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"Man muss suchen, bis der Passende gefunden ist"
'Man muss suchen, bis der Passende gefunden ist'
14.03.2019 - 00:00 Uhr
Rastatt - Handwerk hat immer noch goldenen Boden, wie das alte Sprichwort besagt, betont Andrea Winkler von der Handwerkskammer Karlsruhe im Interview mit BT-Redakteurin Anja Groß. Allerdings gibt es auch in Mittelbaden immer weniger Betriebe, in denen ein Nachfolger aus der Familie die Firma übernehmen kann und will - und zunehmend Firmeninhaber, die aus Altersgründen ans Aufhören denken. Diese mit Existenzgründern, Nachfolgeinteressenten und jungen Betrieben zusammenzubringen, die erweitern möchten, ist das Ziel des ersten Forums Unternehmensnachfolge, das die Handwerkskammer Karlsruhe am Montag, 18. März, ab 15.30 Uhr in der Reithalle Rastatt veranstaltet.

BT: Frau Winkler, immer häufiger hört man, dass Handwerksbetriebe keinen Nachfolger finden. Was ist das Problem?



Andrea Winkler: Demografisch gesehen folgt auf den "Geburtenberg", zu dem viele aktuelle Betriebsinhaber gehören, der Geburtenknick. Es gibt also weniger Jugendliche, und auch gehen weniger in Handwerksberufe. Zudem wird das Thema Nachfolge häufig zu spät angegangen. Die externe Betriebsnachfolge ist ein Stück weit mit der Personalsuche zu vergleichen: Man muss suchen, bis der Passende für das Team gefunden ist. Und das kostet Zeit.

BT: Heißt das, in zehn Jahren gibt es in Mittelbaden nur noch die Hälfte aller Handwerksbetriebe?



Winkler: Keinesfalls, denn wir haben immer wieder engagierte Existenzgründer und -gründerinnen. Zudem herrscht derzeit eine gute konjunkturelle Lage, es lohnt sich also, sich im Handwerk selbstständig zu machen. Die Zahl unserer Mitgliedsbetriebe steigt nach wie vor jedes Jahr kontinuierlich. Viele junge Meisterinnen und Meister nutzen die Chance, jetzt den nächsten Schritt in ihrem beruflichen Lebensweg zu gehen. Dazu gehört die Betriebsnachfolge als eine Möglichkeit.

Interview

BT: In welchen Branchen ist das Interesse an einer Betriebsübernahme besonders groß?

Winkler: Für eine Betriebsnachfolge eignen sich besonders Betriebe, die kapitalintensiv sind, wie zum Beispiel Metallbau-, Installations- oder Elektrobetriebe - oder die sehr ausbildungsintensiv sind und in der Ausbildung viele zusätzliche Fertigkeiten benötigen, beispielsweise Bäcker, Friseure, Zahntechniker.

BT: Wenn sich abzeichnet, dass es keinen Nachfolgeinteressenten in der Familie oder im Betrieb gibt, was raten Sie dann Firmeninhabern?

Winkler: Sich rechtzeitig mit dem Thema auseinanderzusetzen, also circa fünf Jahre vorher zu beginnen, nach einem Nachfolger zu suchen. Neben dem Weg, extern einen Nachfolger zu finden, gibt es die Chance, dass sich ein Mitarbeiter qualifiziert und übernehmen kann. Auch die Ansprache von jüngeren Berufskollegen lohnt sich.

BT: Das heißt, Sie beraten Firmeninhaber, die keine Idee haben, wie sie das angehen könnten?

Winkler: Ja, im Rahmen einer Orientierungsberatung bespreche ich in der Regel zuerst mit dem Betriebsinhaber, wie eine Übergabe aussehen könnte - und zeige hierbei mehrere alternative Wege auf. Anschließend formulieren wir ein Inserat für die Betriebsbörse. Wird ein Interessent gefunden, so bieten wir eine weitere Fachberatung bis zur endgültigen Übergabe des Betriebs an. Unser Team unterstützt bei betriebswirtschaftlichen, technischen und rechtlichen Fragen und hilft, bei Konflikten eine Lösung zu finden.

BT: Was ist bei einer Betriebsnachfolge grundsätzlich zu bedenken?

Winkler: Jede Nachfolge hat eine starke emotionale Seite, denn es gibt jemand sein Lebenswerk ab. Für den Inhaber muss die Entscheidung klar sein, dass er abgeben will und der Übernahmeinteressent muss persönlich passen. Es sind Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten betroffen, mit denen man jahrelang gut zusammengearbeitet hat. Wenn jetzt eine völlig andere Persönlichkeit kommt, kann es eine große Herausforderung werden. Hinzu kommt: Mit einem Menschen, mit dem ich gut kann, kann ich Vieles besprechen und finde auch in schwierigen Phasen einen Konsens.

BT: Was passiert bei der Nachfolgebörse in Rastatt?

Winkler: Wir haben abgebende Betriebsinhaber, Existenzgründer, Nachfolgeinteressenten und junge Betriebe eingeladen, die sich erweitern wollen und rechnen mit rund 120 Teilnehmern. In einem Nachfolge-Pitch werden sich Interessenten für eine Betriebsnachfolge vorstellen. So wollen wir das Bilden von Tandems für die Nachfolge unterstützen.

Anmeldungen für Restplätze sind noch möglich bis Montagmorgen per Mail an:

winkler@hwk-karlsruhe.de

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