https://www.top-zusteller.de/
https://www.top-zusteller.de/
Zeugen schildern dramatische Szenen
Zeugen schildern dramatische Szenen
10.04.2019 - 00:00 Uhr
Rastatt/Baden-Baden (yd) - Es waren dramatische Szenen, die sich in den frühen Morgenstunden des 18. September 2018 in der Rastatter Rappenstraße abgespielt haben: Das Gebäude, das der Straße den Namen gibt und den Gasthof "Zum Rappen" beherbergte, stand bereits kurz nach dem Eintreffen der Feuerwehr, die um 4.37 Uhr alarmiert worden war, komplett in Flammen. Nur einem Bewohner und dem schnellen Eingreifen der Polizisten, die als Erste vor Ort waren, ist es zu verdanken, dass es keine Toten zu beklagen gab. Vor dem Landgericht Baden-Baden muss sich seit gestern ein weiterer ehemaliger Bewohner der Rappenstraße 6 wegen besonders schwerer Brandstiftung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Tagelang hatten Freunde des Angeklagten nach dem Brand nach ihm gesucht - am Morgen des 18. September wurde gar noch das Schlimmste befürchtet, da er der einzige Hausbewohner war, der bei der Evakuierungsaktion durch die Rettungskräfte nicht erreicht werden konnte. Flammende Appelle, sich zu melden, wurden auf Facebook geteilt, Suchaktionen gestartet: Mittels einer Handyortung machte man den Gesuchten schließlich in Karlsruhe ausfindig, wo der 26-jährige Deutsche am 24. September am Hauptbahnhof festgenommen wurde.

Inzwischen war festgestellt worden, dass das Feuer, das nicht nur den ehemaligen "Rappen" komplett ausbrennen ließ, sondern auch an einem Nachbarhaus erheblichen Schaden verursachte, in seinem Zimmer ausgebrochen war. Ein Brandsachverständiger, der in dem Gebäude unmittelbar nach dem Löschen des Brands zusammen mit der Polizei Untersuchungen angestellt hatte, erläuterte im Rahmen des ersten Verhandlungstags gestern, wie man zu dieser Auffassung kam. Demnach sei an nur einer Stelle im Gebäude die komplette Decke durchgebrannt gewesen: Unter einem Wäscheständer, der im Zimmer des 26-Jährigen stand. Auch sei deutlich gewesen, dass es in dem Zimmer im Vergleich zu den anderen Räumen mit Abstand am längsten gebrannt haben musste. Ein technischer Defekt könne zwar nie hundertprozentig ausgeschlossen werden, allerdings waren die Hausinstallationen und Steckdosen alle intakt und dort, wo der Ausbruch des Feuers vermutet wurde, fanden sich zudem keine technischen Geräte.

Ein polnischer Bewohner des Hauses hatte nach dem Toilettengang auf dem Flur (dort befanden sich die sanitären Anlagen) den Rauch bemerkt und an die Türen der Bewohner gehämmert sowie die Rettungskräfte alarmiert. Die Bewohner, die als Zeugen geladen waren, berichten von dramatischen Szenen. Fast alle von ihnen haben ihr gesamtes Hab und Gut bei dem Brand verloren, einige leben noch jetzt in Behelfsunterkünften, sind traumatisiert. Andere mussten wegen Rauchgasvergiftungen behandelt werden.

Gegen 4.34 Uhr ging zudem ein anonymer Notruf ein, der wohl vom Angeklagten selbst kam. Vor Gericht machte dieser gestern zwar Angaben zu seiner Person: Er sei in Oberkirch geboren und in Rastatt beim Vater aufgewachsen, nach dem Werkrealabschluss an der Karlschule hielt er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, eine Ausbildung habe er nie absolviert. Zum Tathergang hingegen wollte sich der Angeklagte, der sich in Untersuchungshaft befindet, nicht äußern: Zu unruhig sei die Nacht vor der Verhandlung gewesen, er habe einen Blackout. Sein Verteidiger Joachim Lederle wirkte überrascht, hatte der Rastatter doch noch tags zuvor mit ihm besprochen, was er vor Gericht sagen wolle. Mit dem Einverständnis seines Mandaten gab Lederle zu Protokoll, dass dieser nicht bestreite, dass der Brand in seinem Zimmer ausgebrochen sei, allerdings sei dies "unbewusst geschehen". Er habe noch versucht, das Feuer zu löschen, der Rest entziehe sich seiner Erinnerung. Möglich sei, dass er damals ebenfalls ein "Blackout" hatte.

Dem widersprechen allerdings die (etwas mysteriösen) Whatsapp-Nachrichten, die der junge Mann seiner Tante in jener Nacht gegen 0.30 Uhr, also vor dem Ausbruch des Feuers, geschickt hatte. "Ich gehe auf volles Risiko", hieß es da. In einer anderen stand: "Es ist alles schon am Laufen, es gibt kein Zurück." Die 59-Jährige berichtete auch von der schweren Kindheit des jungen Mannes, der vom Vater immer schlecht behandelt worden sei und nie Hilfe erfahren habe.

Die Verhandlung wird heute um 9.30 Uhr im Saal 118 des Landgerichts fortgesetzt.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Rastatt / Baden-Baden
Staatsanwaltschaft fordert acht Jahre Haft

11.04.2019
Staatsanwalt fordert acht Jahre
Rastatt/Baden-Baden (yd) - Am zweiten Verhandlungstag um den Brand des ehemaligen "Rappen" hat der Angeklagte vor dem Landgericht Baden-Baden gestern sein Schweigen kurz gebrochen. Er wisse nicht, wie das Feuer entstanden sei. Die Staatsanwaltschaft fordert acht Jahre Haft (Foto: pr). »-Mehr
Rastatt
Prozess zum ´Rappen´-Großbrand

04.04.2019
Prozess zum "Rappen"-Brand
Rastatt (red) - Der Großbrand im "Rappen"-Gebäude im Herzen Rastatts im vergangenen Jahr hat jetzt ein juristisches Nachspiel. Ab nächster Woche wird gegen einen 26-jährigen einstigen Bewohner des Gebäudes verhandelt. Er soll das Feuer vorsätzlich gelegt haben (Archivfoto: ema). »-Mehr
Rastatt
Turbulente Gründungsjahre bei den Naturfreunden

05.03.2019
Turbulente Gründungsjahre
Rastatt (red) - Vor 100 Jahren wurden die Naturfreunde Rastatt aus der Taufe gehoben, Alte Protokolle geben Aufschluss über den schwierigen Start in der Weimarer Republik, ein bewegtes Vereinsleben in den Gründungsjahren und über Vereinsaktivitäten Anfang der 30er-Jahre (Foto: pr ). »-Mehr
Rastatt
Ehrgeizige Ziele, vielfältiges Angebot

19.01.2019
Naturfreunde feiern Jubiläum
Rastatt (sawe) - Die Rastatter Naturfreunde wurden vor 100 Jahren als Touristenverein aus der Taufe gehoben. Heute sind sie eine moderne Organisation, die ein vielfältiges Freizeitangebot für alle Altersklassen und ein interessantes Bildungsangebot mit der Umweltschule bietet (Foto: pr). »-Mehr
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
Umfrage

Die Zahl der Metzgerei- und Bäckereibetriebe geht im Südwesten weiter zurück. Kaufen Sie Fleisch oder Backwaren bewusst in Fachgeschäften?

Ja, immer.
Ja, meistens.
Eher nicht.
Nein.


Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1