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"Spielen, bis der Bagger kommt"
11.05.2019 - 00:00 Uhr
Elchesheim-Illingen - Die Fronten zwischen Rot-Weiß Elchesheim (RWE) und der Gemeinde sind spätestens seit dem Ratsbeschluss vom 23. Juli 2018 verhärtet. Damals hatte der Gemeinderat einstimmig den Beschluss gefasst, dass die Fußballplätze in Illingen "zukünftige gemeinsame Sportstätte" der beiden Vereine RWE und FC Illingen sind. Trotz der Aufforderung durch Bürgermeister Rolf Spiegelhalder in der jüngsten Ratssitzung (das BT berichtete) sieht RWE-Vorsitzender Dieter Link keine Veranlassung, auf die Gemeinde zuzugehen, wie er im Gespräch mit BT-Redakteurin Anja Groß betont. Gestützt sieht er sich durch einen entsprechenden Mitgliederbeschluss.

Interview

BT: Herr Link, Bürgermeister Rolf Spiegelhalder hat in der jüngsten Gemeinderatssitzung den Rot-Weiß Elchesheim aufgerufen, zwecks Sportstättenfrage auf die Gemeinde zuzugehen. Haben Sie schon einen Termin ausgemacht?

Dieter Link: Nein weil es ja einen bestehenden Mitgliederbeschluss gibt und nicht wir etwas von der Gemeinde, sondern die Gemeinde etwas von uns möchte. Man möchte mit dem Ratsbeschluss vom 23. Juli 2018 den Verein, der dieses Jahr sein 90-jähriges Bestehen feiert, zwingen, seine Heimat aufzugeben. Der FV Rot-Weiß ist ein sehr engagierter Verein, der viel zum sportlichen, kulturellen und geselligen Leben im Ort beiträgt. Wir haben ein gepflegtes, funktionierendes Clubhaus, bieten erfolgreiche Jugendfreizeiten an. Diese Aktivitäten beanspruchen nicht nur ehrenamtliche Tätigkeiten in großem Umfang, sondern kosten auch Geld. Heute sind wir ein anerkannter Landesligaverein, der für seine erfolgreiche Arbeit bewundert wird, die in einem wirklich schwierigen infrastrukturellen Umfeld geleistet wird. Doch gerade dank der zahlreichen ehrenamtlichen Vereinsmitglieder ist dieses zu stemmen - und diese Leute stellen sich in diesen Dienst, weil sie sich bei diesem Verein, seinem Umfeld und Standort heimisch fühlen. Ehrenamtliche kann man nur durch Motivation, Freude Überzeugungskraft für eine solche Arbeit gewinnen - sicherlich aber nicht durch Druck.

BT: Gab es seit dem Ratsbeschluss im Juli vergangenen Jahres überhaupt mit Ihnen weitere Gespräche in dieser Angelegenheit?

Link: Nein, da wir keine Basis sehen und wir bei den vorherigen Gesprächen schlechte Erfahrungen gemacht haben. Wir sind immer noch der Meinung, aufgrund der ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkte ist der Standort Elchesheim ganz klar nachhaltiger. Deshalb haben wir immer eine Machbarkeitsstudie gefordert, in der alle Punkte bewertet werden.

BT: Sie lassen die Ratsentscheidung von der Kommunalaufsicht überprüfen mit dem Ziel, dass erneut abgestimmt werden muss. Die Entscheidung war damals einstimmig. Was stimmt Sie zuversichtlich, dass eine neuerliche Abstimmung anders ausfallen würde?

Link: Es geht darum, dass man erkennen kann, dass hier nicht mit einer transparenten Beratung und Vorgehensweise gehandelt wurde. Auch wurden der Öffentlichkeit nicht alle Fakten dargelegt, sowie alles in nichtöffentlichen Beratungen zurechtgelegt.

BT: Der Fußballverein, dessen Vorsitzender Sie sind, hat angekündigt, gegen die Entscheidung juristisch anzugehen. Das klingt so, als könnte man eine demokratische Entscheidung nicht akzeptieren.

Link: Sicherlich sind demokratische Entscheidungen zu respektieren, wenn man wirklich alle anhört. Wenn man auch Neutrale in den Findungsprozess mit einfließen lässt. Doch warum lässt man keine neutralen Schlichter zu? Der Vorsitzende des Badischen Sportbunds, Gundolf Fleischer, hat sich als Schlichter angeboten - oder Prof. Dr. Christian Dusch, Lehrstuhlinhaber an der Fachhochschule öffentliche Verwaltung in Kehl. Doch dieses Angebot wurde von der Gemeinde ausgeschlagen.

BT: Beschäftigt der Rot-Weiß sich überhaupt mit einem möglichen Umzug nach Illingen?

Link: Nein, damit beschäftigen wir uns nicht, da dies der Mitgliederbeschluss nicht vorsieht. Die Gemeinde möchte, dass ehrenamtliche Vorstände als Bauherren auftreten und somit ein umfangreiches fachliches und finanzielles Risiko tragen - vom Zeitpensum mal ganz abgesehen. Denn es müssen ja auch Steuerrecht, baurechtliches Zuschusswesen und kostenrechtliche Vorgaben eingehalten und geprüft werden. Wie sollen dies die Ehrenamtlichen stemmen? Welcher Vorstand zieht sich diesen Schuh an, zumal die Mitglieder in ihrem Beschluss klargemacht haben, dass sie solch eine Option nicht mittragen?

BT: Aber wäre es nicht im Interesse des RWE, auf die Gemeinde zuzugehen, um den Prozess mitgestalten zu können?

Link: Wir sind schon auf die Gemeinde zugegangen, doch wurden wir in keiner Weise richtig angehört - noch unsere Problematik anerkannt. Jeder wird verstehen, dass wir unser funktionierendes Clubhaus nicht gegen ein nicht mehr zeitgemäßes und extrem sanierungsbedürftiges Gebäude eintauschen werden und Geld und Arbeitsschweiß in ein Clubhaus stecken, das uns dann nicht mehr gehört.

BT: Sorgt das Thema für Unruhe im Verein beziehungsweise beeinträchtigt das Ihren Spielbetrieb?

Link: Wir versuchen, es vom Spielbetrieb fernzuhalten, doch sind wir aufgrund der infrastrukturellen Probleme stark eingeschränkt.

BT: Der Bürgermeister hat ebenfalls in der jüngsten Sitzung angekündigt, man müsse nun den Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan in Elchesheim angehen, der ja den Sportplatz umfassen soll. Steht der RWE möglicherweise irgendwann ohne Sportgelände da?

Link: Das haben nicht wir zu verantworten, es ist erstmal abzuklären, wie weit eigentlich das Baugebiet so genehmigt wird.

BT: Die Situation scheint ziemlich verfahren, der Gesprächsfaden zur Gemeindeverwaltung abgerissen. Sehen Sie noch eine Möglichkeit, diesen wieder aufzunehmen?

Link: Mit diesen Voraussetzungen sehe ich persönlich keine Basis. Ich bin aber gerne bereit, Menschen mein Amt zur Verfügung zu stellen, die meinen, dass ihre Vorstellung von dieser Sache der bessere Weg ist. Es gibt ja Vereinsmitglieder, die eine andere Meinung kundtun und den Umzug befürworten.

BT: Wie geht es nun weiter?

Link: Ganz nach dem Slogan "Spielen, bis der Bagger kommt".

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