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Robert Wein: "Feuer brennt noch leidenschaftlicher"
17.05.2019 - 00:00 Uhr
Bischweier - Robert Wein hat kürzlich seinen 61. Geburtstag gefeiert, und wenn er im kommenden Jahr seinen 62. begeht, dann geht auch seine vierte Amtszeit als Bürgermeister von Bischweier zu Ende. Ob er nach dann 32 Jahren noch eine fünfte Amtsperiode anstrebt, wollte BT-Redakteur Markus Koch von ihm wissen.

BT: Herr Wein, nächstes Jahr geht Ihre vierte Amtszeit zu Ende. Welche Projekte wollen Sie bis dahin abgeschlossen haben, welche werden Sie noch beginnen? Die To-do-Liste ist lang: Erschließung Winkelfeld, neuer Kindergarten, Sanierung von Schule, Markthalle, Feuerwehrgerätehaus, Bauhof-Gebäude und DRK-Depot sowie Neugestaltung des Friedhofs.

Robert Wein: Meine Amtszeit endet genau am 31. Dezember 2020, das sind noch fast 20 Monate. Ich mache meine Arbeit immer noch sehr gerne und mit vollem Einsatz. Den Zeitplan für die Erschließung des Winkelfelds halten wir ein, der Bebauungsplan wird noch vor dem Sommer beschlossen. Im Hinblick auf einen neuen Kindergarten haben wir keinen Druck, denn es gibt im Dorfhaus noch zwei Gruppenräume, die wir beziehen können. In der Hermann-Föry-Straße gibt es eine ausreichend große Gemeinbedarfsfläche für den Bau eines neuen Kindergartens. Das Bauhofgebäude muss saniert werden, zudem gibt es dort keine Sozialräume.

BT: Sie werden 2020 insgesamt 32 Jahre Bürgermeister von Bischweier sein. Mit welchen Gefühlen blicken Sie zurück? Was hätten Sie im Nachhinein anders gemacht?

Wein: Ich blicke mit Freude und Stolz zurück. Das Feuer brennt, oft noch leidenschaftlicher als am ersten Tag. Mit Bischweier ist es wie mit meiner Bärbel: Das passt und ist hochemotional. Wenn man etwas gern macht, dann zieht man auch Kraft daraus. Doch ein Feuer kann auch an einem zehren. Es gab Phasen der Erschöpfung und auch harte Zeiten. Das ist aber bei jedem so. Ich habe es auch geschafft, mich zu regenerieren. Ich bin stolz auf die Unterstützung der Bürger. Das "Wir" ist auch das A und O im Gemeinderat und im Rathaus, wir leben die kommunale Familie. Und unsere Bilanz kann sich sehen lassen. Bei grundsätzlichen Weichenstellungen lagen wir immer richtig. Ich stelle mir täglich die Frage, was man noch besser machen kann. Ich höre mir auch gerne andere Meinungen an und habe Achtung vor dem Andersdenkenden. Das gehört zur Kunst in der Politik: Ich brauche Demut und Mut zum Konsens.

Interview

BT: Bei Ihrer Amtseinführung am 11. Januar 1989 wünschte Ihnen Bürgermeisterstellvertreter Norbert Westermann, dass Sie wie ein Bischweierer Birnbaum werden sollen: "Uralt und von Jahr zu Jahr ertragreicher." Ist Ihre Amtszeit von Jahr zu Jahr ertragreicher gewesen?

Wein: Der Birnbaum ist ein klasse Beispiel. Ich kann mir zwar sagen, du musst wachsen und vor Kraft strotzen, doch es gibt auch viele äußere Faktoren, auf die ich keinen Einfluss habe. Das beschreibt unser Geschäft treffend. Die Dorfgemeinschaft ist der Birnbaum, ich bin nur ein Zweig an diesem Baum. Ein Obstbaum kann übrigens nicht von Jahr zu Jahr ertragreicher werden, das geht nicht.

BT: Nach der letzten Wahl 2012 haben Sie gesagt, dass Sie mehr Zeit für Familie und Freunde haben wollen. Haben Sie dies geschafft?

Wein: Manchmal. In so einem kleinen Laden wie dem unseren geht das einfach nicht. Wenn ich mal nur meine Urlaubstage anschaue, die ich noch übrig habe - oje!

BT: Das Thema Spanplattenwerk begleitet Sie von Beginn an. Wie ist der aktuelle Stand der Dinge?

Wein: Ich stecke viel Zeit und Energie in dieses zentrale Thema rein und bedanke mich bei meinen Kollegen in Kuppenheim und Gaggenau für die gute Zusammenarbeit. Wir haben ein klares politisches Ziel: Wir wollen das Werk weghaben. Ich habe dem Kronospan-Konzern gesagt, dass wir offen sind für andere Nutzungen. Damit muss man sich jetzt schon beschäftigen.

BT: Die 775-Jahr-Feier 2018 hat deutlich gemacht, dass im Dorf das ehrenamtliche Engagement abnimmt. Was hat sich im Hinblick auf die Dorfgemeinschaft verändert?

Wein: Wir hatten Anfang der 1990er Jahre eine Welle von Frühverrentungen beim Benz und auf einmal gab es jede Menge Bürger mit Anfang 60, von denen viele bereit waren, sich ehrenamtlich zu engagieren. Das haben wir heute zwar nicht mehr, aber ich würde nicht sagen, dass das ehrenamtliche Engagement im Ort abgenommen hat. Was uns aktuell fehlt, ist eine Seniorenarbeit.

BT: Der Gemeinderat befasst sich seit Jahren mit unerledigten Projekten: Sanierung und Umnutzung der Bahnhofstraße 19, Anlegen eines Rundwegs um Bischweier oder der Gemarkungstausch mit Kuppenheim. Wann sind diese Vorhaben voraussichtlich abgehakt?

Wein: Alles hat seine Zeit und die muss halt kommen. Im Hinblick auf das gemeindeeigene Gebäude in der Bahnhofstraße 19, das ortsbildprägend ist, gibt es noch bis Ende 2020 Fördermittel. Was wir dort machen, werden wir mit dem neuen Gemeinderat entscheiden. Den Gemarkungstausch mit Kuppenheim muss man nicht übers Knie brechen. Da geht es auch um die Frage, wie wir miteinander umgehen. Wir haben eine gute Nachbarschaft mit Kuppenheim und würdigen auch die Erfordernisse der Gegenseite.

BT: Möchten Sie im nächsten Jahr für eine fünfte Amtszeit antreten und falls ja, für eine volle?

Wein: Ich sage noch einmal: Alles hat seine Zeit, auch die Zeit zur Entscheidung. Diese wird es nächstes Jahr vor Ostern geben. Unser geschätzter Ministerpräsident ist zehn Jahre älter als ich und der macht vielleicht auch weiter. Die Wahl ist erst im Oktober 2020, da habe ich noch etwas Zeit.

BT: Haben Sie mit Ihrer Familie das Thema besprochen?

Wein: Selbstverständlich. Es gibt ein Leben nach der Politik, das wurde auch kürzlich bei der Verabschiedung von Landrat Jürgen Bäuerle gesagt. Doch was wir in der Familie bereden, das bleibt auch in der Familie.

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