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Nur wenige geben ihren Führerschein zurück
Nur wenige geben ihren Führerschein zurück
14.05.2019 - 00:00 Uhr
Von Sabine Wenzke

Rastatt - Das kommt nicht so oft vor beim Straßenverkehrsamt des Landkreises Rastatt: Ursula Kopp erinnert sich noch gut an eine rüstige 90-Jährige, die ihren Führerschein aus eigenem Antrieb abgab, weil sie sich nicht mehr so fit fühlte, um sicher am Straßenverkehr teilzunehmen. Meist passiert dies erst dann, wenn die Betroffenen in einen Unfall verwickelt waren und es dabei Auffälligkeiten gegeben hat, erläutert die Sachgebietsleiterin der Fahrerlaubnisbehörde.





Die Auffälligkeiten bei Älteren ab dem Jahrgang 1938 hätten seit Anfang des Jahres zugenommen, berichtet Ursula Kopp. Hat der Verkehrsteilnehmer einen Unfall verursacht und die Polizei bei der Unfallaufnahme den Eindruck, dass derjenige schlecht sieht oder hört oder in seinen Bewegungsabläufen behindert ist oder eine Krankheit haben könnte, die seine Teilnahme am Straßenverkehr gefährlich macht, melden dies die Beamten der Verkehrsbehörde. Um abzuklären, ob eine Erkrankung besteht, verlangt diese dann in der Regel von den Betroffenen als erste Maßnahme eine Bescheinigung des Hausarztes. Aus dieser Bescheinigung sollen die bestehenden Erkrankungen und die derzeitige Medikation hervorgehen.

Krankheiten, die sich auf die Fahrtüchtigkeit auswirken können, sind unter anderem Herz- und Gefäßerkrankungen, Parkinson, psychische Störungen, Epilepsie, Demenz oder auch ein falsch eingestellter Diabetes. So kam es schon vor, "dass Leute unterzuckert waren, ohnmächtig wurden und in den Graben gefahren sind", nennt Kopp nur ein Beispiel. Aber auch einige Medikamente können die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Bei bestimmten Erkrankungen kann ein fachärztliches Gutachten angeordnet werden, das nach speziellen Begutachtungsleitlinien erstellt wird. Hier kommen manchmal auch ganz andere Krankheiten zum Vorschein, von denen die Betroffenen noch gar nichts wussten, berichtet Kopp weiter. Oftmals sei aber alles in Ordnung und die Ursache vielleicht nur auf Nervosität oder Unachtsamkeit zurückzuführen. Bei einem für sie negativen Ergebnis seien die Betroffenen allerdings mehr oder weniger auch einsichtig und gäben ihren Führerschein dann freiwillig ab.

Es gibt aber auch andere Fälle. Erst dieser Tage hat Kopp einen Verzicht auf die Fahrerlaubnis erhalten, erzählt sie, die Führerscheininhaberin leide unter einer demenziellen Erkrankung. "Bei dieser Erkrankung sind die Betroffenen meist sehr uneinsichtig und heben darauf ab, dass sie seit Jahrzehnten unfallfrei fahren. In diesem Fall haben die Angehörigen aber gut mitgewirkt", erzählt sie.

Hintergrund

Macht derjenige indes nicht mit und bestehen erhebliche Zweifel an der Fahrtauglichkeit, kann die Behörde auch Fahrproben anordnen. Die Kosten hat der Betroffene zu tragen. Die Verwaltungsgebühr beträgt 30,60 Euro, hinzu kommen die Gebühren des Prüfers und die Kosten der Fahrschule sowie für die Fahrstunden vor der Fahrprobe. Wird das geforderte "Gutachten eines amtlich anerkannten Sachverständigen oder Prüfers für den Straßenverkehr" nicht vorgelegt, kann die Behörde die Fahrerlaubnis entziehen. "Wir machen das nicht gerne, haben aber manchmal keine andere Wahl," verdeutlicht Vera Kramer, Leiterin des Kreis-Straßenverkehrsamts. Das passiere insgesamt aber in höchstens 20 Fällen pro Jahr. Und Ursula Kopp ergänzt: "Unsere Handlungsweise ist immer auf den Einzelfall bezogen, deshalb ist es auch schwierig, allgemeine Vorgehensweisen anzugeben."

Der Autounfall des britischen Prinzen Philip (98), der danach seinen Führerschein abgegeben hat, hat das hochsensible Thema Senioren am Steuer befeuert. Pauschalieren sollte man aber grundsätzlich nicht. In jeder Altersklasse gibt es gute und schlechte Autofahrer. In manchen anderen europäischen Ländern müssen ältere Autofahrer ihre Fahrtauglichkeit in medizinischen Untersuchungen oder Sehtests nachweisen. In Deutschland gebe es solche Regelungen bisher nur für Lkw- und Busfahrer ab dem 50. Lebensjahr, informiert Kopp. Für Menschen, die sich nicht sicher sind, was sie sich zutrauen können, haben die Fachfrauen neben der hausärztlichen Untersuchung einen Tipp: Es gibt freiwillige Fitness-Checks verschiedener Anbieter wie Dekra oder TÜV. Dabei könne ja zum Beispiel herauskommen, dass jemand nicht mehr die stark frequentierte Autobahn nutzen oder generell nachts nicht mehr mit dem Pkw unterwegs sein sollte, um sich und andere nicht zu gefährden, aber sehr wohl noch fähig ist, zum Einkaufen oder zum Arzt zu fahren und damit seine Mobilität und Selbstständigkeit erhalten kann, meint Kopp.

2018 hatte die Polizei der Straßenverkehrsbehörde des Landkreises in 1068 Fällen Auffälligkeiten gemeldet, wobei alle Altersklassen vertreten waren. Davon waren die Autofahrer in 30 Fällen 70 Jahre oder älter. Insgesamt wurden 2018 an die 20 Führerscheine zurückgegeben und 431 Neuerteilungen nach Entzug der Fahrerlaubnis erteilt.

Und wer nicht mehr kann oder mit dem Auto fahren mag, kann auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen: Der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) bietet Rentnern bei Abgabe ihres Führerscheins und Bestellung eines Jahresabos die Karte ab 65 für die ersten sechs Monate kostenlos an. Die Aktion gibt es seit 2007. Seitdem haben rund 2 000 Menschen diese Möglichkeit genutzt, teilt die KVV-Pressestelle mit. Die Nachfrage sei seit einigen Jahren auf einem stabilen Niveau.

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