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Theater ist für Schüler "superwichtig"
Theater ist für Schüler 'superwichtig'
27.03.2019 - 00:00 Uhr
Rastatt - Schulklassen will das Phoenixtheater Rastatt gezielt ansprechen und hat deshalb für sein neues Stück "Der Schuss" nach dem Roman von Christian Linker ein umfangreiches Rahmenangebot für Schulen entwickelt. Theaterpädagogin Jacqueline Frittel, die das junge Ensemble anleitet und den bisher eher dürftigen Zuspruch von Schulklassen schade findet, hat BT-Redakteur Sebastian Linkenheil einige Fragen beantwortet.



BT: Frau Frittel, im Vorfeld des ersten Rastatter Jugendtheaterfestivals 2018 hatten Sie bedauert, dass Theaterbesuche von Schulklassen zurückgehen. Ist das inzwischen besser geworden?

Jacqueline Frittel: Seither hatten wir nur eine neue Produktion, "Tartuffe" von Molière. Da kamen immerhin zwei Schulkassen. Bei unserem neuen Stück "Der Schuss" gehen wir nun aber erstmals mit einer Vielzahl von neuen Angeboten in die Offensive, die gezielt Schulklassen ansprechen und die es den Lehrkräften erleichtern, den Theaterbesuch mit der Schulklasse vor- und nachzubereiten. Das Besondere sind dabei interaktive Angebote, die die Schüler aktiv einbeziehen.

Interview

BT: Was genau ist darunter zu verstehen?

Frittel: Das sind zum Beispiel Nachgespräche, die wir hier in der Reithalle direkt anbieten. Aber auch Vor- und Nachbereitung in der Schule durch mich als Theaterpädagogin. Das heißt, wir arbeiten dann auch wirklich mit Theatermethoden in der Schulklasse, um die Lust aufs Stück zu wecken und um im Nachhinein selbst nachvollziehen zu können, um was es geht, sowohl auf einer reflexiven Ebene als auch auf einer Ebene des Erlebens.

BT: Sie kommen also selbst an die Schule?

Frittel: Genau. Das ist unser Angebot. Darüber hinaus wollen wir natürlich auch Jugendliche für die Arbeit hier im Phoenixtheater gewinnen. Deshalb bieten wir Impro-Abende direkt nach der Aufführung an, sodass Jugendliche einmal ganz ohne Druck und Zwang auf die Bühne gehen und sich ausprobieren können. Es ist wichtig, bei Jugendlichen den ersten Schritt ins Theater anzuleiten und den Weg zu ebnen, dann entdeckt der Jugendliche selbst einen Abenteuerspielplatz und wird das nächste Mal vielleicht alleine ins Theater kommen. Das Angebot, das wir hier machen, ist für Jugendliche thematisch und auf ihr Leben bezogen so naheliegend, dass es mit Sicherheit genauso gerne konsumiert werden kann wie eine Fernsehserie.

BT: Warum sind denn Theaterbesuche für Schulklassen so wichtig?

Frittel: Theaterbesuche sind superwichtig, weil Theater Menschen auf verschiedenen Ebenen erreichen kann. Wer ins Theater geht, wird sich sowohl geistig als euch emotional angesprochen fühlen. Und wer ins Theater geht, wird sich folglich auch mit den durch das Stück nahegebrachten Inhalten argumentativ und emotional auseinandersetzen. Das ist ein Zugang, der gerade jungen Menschen die Auseinandersetzung auf einer geistig-reflexiven Ebene erleichtern kann. Darüber hinaus sehen junge und alte Zuschauer, was man als Ensemble gemeinsam schaffen kann - und bekommen vielleicht selbst Lust, ihr Leben kreativ in die Hand zu nehmen, statt möglicherweise einfach nur "rumzugammeln".

BT: Können Sie das noch etwas konkretisieren?

Frittel: Wir beschäftigen uns hier im Theater mit Themen, die auch unsere Zeit betreffen. Diese Themen werden auf der Bühne diskutiert und können auch im Publikum nach der Aufführung diskutiert werden. Wir bilden eigentlich den Röntgenstrahl unserer Zeit ab. Zum anderen machen wir ja aber keinen Dokumentarfilm, sondern wir spielen Theater. Das Ganze ist ein Kunstprojekt, das konstruktiv provozieren darf. Was dann hoffentlich dazu führt, dass konstruktiv diskutiert wird. In den Schulen, unter Freunden...

BT: Woran könnte denn der bisherige Mangel an Interesse bei den Schulen liegen?

Frittel: Wir haben inzwischen eine Lehrerin um ihre Sicht, um Ideen und Anregungen gebeten, wie man das Angebot für Schulen attraktiver gestalten kann. Einer ihrer Vorschläge waren Vorstellungen am Vormittag, also während der Unterrichtszeit. Das machen wir jetzt auch zum ersten Mal mit zwei Aufführungen. Das ist ein Versuch. Auf das Ergebnis sind wir gespannt.

BT: Sind denn die Darsteller auch Schüler? Die müssten ja dann auch freibekommen?

Frittel: Es gibt einige Schüler im Ensemble. Sie haben für die Aufführengen am Vormittag Freistellungen bei ihren Schulen beantragt. Bisher wollten wir das eigentlich vermeiden. Aber jetzt probieren wir es eben mal so.

BT: Das Phoenixtheater wird von der Stadt finanziell gefördert. Gibt es noch eine andere Form der Unterstützung aus dem R athaus, besonders im Kontakt mit den Schulen?

Frittel: Es hat uns besonders gefreut, dass Bürgermeister Pfirrmann in Eigeninitiative einen Brief an die Schulen geschrieben hat, um auf unser Projekt aufmerksam zu machen. Das ist eigentlich die bestmögliche Unterstützung für uns.

BT: Worum geht es denn in "Der Schuss"?

Frittel: Der Jugendliche Robin ist sozusagen Berufskiffer. Er hat sich aber entschieden, damit ganz aufzuhören, nachdem er Stress mit der Polizei hatte. Künftig will er sich einfach aus allem raushalten und keinen Stress mehr haben. Zufällig wird er Zeuge eines Mordes und ist plötzlich vor die Frage gestellt, wie er sich dazu verhält. Er muss eingreifen, um dadurch auch sich selbst zu finden.

BT: Warum haben Sie dieses Stück ausgewählt?

Frittel: Weil es Themen wie Rechtsradikalismus, Fremdenhass und auch Angst aus einer ganz jugendlichen Perspektive und ohne erhobenen Zeigefinger behandelt. So wie Robin wollen sich heute viele Menschen am liebsten aus allem raushalten, wenngleich diese einfache Lösung nicht immer die beste ist. Aber das Stück will nicht aufzeigen, was in dieser Situation richtig oder falsch wäre, sondern es liefert Diskussionsmaterial.

BT: Die Deutsche Alternative Partei, die in dem Stück erwähnt wird, ist zumindest dem Namen nach, an die AfD angelehnt. Das soll wohl so sein?

Frittel: Der Autor Christian Linker hat bei der Namensgebung vielleicht gewisse Parallelen gezogen. Für mich ist es aber nicht die AfD, die wir zeigen. Mich reizt auf der Bühne nicht ein Vergleich, der abstrus wäre, mich reizen die Themen, die ich diskutiert haben möchte.

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