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Abschied vom "Landrat der Herzen"
29.04.2019 - 00:00 Uhr
Von Anja Groß

Rastatt - Bis zum Schluss hat der versierte Schlagzeuger wie immer Tempo und Takt vorgegeben, davon wussten alle Redner bei der offiziellen Abschiedsfeier für Landrat Jürgen Bäuerle ein Lied zu singen. Die Zeit für Reden und Programmpunkte war knapp bemessen, nicht länger als 90 Minuten sollte der offizielle Teil dauern - so hatte es der nach 14 Jahren auf eigenen Wunsch vorzeitig aus dem Amt scheidende Landkreischef sich gewünscht.

So ganz hat das Zeitfenster allerdings nicht gereicht, um alle Loblieder auf das "kommunalpolitische Urgestein" und den Menschen Jürgen Bäuerle zu singen - zumal es auch sein 65. Geburtstag war, und dazu gab es noch ein paar ungeplante Überraschungen.

Abschieds- und Geburtstagsfeier zusammenzulegen, hat sich als richtige Entscheidung erwiesen - nicht nur aus Gründen des von Bäuerle zitierten "ökonomischen Umgangs mit den zur Verfügung stehenden Mitteln" ("Wir legen das zusammen auf einen Samstag, dann raube ich niemandem Arbeitszeit und wir müssen das Landratsamt nicht schließen"). Denn ein fröhlicher Grundton sollte an diesem Tag im Vordergrund stehen. Wehmut und Bedauern klangen im voll besetzten Kreistagssaal zwar immer wieder an, dominierten aber nicht. Und so verabschiedete sich zum Schluss des offiziellen Teils ein bewegter, dankbarer, aber fröhlicher Jürgen Bäuerle: "Ich bin dann mal weg."

Viele Freunde und Weggefährten, die in 13 Jahren als Bühlertäler Bürgermeister und 14 Jahren als Rastatter Landrat teils zu Freunden geworden sind, aber auch seine Bandkollegen von den "Silver Boys" und ehemalige Kollegen der Gemeindeversicherungsanstalt, feierten mit dem Jubilar. Als Moderator bewies dabei Jürgen Jung, Geschäftsführer des Klinikums Mittelbaden, ganz neue Qualitäten.

"Es gibt eine Zeit nach der Politik", versicherte Julian Würtenberger, Staatssekretär im Stuttgarter Innenministerium, der dem "Landrat zum Vorzeigen" die offizielle Entlassungsurkunde überreichte. Dabei betonte er - wie viele Redner an diesem Vormittag - Respekt und Bedauern über dessen Entscheidung, mit 65 Jahren in den Ruhestand zu gehen - zwei Jahre vor Ende seiner offiziellen Amtszeit - und künftig mehr Zeit für Familie und Hobbys zu haben.

Dazu werde künftig der regelmäßigere Probenbesuch beim Bürgermeisterchor gehören, versprach der Jubilar den "starken Stimmen", die mit einem Geburtstagsständchen aufwarteten und ein Volkslieder-Medley zum Besten gaben. "Heimatverbunden und bodenständig", so hatte der zweite stellvertretende Vorsitzende im Kreistag, Karsten Mußler, Bäuerle eingangs charakterisiert. Und so verwunderte es nicht, dass der Musikverein aus dem heimischen Bühlertal, der den 65-Jährigen schon sein Leben lang begleitet, nun auch den musikalischen Schlusspunkt im Berufsleben setzte. Als besondere Überraschung blies Sohn Uwe Bäuerle, mittlerweile Vorsitzender des Musikvereins, "My Way" auf der Posaune für den Vater.

"Respekt für das Geleistete, Dank für das Getane und Mut für die Zukunft" äußerte Regierungspräsidentin Sylvia Felder, die sich sicher war: "Da ist noch ganz viel Musik drin". Der Karlsruher Landrat Dr. Christoph Schnaudigel sprach von seiner Bewunderung für Bäuerles Gelassenheit auch in Krisensituationen. Er habe "sehr große Fußspuren gesetzt", attestierte Karsten Mußler mit Blick auf das Erreichte, sei dabei stets bürgernah gewesen, aber auch keiner Diskussion oder öffentlichen Bürgerversammlung aus dem Weg gegangen. Als "Landrat der Herzen" würdigte ihn Reiner Dehmelt, der als Vorsitzender des Kreisverbands Rastatt des Gemeindetags sprach. Als "Chef zum Anfassen" charakterisierte ihn Personalratsvorsitzender Franz Herr. Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen beschrieb die Zusammenarbeit als "einen Tanz, bei dem er mich nie hat spüren lassen, dass er führt". Sie freue sich aber darauf, nun mit dem künftigen Landrat Toni Huber weiterzutanzen.

Und nachdem Kabarettist Jörg Kräuter, ebenfalls ein Bühlertäler, mit Betrachtungen zum "Bühlertäler Landrad", das auch als Schlagzeuger wiederverwendbar sei, einen Ausklang mit lachendem Auge bot, wurde zu den Klängen der Landratsamts-Hausband noch lange fröhlich weitergefeiert.

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