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Ironische Dialoge
Ironische Dialoge
31.05.2019 - 00:00 Uhr
Von Sebastian Linkenheil

Rastatt - Das ist mal eine unterhaltsame Ausstellung. Unterhaltsam im besten Sinne: Es gibt viel zu sehen, zu schmunzeln, aber auch zum Nachdenken. Der Kunstverein Rastatt lädt morgen, 1. Juni, um 17 Uhr zur Vernissage seiner neuesten Schau in die Pagodenburg ein: Thomas Kocheisen und Ulrike Hullmann stellen Malerei und Skulpturen mit surrealen bis absurden Inhalten aus.

Die beiden wurden bisweilen als Künstlerpaar bezeichnet, sie selbst nennen sich "ein Team, das seit 33 Jahren zusammenarbeitet". Gemeinsam haben sie ein Atelier in Berlin. Der Kontakt zu Rastatt kam zustande, weil Thomas Kocheisen Studienkollege von Kunstvereinsmitglied Walter Jung ist. Beide lernten sich seinerzeit an der Kunstakademie in Karlsruhe kennen.

Die Pagodenburg hatte das Berliner Künstlerteam noch nie betreten, als es sich an die Konzeption der Ausstellung machte. Die verspielten Werke sind dennoch eigens für diesen besonderen Ausstellungsraum entstanden: "Wir wussten, dass es sich um ein barockes Lustschlösschen handelt." Außerdem hatte der Kunstverein Grundrisse zur Verfügung gestellt. Dem Künstlerteam ist es bestens gelungen, die nicht einfach zu bestückenden Räume durch ihren Gesamtentwurf zu bespielen. Die Ausstellung ist ausgesprochen vielseitig und abwechslungsreich, ohne dabei beliebig zu werden. Geschnitzte Skulpturen aus Lindenholz treten in einen ironisch gebrochenen Dialog mit den Gemälden (Acryl auf Holzfaserplatten). Das gilt zum Beispiel für eine ins Fantastische gesteigerte Krone, die in direktem Gegenüber zu einem gemalten Prinzessinnenschloss platziert ist. Das Schloss erinnert gar nicht an die Pagodenburg oder die Rastatter Residenz, sondern an Neuschwanstein, diesen Prototyp des Märchenschlosses, der durch Walt Disney zur Ikone wurde. Überhaupt hat die Malerei des Künstlerteams einiges von Trickfilmklassikern abgeschaut. Und gerade dem Märchenhaften kann man in Bildern und Skulpturen immer wieder begegnen, zum Beispiel, wenn sich der Blick in einem mystischen Tannenwald verliert. Die bewusst naive Malweise erinnert ein bisschen an Kinder- oder eben Märchenbuchillustrationen und an Bühnenbilder.

Traumhafte Gebilde sind die in absurde Dimensionen gewachsenen Pilze in irrealen Farben, die in Bildern wie als Skulptur auftauchen. Wer sich hier an die halluzinogene Wirkung mancher Exemplare erinnert fühlt, liegt vermutlich nicht ganz verkehrt.

Bemerkenswert sind die aus amerikanischem Nussbaumholz gefertigten Modellgebäude: Eine Kirche, die auch ein Westernsaloon sein könnte, ist ein wenig angekokelt und beginnt zu zerfallen. An Vergänglichkeit gemahnt auch eine Ferienhütte, wie es sie für Jugendgruppen in der DDR gab und die nun in den Wäldern vor sich hingammeln. Als Zeugnisse einer untergegangenen Utopie, wie Kocheisen findet.

Die Schau dauert bis 30. Juni und ist freitags von 15 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

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