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Staatsanwaltschaft fordert acht Jahre Haft
Staatsanwaltschaft fordert acht Jahre Haft
11.04.2019 - 00:00 Uhr
Rastatt/Baden-Baden (yd) - Ganz zum Schluss des gestrigen Verhandlungstags hat der Angeklagte im Prozess um den Brand des ehemaligen Gasthauses "Zum Rappen" (Rappenstraße 6) sein Schweigen dann doch noch gebrochen - wenn auch nur kurz. Er wisse nicht, wie das Feuer in seinem Zimmer ausbrechen konnte. Ein Löschversuch sei gescheitert, er habe dann das Gebäude verlassen und versucht, die neun Bewohner, die fest schliefen, zu wecken. Allerdings sei er dabei nicht sehr beherzt vorgegangen, gab der junge Mann mit leiser Stimme zu.





Erst einige Zeit nach dem Ausbruch des Feuers, nämlich um 4.34 Uhr, er befand sich da wohl schon seit über 20 Minuten nicht mehr im Haus, alarmierte der 26-jährige Deutsche die Rettungskräfte. Im allerletzten Moment. Nur wenige Minuten, nachdem der Notruf eingegangen war, stand das Gebäude in Vollbrand. Den Polizeibeamten, die zuerst vor Ort waren, sowie einem polnischen Mitbewohner des Angeklagten, der die anderen weckte, war es vermutlich zu verdanken, dass es keine Toten zu beklagen gab. Während die Staatsanwaltschaft die späte Reaktion des Angeklagten damit begründete, dieser habe absichtlich gewartet, bis der Brand sich ausgebreitet habe, sah Verteidiger Joachim Lederle gestern in seinem Plädoyer den Anruf als lebensrettend an: "Er hat damit das Schlimmste verhindert."

Zuvor hatte Richter Wolfgang Fischer noch einen weiteren Polizeihauptkommissar vernommen, der unter anderem das Handy des 26-Jährigen ausgewertet hatte. Zur Sprache kam dabei auch ein über 60-seitiges Manuskript, handschriftlich verfasst, das sich (abfotografiert) auf dem Handy des jungen Mannes fand. Es sei eine Art Biografie, so der Kripo-Beamte. Der Angeklagte beteuert darin immer wieder, dass er nie von irgendeiner Seite Unterstützung erfahren habe. Die Schuld an seiner misslichen Lage sieht er bei anderen. Die schwere Kindheit werde nachgezeichnet, Gedanken, sich das Leben zu nehmen, kundgetan.

Dass der Angeklagte schon früh, nämlich mit 15 Jahren, mit dem Gesetz in Konflikt kam, belegt der Auszug aus dem Strafregister, der gestern verlesen wurde. Neben mehreren kleinen Vergehen wie Diebstahl, Straßenverkehrsgefährdung, Hehlerei oder Betäubungsmittelbesitz (die Verfahren wurden meist eingestellt) wurde auch bekannt, dass der Rastatter 2016 bereits schon einmal in Untersuchungshaft saß. Angeklagt wurde er damals wegen Beischlafs zwischen Verwandten. Offenbar war es zwischen ihm und seiner leiblichen Mutter, zu der er allerdings kaum Kontakt hatte, zu sexuellen Handlungen gekommen. Einschlägig vorbestraft ist er nicht.

Verteidiger Lederle und der Vertreter der Staatsanwaltschaft vertraten gestern unterschiedliche Auffassungen, was die Bewertung der Tat betrifft. Während der Staatsanwalt die besonders schwere (vorsätzliche) Brandstiftung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung als einwandfrei erwiesen ansah und deshalb eine Freiheitsstrafe von acht Jahren als angemessen erachtete, plädierte der Anwalt des 26-Jährigen auf fahrlässige Brandstiftung, für die ein geringeres Strafmaß anzusetzen sei. Aufgrund der späten Alarmierung der Rettungskräfte, der psychologischen Folgen für die Bewohner sowie des großen Schadens an den Gebäuden Rappenstraße 6 und 4 von über 700 000 Euro sei das Strafmaß sicher im "oberen Bereich" anzusetzen.

In seinen letzten Worten machte der Angeklagte, der am Dienstag geschwiegen hatte, gestern dann überraschenderweise doch noch kurz Angaben zum Tathergang - wenn diese auch recht wirr und ungeordnet erschienen. Dementsprechend chaotisch auch der Verlauf des gestrigen Verhandlungstags. Zwischendurch wurde wieder in die Beweisaufnahme eingetreten, nur, um sie danach gleich wieder zu schließen. Nach kurzer Rücksprache mit seinem Verteidiger beschloss der junge Mann, sichtlich mit sich ringend, dann nämlich doch wieder, keine weiteren Angaben machen zu wollen.

Das Urteil wird am Montag, 10.30 Uhr, im Saal 118 des Landgerichts verkündet.

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