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"Absurde Situation"
14.03.2019 - 00:00 Uhr
Bietigheim (as) - Glücklich war am Dienstag niemand im Bietigheimer Gemeinderat über die Mehrheitsentscheidung, die Gemeinschaftsschule (GMS) nach nur drei Jahren aufzugeben. Doch sie war "alternativlos", wie es mehrere Gemeinderäte und Bürgermeister Constantin Braun formulierten.

Denn auch seit der Vertagung des Themas vor zwei Wochen hat sich an den Fakten nichts geändert: Einen Grundschul-Neubau als Ersatz für das marode Gebäude in der Wilhelmstraße, das laut Experten maximal noch zwei bis vier Jahre genutzt werden kann, und zudem zu klein ist, um die steigende Schülerzahl aufzunehmen, kann die Gemeinde sich ohne Fördermittel nicht leisten. Die am Dienstagabend vorgelegte Kostenschätzung von Architekt Andreas Fritz geht von etwa 15 Millionen Euro für eine dreizügige Schule mit Ganztagsbetrieb und Mittagsverpflegung aus. Würde man die Gemeinschaftsschule weiterführen und dort anbauen, käme das auf geschätzte 19,5 Millionen Euro.

Da das Kultusministerium in Stuttgart freie Räume im Gemeinschaftsschulgebäude in der Schulstraße als vorhandenen Raumbestand wertet, gäbe es für beide Varianten aber keine Fördermittel vom Land. Das hat Ministerin Susanne Eisenmann der Gemeinde mitgeteilt. Auch die mittelbadischen Landtagsabgeordneten, die man nach der Vertagung am 26. Februar erneut kontaktierte, hätten berichtet, dass dieses Vorgehen unumstößlich sei, hieß es. Somit kam es zu der "absurden Situation", dass man eine Grundschule bauen wollte und infolgedessen nun die Gemeinschaftsschule schließen muss, wie SPD-Fraktionschef Samuel Engelhard kritisierte.

Denn sinkende Schülerzahlen in der erst 2016 errichteten GMS deuten nicht auf einen dauerhaften Erfolg der Schulart in Bietigheim hin. Dafür wäre laut Schulamt nämlich eine Zweizügigkeit mit 26 bis 28 Schülern pro Klasse erforderlich - in Bietigheim haben sich vergangenes Jahr gerade mal 17 Schüler für die fünfte Klasse angemeldet. Dabei hätten Schulleitung und Lehrerkollegium mit großem Engagement die neue Schulart aufgebaut, die einen hervorragenden Ruf genieße, wie es hieß - auch für ihre Inklusionsarbeit. Die Gründe für sinkende Anmeldungen sind wohl vor allem den veränderten Rahmenbedingungen geschuldet: Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung, Aufhebung von Schulbezirken und die Möglichkeit, auch auf der Realschule den Hauptschulabschluss zu machen.

Als "Todesstoß für die Gemeinschaftsschule durch die grün-schwarze Landesregierung" geißelte der SPD-Sprecher diese Schulpolitik. Man könne es nicht unterstützen, dass der Bietigheimer Gemeinderat "als Henker fungieren soll", begründete er die Ablehnung seiner Fraktion und forderte, nichts unversucht zu lassen, um die GMS in Bietigheim weiter zu etablieren.

Freie Wähler und CDU allerdings betonten, man müsse auch an die Situation der Grundschule denken. Die Entscheidung falle niemandem leicht, aber es sei die "einzige sinnvolle Lösung", so FW-Fraktionsvorsitzender Dr. Wolfgang Bernart. Es wäre "der blanke Wahnsinn", einen Neubau ohne Fördermittel anzugehen. "Wir können nicht zuwarten mit der Entscheidung", unterstrich CDU-Fraktionschef Dr. Jürgen Rastätter. Denn eine Containerlösung für die Grundschule wurde auf rund 4,8 Millionen Euro für zwei Jahre geschätzt, die man besser in Sanierung und Anbau in der Schulstraße investieren wolle. Auch die erforderliche Instandsetzung der dortigen Schule inklusive Anbau für den Ganztagesbetrieb samt Mensa wird kein Pappenstiel für die Gemeinde: Elf Millionen Euro beträgt die Kostenschätzung.

Die Gemeinde wird nun formell die Auflösung der GMS beantragen. Garantiert wird auf Wunsch von Eltern, Schülern und Lehrern, dass alle Kinder dort ihren Abschluss machen können - vorausgesetzt, die Klassenstärke sinkt nicht unter 16 Schüler. Spätestens in fünf Jahren ist dann Schluss und Bietigheim ohne weiterführende Schule am Ort.

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