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Impulsgeber und Netzwerker aus Leidenschaft
Impulsgeber und Netzwerker aus Leidenschaft
16.03.2019 - 00:00 Uhr
Von Daniel Melcher

Rastatt - So ganz im Reinen ist Claus Haberecht noch nicht damit, dass er am 29. März seinen Schreibtisch als Dezernent im Landratsamt Rastatt räumt und im Alter von 66 Jahren und vier Monaten tatsächlich in Ruhestand geht. 43 Jahre war er im öffentlichen Dienst erst für die Stadt und dann den Landkreis Rastatt tätig und hat dabei zahlreiche Entwicklungen angestoßen und geprägt.



Und wenn er von sich sagt, dass er jede Straße, jede Busverbindung und jede Sehenswürdigkeit in Mittelbaden kennt, dann ist das wahrscheinlich nicht einmal übertrieben. In seinem Bereich, der sich von Infrastruktur und Mobilität über Wirtschaft bis hin zu Tourismus erstreckte, liefen entsprechende Fäden zusammen und galt es, Rädchen ineinandergreifen zu lassen. Auf diesen Gebieten könne man reagieren oder aber selbst Impulse setzen, sagt er. Haberecht hat lieber selbst Impulse gesetzt. "Für viele war ich auch bestimmt sehr fordernd."

Dankbar sei er, dass er solch einen Job machen durfte. Dieser führte den Ortenauer nach Städtebau- und Geodäsie-Studium 1976 zur Stadt Rastatt, wo er, mit Unterbrechung für ein Nachdiplomstudium Raum- und Regionalgestaltung in der Schweiz, bis zu seinem Wechsel im Oktober 1999 ins Landratsamt blieb. Einige seiner "Highlights" in der Barockstadt: Dass er die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Ansiedlung des Benzwerks schaffen durfte, wie er sagt. Dass er dann auch noch Stadtmarketing machen durfte, in dessen Sinne er etwa den Impuls für die Errichtung der Badner Halle gegeben habe. Dass er den Stadtverkehr entwickeln durfte, was schließlich zur Gründung der Vera (Verkehrsgesellschaft Rastatt) führte - allerdings nicht, wie er heute noch bedauert, zu einer Stadtbahn durch die Rastatter Innenstadt.

Zum Jahrtausendwechsel im Landratsamt angekommen, fand er sich in einem Amt wieder, wie es im ganzen Land noch keines gegeben habe und in dem Wirtschaft, Tourismus, Planungsamt, ÖPNV zusammengefasst wurden - das Amt für Strukturförderung. Der damalige Landrat Werner Hudelmaier habe ihm diese Perspektive gegeben - bereut habe er den Wechsel nie, so Haberecht. 2005 kam dann auch noch das Straßenbau- und -verkehrsamt zu ihm. Damit war das Thema Mobilität komplett.

Als eine der größten Herausforderung und Erfolge sieht er in diesem Zusammenhang, den ÖPNV samt Finanzierung und Stadtbahn auf feste Füße gestellt zu haben. Das vernetzte Denken - Landrat Jürgen Bäuerle, der vier Wochen nach ihm aus dem Amt ausscheidet, habe ihm immer die entsprechenden Möglichkeiten gegeben, sich mit den Themen auseinander zu setzen - hat ihn auch zum Geburtshelfer der Wirtschaftsregion Mittelbaden werden lassen. In Sachen Tourismus zählt Haberecht etwa die Murgleiter-Wanderstrecke, die Tour-de-Murg-Radroute und den Pamina-Rheinpark, dessen Geschäftsführer er bleibt, zu seinen "Babys".

Wenn aus einem lockeren Gespräch heraus etwas Bleibendes entstand, das hat er geliebt, wie Haberecht sagt, der "immer Papier dabei hat, falls es gilt, etwas zu entwerfen". Mit steigender Bürokratisierung tat und tut er sich hingegen schwer, statt Wasserkopf-Verwaltungsapparate sieht er lieber schlanke Strukturen "wie hier im Landratsamt" - darin kann man sich schneller bewegen. Sein Netzwerk hat Haberecht auch in Ministerien und beim Regierungspräsidium gespannt. Trotz aller technischen Möglichkeiten: Hinfahren, persönliche Gespräche führen, das sei wichtig, wenn man etwas erreichen will. Und Leidenschaft brauche man. "Ohne die wird es schwierig in dem Job", sagt Haberecht. Man könnte es als Empfehlung an seinen Nachfolger verstehen: Dieser heißt Mario Mohr, ist 54 Jahre alt, Diplom-Geograph und Referent im Verkehrsministerium Baden-Württemberg. Er tritt am 1. April als Dezernatsleiter an. Das Amt für Strukturförderung, das Haberecht lange in Personalunion auch als Dezernent weiter innehatte, ging bereits vergangenen Juli an Thorsten Hauck.

Die Aufgaben werden künftig auch nicht einfacher: Vor allem der Ausbau der Mobilitätsinfrastruktur, und damit meint Haberecht Straße wie Schiene, bei der er ohnehin ein erhebliches Defizit im Oberrheingraben sieht, "wird uns in den nächsten Jahrzehnten viel Geld und Zeit kosten" - und entsprechend für Staus sorgen.

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