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"Ein Ritt auf der Rasierklinge"
'Ein Ritt auf der Rasierklinge'
11.04.2019 - 00:00 Uhr
Von Daniel Melcher

Rastatt - Die Umsetzung der Reform, die ab kommendem Jahr die Pflege-Ausbildung auf neue Beine stellt, verursacht auf der kommunalen Ebene noch einige Bauchschmerzen. Nach wie vor werden beträchtliche Unwägbarkeiten gesehen, wie im Landkreis-Ausschuss für Schulen und Kultur am Dienstag deutlich wurde.



Wie berichtet, wird dann nicht mehr wie bisher in die Sektoren Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege unterteilt, sondern "generalistisch", also übergreifend, zur Pflegefachfrau/zum Pflegefachmann ausgebildet. Das bedeutet erhöhten Abstimmungs- und Koordinationsbedarf unter den Ausbildungsbetrieben und Pflegeschulträgern sowie Mehraufwand. Denn: Künftig sind für Azubis fünf Pflichteinsätze in fünf verschiedenen Versorgungsbereichen gesetzlich vorgeschrieben - doch die Ausbildungszahlen sind nicht gleichmäßig über die Bereiche verteilt. Das heißt zum Beispiel, dass Krankenhäuser und ambulante Dienste mehr "fremde" Azubis für diese Einsätze aufnehmen müssen als sie selbst in andere Bereiche entsenden; zum Teil übersteigen diese Anforderungen auch die aktuell verfügbaren Praxisstellen.

Dabei steht viel auf dem Spiel. Der Gesetzgeber will mit der Reform den Pflegeberuf attraktiver machen und dadurch mehr Interessenten dafür gewinnen. Doch: "Wenn das zum Start nicht schon gut gemacht wird, haben wir am Ende weniger Auszubildende und weniger Ausbildungsbetriebe", mahnte Landrat Jürgen Bäuerle und brachte damit die Stimmung auf den Punkt. Um ein "Durcheinander" zu verhindern, soll eine regionale Koordinierungsvollzeitstelle für den Bereich des Landkreises Rastatt und der Stadt Baden-Baden eingerichtet werden. Und zwar schnell, die Zeit drängt. Bereits ab dem Sommer beginnen die Schüler, sich um Ausbildungsstellen für 2020 zu kümmern, bis dahin müsste der neue Ausbildungsgang festgezurrt und die Koordinierungsstelle einsetzbar sein.

Hintergrund

Landkreis, Kurstadt und das Pflegebündnis Mittelbaden arbeiteten in dieser Sache eng zusammen; auf Missfallen stößt indes, dass "mal wieder" eine Reform "vollmundig" angekündigt wird und die kommunale Ebene dann die Umsetzung zu bewältigen habe. Es geht konkret um eine Co-Finanzierung des Landes für die Koordinierungsstelle, die man dringend einfordert, doch die Gespräche laufen "zäh", wie Ingo Eble von der Schulverwaltung des Landkreises berichtet. Der Landrat und das Kreisgremium sehen den Ball in Stuttgart liegen. Bäuerle hat bereits entsprechende Schreiben an alle fünf mittelbadischen Landtagsabgeordneten verschickt. Er vertritt die Linie, nicht "in vorauseilendem Gehorsam" zu handeln. Das Land soll sich in dieser Sache nicht einfach zurückziehen können.

Parallel dazu müssen vor Ort die erforderlichen Kooperationen zwischen den Ausbildungsträgern vereinbart werden. Um gerade in der ambulanten Pflege die zusätzlich benötigten Ausbildungsplätze zu akquirieren, soll bei einem heute in Baden-Baden stattfindenden Fachtag "Übergang in die generalistische Pflegeausbildung in Mittelbaden" gezielt dafür geworben werden. Und die Koordinierungsstelle wiederum muss, sobald sie besetzt ist, gewährleisten, dass in dem Gefüge die Belange der rund 100 Träger der praktischen Ausbildung sowie der vier Pflegeschulen in Mittelbaden möglichst ausgeglichen berücksichtigt werden und es weder Gewinner noch Verlierer gibt.

Für Kreisrätin Dorothea Maisch (CDU) kommt diese neue "Schwerpunktaufgabe" einem "Ritt auf der Rasierklinge" gleich. "Wir können es uns nicht leisten, auch nur einen Platz zu verlieren." Im Gegenteil: Mittelfristig müsse die Zahl der Pflege-Azubis, die derzeit nicht gerade Schlange stehen, signifikant gesteigert werden, um angesichts der demografischen Entwicklung den künftigen Bedarf zu decken, wie Ingo Eble bereits vergangenen Herbst ausführte. Die Weisheit hinter der jetzigen Reform erschließe sich ihm in diesem Zuge nicht, formulierte der Rastatter Bürgermeister Arne Pfirrmann (FW): "Ich mache den Beruf nicht attraktiver, indem ich die Ausbildung komplizierter mache."

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