Huber will "verlässlicher Partner" sein
13.03.2019 - 00:00 Uhr
Von Daniel Melcher



und Egbert Mauderer

Rastatt - Ein echter Nervenkrimi ist es dann doch nicht. Was sich schon im ersten Wahlgang abzeichnet, wird im zweiten Gewissheit: Toni Huber, dem langjährigen CDU-Kreistagsfraktionschef und Weisenbacher Bürgermeister, ist es gelungen, die Reihen hinter sich zu schließen. Mit 34 Stimmen (31 im ersten Wahlgang) wählt ihn der Rastatter Kreistag zum neuen Landrat. Ein dritter Wahlgang - oder gar ein Losentscheid - bleibt ihm erspart.



Die Erleichterung ist Huber anzusehen, als nach einer etwas mehr als dreistündigen Sitzung der scheidende Landrat Jürgen Bäuerle um 17.06 Uhr das Ergebnis verkündet. Alle 63 in geheimer Wahl abgegebenen Stimmen sind gültig, 33 nötig - die absolute Mehrheit des 64-köpfigen Gremiums -, um einen Sieger zu küren. Applaus brandet auf, die Kreisräte erheben sich. Vollständig waren sie zu dieser "historischen Sitzung" (Bäuerle) angetreten.

Das Interesse daran, wer für die nächsten acht Jahre Chef der Kreisbehörde und Vorsitzender des Kreistags und seiner Ausschüsse wird, ist groß: Obwohl der Kreistagssaal zum Foyer geöffnet ist und somit zusätzliche Stuhlreihen Plätze bieten, reichen diese nicht aus. Stehend, auf Treppenstufen sitzend oder im Bistro, wohin die Verwaltung das Geschehen live auf Großbildwand überträgt, verfolgen Besucher und Behördenmitarbeiter das Geschehen. 31 Stimmen für Huber, 20 für den Karlsruher Ersten Landesbeamten Knut Bühler (55), elf für den Rastatter Landrat-Stellvertreter Dr. Jörg Peter (56, ebenfalls CDU), eine Stimme für Regierungsdirektor Heinrich Eiermann, keine für Syndikusrechtsanwalt Christoph Leo Gehring: So lautet das Ergebnis des ersten Urnengangs. Eiermann zieht daraufhin zurück. Im zweiten Wahlgang stimmen dann sechs Kreisräte für Peter, 23 für Bühler und 34 für Huber.

"Natürlich" nimmt dieser die Wahl gerne an, am 1. Mai wird er es antreten, weil Bäuerle beschlossen hat, mit Vollendung seines 65. Lebensjahres in Ruhestand zu gehen. Seitdem jener seine Entscheidung verkündet hatte, habe er sich mit dem Thema Landratswahl beschäftigt, so der glückliche Nachfolger. Er dankt seiner CDU-Fraktion, die ihn von Anfang an unterstützt habe, und "Personen anderer Fraktionen", die ihm Mut zugesprochen und ihre Unterstützung signalisiert hätten. 23 Stimmen hatte die CDU gestern zu vergeben, 14 die Freien Wähler, zwölf die SPD, sieben die Grünen, FDP, AfD und Fraktionslose jeweils zwei, FuR eine. Der "ganzen Menge" an Kreisräten, die Huber nicht gewählt haben - 29 an der Zahl -, ruft er zu, dass er sich auf gute Zusammenarbeit mit allen freue.

In seiner Vorstellungsrede - jeder Kandidat hatte 15 Minuten Zeit, vor dem Gremium zu sprechen - hatte sich der 54-Jährige als "verlässlicher Partner" und "Möglichmacher" angepriesen, der den Blick stets auf den ganzen Landkreis gerichtet habe. Die Kreistagskollegen kennen ihn, je nachdem, wann sie erstmals ins Gremium gewählt worden sind, seit fünf bis 25 Jahren. Als Themen nennt der künftige Landrat unter anderem den weiteren Ausbau von Breitband- und Mobilfunknetz, eine konsequentere Digitalisierung, die Aufrechterhaltung der wohnortnahen medizinischen Versorgung, die Stärkung der Schulen inklusive der Sozialpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren, ein übergreifendes Mobilitätskonzept, die dauerhafte Sicherung der Energieagentur Mittelbaden, eine solide Haushaltspolitik und eine stärkere Nutzung des Potenzials von Natur- und Nationalpark.

Von der Stimmenzahl her nicht honoriert wird die leidenschaftliche Rede, die Dr. Jörg Peter, seit fast 14 Jahren Erster Landesbeamter in Rastatt, an diesem Nachmittag hält - vollgepackt mit Ideen, die er nun aber dennoch nicht verloren sieht, wie er im BT-Gespräch sagt. Er habe schon gespürt, dass er die Fraktionsdisziplin nicht aufbrechen könne, sehe das aber "sportlich". Mit Toni Huber habe sich ein erfolgreicher Kommunalpolitiker durchgesetzt; er freue sich auf eine gute Zusammenarbeit, blickt Peter nach vorne - auf der bereits getanen Arbeit könne man aufbauen.

Der zweitplatzierte Knut Bühler geht "erhobenen Hauptes" aus dem Wahlgang und zeigt sich zufrieden damit, als Externer so weit gekommen zu sein, auch wenn er im ersten Wahlgang etwas mehr erhofft hatte.

Stimmen



zur Wahl

Vor dem ersten Urnengang hatte Grünen-Fraktionssprecher Manuel Hummel die Frage in den Raum geworfen, ob CDU-Kreisrätin Sylvia Felder als künftige Regierungspräsidentin nicht befangen sei angesichts der Konstellation, dass sie den Chef einer ihr ab dem 1. April untergeordneten Behörde mitwählen solle. Sowohl Bäuerle als auch Felder verneinen dies. Im BT-Gespräch stellt Hummel klar, dass er nur zu bedenken habe geben wolle, dass andernfalls womöglich eine Wahlanfechtung drohen könnte - allerdings nicht von den Grünen selbst. "Von uns kommt da nichts." Dass Bühler nicht mehr Stimmen bekommen hat, finde er zwar schade, andererseits arbeite man mit Huber auf persönlicher Ebene gut zusammen, "und das wird auch so bleiben".

Landrat Jürgen Bäuerle ist sich sicher, dass nach dem fairen Wahlkampf ein nahtloser Übergang gelinge und keine Gräben zugeschüttet werden müssen. Toni Huber habe seit 2005 als CDU-Fraktionschef bewiesen, dass er das Aufgabenfeld "bestens beherrscht". Freie-Wähler-Fraktionschef Karsten Mußler ("eine gute Wahl") meint: "Ich bin mir sicher, dass Toni Huber das, was er sagt, auch in die Tat umsetzt." Rastatts OB Hans Jürgen Pütsch (CDU) sieht das Ergebnis als Beleg dafür, dass Huber "kein Parteisoldat" sei. SPD-Fraktionschef Jonas Weber wünscht dem neuen Landrat ein "glückliches Händchen", macht aber auch keinen Hehl aus seiner Verwunderung, dass Huber im Gegensatz zu seinen Mitbewerbern die Wohnraumversorgung ausgespart habe.

Die Amtseinführung des Landrats ist am 7. Mai geplant.

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