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Sechs Jahre Haft für Brandstifter
Sechs Jahre Haft für Brandstifter
16.04.2019 - 00:00 Uhr
Rastatt/Baden-Baden (yd) - Sechs Jahre muss ein 26-Jähriger wegen schwerer Brandstiftung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung hinter Gittern. Richter Wolfgang Fleischer und die Schöffen am Landgericht Baden-Baden sahen es als erwiesen an, dass er am 18. September 2018 das Feuer im ehemaligen Gasthaus "Rappen" in Rastatt absichtlich gelegt und damit das Leben vielen Menschen bewusst gefährdet hat.

Das Strafmaß liegt demnach unter den von der Staatsanwaltschaft geforderten acht Jahren Haft, dürfte aber auch deutlich über dem liegen, was Verteidiger Joachim Lederle für seinen Mandaten als angemessen erachtet hatte. Der Anwalt hatte darauf plädiert, dass der Rastatter das Feuer nicht absichtlich gelegt habe, sah demnach eine fahrlässige Brandstiftung als gegeben an. Dem widersprach Richter Fischer gestern vehement. Man sei zu der Auffassung gelangt, dass der 26-jährige Arbeitslose, der ein Zimmer in der Rappenstraße 6 bewohnte, das Feuer wissentlich und willentlich in den frühen Morgenstunden des 18. September 2018 gelegt habe. Aufgrund der Beweisaufnahme sei davon auszugehen, dass der Beschluss, es zu legen, in der gleichen Nacht gefallen sein muss. Man sehe dies daran, dass die letzten Seiten einer schriftlichen, über 60-seitigen handschriftlichen Biografie, in der der Angeklagte mit seinem Leben abrechnet, in jener Nacht mit dem Handy abfotografiert wurden. Ein weiteres Indiz seien mehrere Whatsapp-Nachrichten, die er an seine Tante in der Tatnacht geschrieben hat. Er werde auf volles Risiko gehen, es sei alles bereits am Laufen, es gelte nun alles oder nichts, so der Inhalt. Desweiteren belegen Videoaufnahmen, wie der gestern Verurteilte das Gebäude um 3.26 Uhr mit einem Koffer verlässt, nur um dann zehn Minuten später ohne Koffer zurückzukehren. Um 4.11 Uhr ist er dann wieder beim Verlassen des Gebäudes auf Video zu sehen - "in dieser halben Stunde kam es zur Brandlegung", so der Richter. Der gepackte, draußen deponierte Koffer sei ebenfalls ein eindeutiger Hinweis darauf, dass die Tat nicht fahrlässig geschehen sei.

Auch das Argument Lederles, sein Mandant habe gar kein Motiv gehabt, ließen Richter und Schöffen nicht gelten. Aus den handschriftlichen Aufzeichnungen des 26-Jährigen sowie aus den Nachrichten an seine Tante gehe eindeutig hervor, dass er sich in innerem Aufruhr befand, wegen seiner desolaten Lebensumstände von großer Frustration geplagt war und Rastatt den Rücken kehren wollte. Wut und Ärger auf andere, die er für seine gescheiterten Lebensumstände verantwortlich machte, seien groß gewesen. "Es arbeitete in ihm", so Richter Fleischer zum Motiv des Angeklagten, dessen Äußerungen in der Hauptverhandlung nicht nur sehr spärlich, sondern auch widersprüchlich ausgefallen waren.

Man habe ihm zugutegehalten, dass er um 4.34 Uhr einen Notruf abgesetzt und die Rettungskräfte alarmiert habe - "allerdings deutlich zu spät." Dass der Angeklagte wie in der Vernehmung angegeben in Panik gehandelt habe und nicht Herr seiner Sinne gewesen sei, werde durch die Tatsache widerlegt, dass er seine Tür vor dem Verlassen des Hauses verriegelte. "Wenn man unabsichtlich, also fahrlässig einen Brand legt, warum schließt man dann die Tür ab und geht erst einmal weg?", fragte der Richter. Den hohen Sachschaden von über 600 000 Euro, die Tatsache, dass er bis Juni 2018 wegen eines anderen Vergehens unter Bewährung stand sowie die Tatsache, dass er keine Reue zeigte, wertete das Schöffengericht zulasten des 26-Jährigen, der die Urteilsverkündung regungslos zu Kenntnis nahm.

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