohn Marc, Tochter Karin, Schwester Carola und deren Familien aus dem Gotteshaus begleitet. Die Bestattung findet später statt. Der Trauerfeier folgte ein privater Empfang im Bürgerhaus.

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