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Traurig ist lustiger
Traurig ist lustiger
04.04.2019 - 00:00 Uhr
Von Sebastian Linkenheil

Rastatt - So leer sah es noch selten aus im Erdgeschoss der Rastatter Pagodenburg. Der Blick des Besuchers fällt zunächst nur auf ein einziges kleines Gemälde mit dem Titel "ruhig". Zwei weitere verstecken sich an den Seitenwänden der Fensternische. Ansonsten sieht man viel weiße Wand. Aber keine Sorge, im Obergeschoss wird es dann bunter.



Tenki Hiramatsu möchte mit dieser fast kontemplativen Übersichtlichkeit einen Kontrapunkt setzten gegen das Chaos, das ihm vor einem Jahr in der Pagodenburg begegnete. Seine eigentlich für April 2018 geplante Ausstellung gehörte zu jenen, die der Kunstverein aus Sicherheitsgründen abgesagt hatte. Jetzt sind die Fenster der Pagodenburg mit Sicherheitsglas versehen, und die neue Alarmanlage hat ihre Funktionstüchtigkeit schon unter Beweis gestellt. Man kann es also wieder wagen mit Kunstausstellungen im barocken Gartenschlösschen.

"Never again" von Tenki Hiramatsu macht den Anfang im neuen Jahresprogramm des Rastatter Kunstvereins. Schon 2017 wählte ihn eine Professorenjury der Kunsthochschule Karlsruhe für den Preis des Kunstvereins aus. "Wir selbst haben da keinen Einfluss", betont Vereinsvorsitzender Jörn Kausch. Bedingung sei allerdings, dass der Kunststudent in der Lage ist, eine Einzelausstellung in der Pagodenburg zu bestreiten. Manchmal seien diese Ausstellungen dann etwas schwerer verdaulich und auch provokanter als das, was sonst in der Pagodenburg gezeigt wird, gibt Jörn Kausch zu. Doch sehe es der Kunstverein als seine Aufgabe an, auch neue Positionen zeitgenössischer Kunst nach Rastatt zu bringen.

Auf Tenki Hiramatsus Ausstellung trifft das alles zu. Der Besucher sollte etwas Zeit mitbringen und die Arbeiten in Ruhe auf sich wirken lassen. Im Obergeschoss wird er vielen Gesichtern begegnen, sich eindringlichen Blicken ausgesetzt sehen, sich vielleicht sogar etwas unbehaglich fühlen. Manche der Köpfe haben etwas Unheimliches, Verstörendes, Düsteres an sich. Glücklich jedenfalls wirkt keiner, obwohl der Japaner auf eine vielfarbige Palette zurückgreift. Mitunter vermischen sich die Gesichter mit Landschaften. Es kommt zu surrealen Szenen, zum Beispiel, wenn eine Wolke die Zähne fletscht. Dennoch vermitteln die meisten Arbeiten eine zarte Zerbrechlichkeit, die noch dadurch verstärkt wird, dass die Blätter nur mit Stecknadeln an die Wand geheftet sind. Überhaupt ist in dieser Ausstellung die Hängung Teil des Kunstwerks. Das trifft besonders auf ein Kabinettstückchen zu: Eine ebenfalls leicht schauerliche Gottesanbeterin, die durch eines der Fenster in die blühende Frühlingslandschaft rund um die Pagodenburg blickt. Auch der Betrachter soll sein Auge nach draußen schweifen lassen, findet Hiramatsu.

Zurück ins Erdgeschoss: Das kleine Bild "ruhig" dort wirkt wie eben mal so hingepinselt. Dee flüchtig-naive Duktus ist so etwas wie die Handschrift des 1986 im japanischen Wakayama geborenen Künstlers, der an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe studiert. Zuvor hatte er in Tokyo ein Studium im Kommunikationsdesign absolviert. Seine Arbeiten waren zum Beispiel schon in der Kunsthalle Basel oder in der Orgelfabrik in Durlach ausgestellt. Zeitgleich mit der Rastatter Schau läuft eine Ausstellung in Zürich..

Warum vielen seiner Arbeiten etwas Trauriges anhaftet, kann er nicht so recht begründen. Auf die Frage, ob er auch glückliche Gesichter malen würde, antwortet er nach langem Überlegen: "Eher nicht." Warum? "Traurig ist lustiger." Ein derart gebrochener Humor zieht sich durch die Schau, zum Beispiel wenn Tenki Hiramatsu seinen Ärger über gestohlenes Trinkgeld in einem Bild verarbeitet.

Zur Vernissage am Samstag, 6. April, 17 Uhr, will der Japaner einige einführende Worte sprechen. Die Ausstellung ist bis 28. April freitags von 15 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr zu sehen.

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