Welle der Hilfsbereitschaft
Welle der Hilfsbereitschaft
11.03.2019 - 00:00 Uhr
Rastatt (sb) - Eine Welle der Hilfsbereitschaft schwappte gestern über Niederbühl. Insgesamt 1746 Männer und Frauen waren in die Sporthalle gekommen, um an einer Typisierungsaktion teilzunehmen und in die weltweite Datenbank der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) aufgenommen zu werden. Sie alle hoffen, der genetische Zwilling des zehnjährigen Finn aus Niederbühl zu sein, der an Leukämie erkrankt ist (wir berichteten). Nur gesunde Stammzellen können ihm jetzt helfen.

Rund vier Wochen lang wird die Auswertung der Speichelproben dauern. Dann ist klar, ob ein potenzieller Spender gestern dabei war. Gleichzeitig bedeutet die Aktion aber nicht nur für Finn und seine Familie, sondern für alle auf einen Stammzellenspender Wartenden große Hoffnung. "Wer sich registrieren lässt, wird automatsch benachrichtigt, wenn er mit einer Stammzellenspende helfen kann", berichtet Finns Onkel Fabian Zielbauer-Jeske, der sich ebenso wie alle anderen Familienmitglieder beeindruckt von der enormen Hilfsbereitschaft der Besucher zeigt.

So ist bereits kurz nach 11 Uhr kaum noch ein Durchkommen auf der kleinen Straße Richtung Sporthalle. Die Feuerwehr Niederbühl regelt den Verkehr. Wer kann, kommt gleich zu Fuß. Regenschauer und Wind können die Rastatter nicht davon abhalten, in die Sporthalle zu strömen. Auch nicht den RSC/DJK, der gleich mit der gesamten Mannschaft antritt. Vor Ort sorgen mehr als 100 ehrenamtliche Helfer für einen reibungslosen Ablauf. "Unsere Helferliste war binnen einer Stunde voll", berichtet der Abteilungskommandant der Niederbühler Feuerwehr, Markus Eisele, stellvertretend für viele Vereine des Meerrettichdorfs.

Auch Katja und Marc Hartmann helfen gerne mit. Ihr Sohn spielt gemeinsam mit Finn in einem Fußballteam. Um kurz nach 10 sind sie gemeinsam mit den anderen Helfern vor Ort und erhalten eine kurze Einweisung. Nun erklären sie den potenziellen Spendern, wie einfach es ist, sich in die Datenbank aufnehmen zu lassen. Einfach drei Wattestäbchen insgesamt drei Minuten in den Mund stecken, und schon sind alle Informationen gesammelt. Jeder steckt nun seine Stäbchen in einen Umschlag, kontrolliert noch einmal die persönlichen Daten und schon ist es geschafft. "Es ging ganz schnell und hat überhaupt nicht wehgetan", lacht Maike Sanders. Auch Stefan Gutzeit aus Gaggenau ist gekommen, um sich typisieren zu lassen. "Wenn es einen persönlichen Bezug in der Region gibt, dann sind viele bereit, mitzumachen", berichtet er. Und so sind die Helfer gut gewappnet, als der Ansturm losgeht. Viele haben zuvor einen der rund 60 Kuchen gespendet, andere verkaufen die süßen Stückchen.

Wer zwischen 17 und 55 Jahren ist und selbst keine genetischen Krankheiten hat, lässt sich selbst auch typisieren. So wie Jacqueline Mayer (50) und ihre Tochter Lena: "Wir wollten das schon lange einmal machen und nutzen jetzt gerne diese tolle Möglichkeit", berichten die beiden. Eine Herzensangelegenheit ist die Aktion auch für Christian Wölfle. Er war einst beim VfR Bischweier Finns Fußballtrainer.

Doch auch wer Finn und seine Familie nicht persönlich kennt, ist gerührt. Die in der Luft liegende Hilfsbereitschaft erfasst jeden. Und so bleibt am Ende allen nur die Hoffnung, dass er gestern mit dabei war: Der Mensch, der Finn das Leben retten kann.

Info: Wer die gestrige Typisierungsaktion verpasst hat, kann bei der DKMS ein Testset anfordern und den Test selbstständig zu Hause nachholen. Internet: www.dkms.de.

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