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Hilfreicher "Regenbogen"
11.05.2019 - 00:00 Uhr
Von Yvonne Hauptmann

Durmersheim - Hals über Kopf verliebt hat sich Alexandra Nowack vor 34 Jahren. Nicht in ihren Mann Christian, den kennt die Durmersheimerin schon viel länger, sondern gleich in ein ganzes Land. In Indien, um genau zu sein - "in seine Menschen, seine Gerüche und Farben", sagt sie. Und weil ihr der Subkontinent so sehr am Herzen liegt, hat Nowack vor neun Jahren beschlossen, den Menschen, die dort oft in bitterer Armut leben, zu helfen, indem sie ihre eigene Hilfsorganisation gegründet hat - den "Indischen Regenbogen e.V.".


Wie es dazu kam? "Das war Zufall, irgendwie." Ihre Oma sei in einem Pflegeheim in Rheinstetten untergebracht gewesen, wo eine Frau vom Orden der Fatima-Schwestern arbeitete. Diese habe irgendwann Besuch von einer Mitschwester aus Indien gehabt. Und Schwester Rebecca, die indische Besucherin, habe ihr von ihrer Arbeit erzählt und davon, dass sie mit nur 80 Euro im Jahr zwei Waisenmädchen ein ganzes Jahr lang versorgen und zur Schule schicken kann.

2009 hatte auch Maike, die jüngste Tochter der Nowacks, acht Wochen in Indien verbracht. "Und als sie wiederkam, sagte sie: ,Mama, da musst Du was tun'. Sie weiß halt, dass mir ein chronisches Helfersyndrom in die Wiege gelegt wurde", sagt die Durmersheimerin.

Im November 2010 machte Nowack Ernst. Sie flog nach Indien - zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren -, im Gepäck: Eine große Menge Bargeld, die sie bei Bekannten und Freunden gesammelt hatte. Seither ist sie mindestens zwei- bis dreimal im Jahr für jeweils drei Wochen vor Ort, begleitet von Mann oder Tochter, denn der "Indische Regenbogen" ist quasi ein Familienunternehmen. Nachdem die Hilfe in den ersten beiden Jahren noch recht "unbürokratisch" nach Indien gebracht wurde, gründete Nowack 2012 offiziell den Verein: "Sonst hätte der Fiskus mich ins Visier genommen". In der Satzung ist festgeschrieben, dass jeder, der über den "Indischen Regenbogen" eine Patenschaft für eins der von den Fatima-Schwestern betreuten Kinder übernimmt oder für die Projekte des Vereins spendet, automatisch Vereinsmitglied wird: Zwischen 600 und 700 Unterstützer sind es inzwischen.

Mit ihren Spenden werden nicht nur Halb- und Vollwaisen (hauptsächlich Mädchen) in den Häusern der Fatima-Schwestern betreut und zur Schule geschickt. Der "Indische Regenbogen" hat seit seinem Bestehen auch in Assam, im armen Nordwesten Indiens gelegen, ein Haus für 36 geistig und körperlich behinderte Kinder gebaut, um sie von der Straße zu holen. Es wurden Hauswirtschaftsschulen für junge Frauen errichtet, die von ihren Familien verstoßen wurde. Sie lernen dort lesen, schreiben und rechnen, erhalten Unterricht im Nähen und Kochen und bekommen, wenn sie mit der Ausbildung fertig sind, vom Verein eine eigene Nähmaschine finanziert. "So können sie sich eine Schneiderei irgendwo am Straßenrand aufbauen", erklärt Nowack. Witwen unterstützt der Verein damit, dass er ihnen eine Ziege kauft, die zum Auskommen der Familie beiträgt. Die Tiere sucht die Durmersheimerin teilweise selbst vor Ort aus: "Das ist manchmal ganz abenteuerlich, weil wir die dann ja auch mit in unserem Jeep transportieren. Ich schaue immer, dass ich ein trächtiges Tier erwische". Bei der Auswahl derer, die Hilfe benötigen, hilft das Netzwerk der Fatima-Schwestern vor Ort, die in der Regel auch für Nowack und ihre Mitreisenden dolmetschen.

Überhaupt lesen sich die Reiseberichte der 58-Jährigen, die diese regelmäßig auf der Vereinshomepage veröffentlicht, recht abenteuerlich. Anders als viele große Hilfsorganisationen reist Nowack nicht in luxuriösen, klimatisierten Karossen durchs Land, sondern benutzt die öffentlichen Verkehrsmittel. "Nur so kommt man mit den Menschen vor Ort ins Gespräch. Wir haben beispielsweise im Nachtzug schon von so manchem Notfall erfahren, bei dem wir helfen konnten", erzählt sie. Wenn es keine Eisenbahnlinie oder Busse gibt, wird in einen alten Jeep, der vor Ort gemietet wird, umgestiegen. Polizeischutz sei in den abgelegenen Gegenden, in denen die Häuser der Fatima-Schwestern liegen, meist unerlässlich. Bargeld haben Nowack und ihr Mann, der sie fast immer begleitet, inzwischen nur noch wenig dabei. "Wir regeln das mittlerweile über Überweisungen." Es wird allerdings penibel dokumentiert, welches Geld für was überwiesen wurde und ob es auch am Bestimmungsort ankam. Man kaufe bei den Besuchen in Indien auch Fahrräder oder Motorroller, die den Schwestern die Krankenbesuche in abgelegenen Gegenden massiv erleichtern. Fahre man durch ein armes Dorf, in dem die Not groß sei, kaufe man vor Ort Lebensmittel, um sie unter den Bewohnern zu verteilen.

Am 9. November will Ale-xandra Nowack wieder nach Indien reisen. Die Kinder in den Boarding Houses der Fatima-Schwestern erwarten sie schon. "Und auch ich habe jetzt schon Heimweh", sagt sie - und zeigt sich dankbar für die vielen Einzelspender und Organisationen, die ihren kleinen Verein unterstützen. "Das ist doch der beste Lohn für meine Strapazen. Zu sehen, dass es sich lohnt."

www.indischer-regenbogen.de

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