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Birne, Glocke und viel "heiße Luft"
16.05.2019 - 11:51 Uhr
Von Anja Groß

Muggensturm - "Pfffffffff" - obwohl ich ordentlich Luft geholt hatte, kommt statt eines Tons nur "heiße Luft". Ich hatte ja schon befürchtet, dass mein neues Projekt nicht so einfach werden würde. Aber das? Peinlich! Ich muss lachen. "Genau so hatte ich mir das vorgestellt", murmele ich vor mich hin. Lilia Jones-Gonzalez bleibt ganz gelassen. "Das Mundstück muss weiter in den Mund", erklärt sie, "und noch einmal". Ich hole wieder tief Luft, und tatsächlich: Laut und deutlich erklingt ein Ton aus meiner Klarinette.





"Juhuu", denke ich, "der erste Schritt ist geschafft." Und mit dem Ton durchdringt mich die Gewissheit, dass die Klarinette das richtige Instrument für mich ist. Den Klang mochte ich ja schon immer. Aber ich mag auch den Klang einer Gitarre oder eines Akkordeons - und würde trotzdem nie auf die Idee kommen, diese Instrumente lernen zu wollen.

Schon das Handling könnte ich mir für mich überhaupt nicht vorstellen. Die Klarinette hingegen schon - vielleicht, weil ich lange Blockflöte gespielt habe, und in einem Flötenensemble auch Alt- oder Piccoloflöte. Haltung und Handling zumindest scheinen da einigermaßen vertraut - auch wenn das mit der Flöte zugegebenermaßen schon eine halbe Ewigkeit her ist ...

"Das ist ein g, der Grundton", erklärt meine Ausbilderin am Ende des ersten 30-minütigen Unterrichts. Jeden Freitag wird die junge Kubanerin mit dem sympathischen Akzent mir künftig in den Räumen der Neuapostolischen Kirche in Muggensturm die Klarinettentöne beibringen.

Die erste Stunde ist dabei vor allem von einem geprägt: Wie baue ich mein (Leih-)Instrument überhaupt zusammen und wieder auseinander, und wie heißen die einzelnen Teile? Birne für den oberen Aufsatz und Glocke für das untere Teil prägen sich gleich ein. Beim Handling tue ich mich zunächst schwer: "Bloß nichts kaputtmachen!" Zaghaftigkeit führt beim Zusammendrehen allerdings nicht zum Ziel, merke ich schnell.

Zu guter Letzt kommt das Mundstück dran. Lilia Jones-Gonzalez gibt mir ein Holzblättchen und zeigt mir, wie ich es im Mund anfeuchten muss, bevor es am Mundstück festgeschraubt wird. Da kommt es auf den exakten Sitz an, denn Blatt und Mundstück ergeben zusammen den Schwingungserzeuger der Klarinette. Und als sie anfängt, von verschiedenen Härtegraden zu erzählen, schwant mir, dass das das sensibelste Teil meines neuen Instruments ist.

Nun wird die Klarinette auf dem Daumengelenk positioniert, das das Instrument trägt. "Das gibt mit der Zeit Druckstellen", warnt Jones-Gonzalez mich vor. Das Mundstück umschließen, dabei überspannt die Unterlippe die Zähne, während die oberen Zähne quasi ins Mundstück beißen. Die Lippen anspannen (ähnlich als ob man aus einem Trinkhalm trinkt) und feste pusten. Man braucht dabei richtig Druck, merke ich schnell. "Ja, Klarinette ist anstrengend", bestätigt meine Ausbilderin - im Vergleich zu Querflöte und Saxofon, die sie auch unterrichtet, das anstrengendste Instrument, meint sie. Man müsse viel mit Luft arbeiten, die aus dem Bauch gepresst wird. Wie daraus wohlklingende Töne werden sollen, ist mir noch ein Rätsel. Aber aller Anfang ist schwer, das weiß ich noch vom (eher unmotivierten und daher erfolglosen) Klavierspielen oder vom (motivierten und daher erfolgreicheren) Singen im Gospelchor.

Immerhin gelingen mir ein paar saubere Töne, was offenbar nicht selbstverständlich ist. "Dass es am Anfang mal quietscht, ist normal", höre ich ungefragt immer wieder tröstende Worte von Leuten, die sich mit Blasinstrumenten auskennen. Und ich beginne langsam zu ahnen, dass da noch etwas auf mich zukommen wird.

Jones-Gonzalez übernimmt für den Musikverein Muggensturm die Ausbildung des neuen Anfängerorchesters für Erwachsene. Die Idee dazu hatte Ausbildungsleiter Michael Krug. "Ich habe im Freundeskreis oft gehört, dass jemand schon immer dieses oder jenes Instrument lernen wollte, es als Kind nicht durfte und es für Erwachsene wenig Möglichkeiten gibt", erzählt er bei unserem ersten Telefonat, "da ist die Idee gereift".

So wie ich haben sich von der Ausschreibung im BT neun weitere Erwachsene spontan begeistern lassen. Drei davon sind Neueinsteiger, darunter auch ich mit meiner Klarinette. "Nur drei Anfänger? Das kann ja heiter werden", denke ich, als ich das höre, und verliere fast schon den Mut. Aber Krug beruhigt mich: "Vielleicht steigen die Anfänger auch erst nach den Sommerferien ins Orchester ein", erklärt er. Das werde Orchesterleiter Peter Müller beim ersten Treffen entscheiden. "Er hat in seiner Musikerlaufbahn schon etliche Instrumente gespielt und kann dadurch jedem Teilnehmer noch Tipps und Tricks mit auf den Weg geben", erklärt Krug. Dass Müller zudem Noten exakt auf die vorhandene Besetzung zuschneiden kann, werde dafür sorgen, dass jeder die Noten bekomme, die dem jeweiligen Leistungsniveau entsprechen, hatte es in der Ankündigung geheißen. "Also, nur Mut", sage ich mir, Übung macht doch den Meister ...

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